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Beuren

10.09.2018

Bei Manfred Eichhorn geht es auch ohne Blut

Bild: Dagmar Hub

Spannendes Lesevergnügen: Der neueste Krimi des früheren Ulmer Buchhändlers hat sehr viel mit einer Jugendliebe und einem bedeutenden deutschen Autor zu tun.

Klaus Lott, in den Kriminalromanen von Manfred Eichhorn Erster Kriminalhauptkommissar in

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Ulm, ist mit dem vierten Band der Serie in den Ruhestand gegangen. Doch ein beschauliches Pensionärsleben und damit das literarische Schweigen erwartete die Figur bei seinem Autor nicht: Das Telefon klingelt, und Lott erkennt die Stimme seiner Jugendliebe Ilse augenblicklich. Sie bittet ihn um Hilfe, weil ihre Tochter verschwunden ist. So beginnt „Schwanenschrei“, Eichhorns fünfter Band um den Kriminalisten Lott. In diesem Krimi fließt kein Tropfen Blut, und unfreiwillig ins Jenseits befördert wird nur eine gewilderte Gemse. Aus seiner Erzählkunst heraus aber hat der Beurener Manfred Eichhorn mit „Schwanenschrei“ ein meisterliches Werk geschaffen, mit gekonnt glaubwürdigen Gesprächen und Emotionen, die die Spannung über die letzte Seite hinaus aufrechterhalten.

Zehn Jahre lang beschäftigte ihn diese Erzählung, bis er sie fertig schreiben konnte, sagt Manfred Eichhorn: Eine Wiederbegegnung nach 40 Jahren mit der Jugendliebe am Tegernsee, verknotet auf geheimnisvolle Art mit Hinweisen auf ein verschwundenes Tucholsky-Manuskript. Von einem solchen letzten Text, betitelt angeblich „Schwanenschrei“, hatte die Witwe des Literaten Kurt Tucholsky damals gesprochen, als Lott und seine 18-jährige Freundin Ilse bei ihr waren. Damals, als der Tegernsee noch Ort vieler Künstler und Schriftsteller war.

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Hinter „Schwanenschrei“ steht eine authentische Geschichte. „Ich kann nicht erzählen ohne eine reale Erfahrung“, sagt Manfred Eichhorn. „Aber ich bin auch kein absoluter Realist. Ich brauche die Freiheit der Fantasie.“ Dass er und seine Frau Monika sich am Tegernsee ineinander verliebten, dass sie genau an jenen Orten waren und in jenen Lokalen aßen, an denen er Lott und seine Jugendliebe Ilse sein lässt, das stimmt. Aber Manfred Eichhorn heiratete im realen Leben seine Jugendliebe, beide wurden Buchhändler, anders als seine Romanfigur, die ihre Jugendliebe fallen ließ, als er die Ulmerin Elli in einer Buchhandlung kennenlernte.

Der Autor war zu Besuch bei der Witwe Tucholsky

Während er erzählt, hält Manfred Eichhorn Briefe und ein Foto in der Hand. Die junge Frau auf dem Bild aus dem Jahr 1970 ist Monika, seine spätere Frau. Neben ihr steht Mary Tucholsky, die Witwe Kurt Tucholskys. Monika war mit Eichhorn gemeinsam damals tatsächlich bei ihr, für ein Gespräch, für eine Abschlussarbeit über den Autor, die sie zu schreiben hatte. Wahrscheinlich sind dieser ganz reale und eindringlich erzählte Kern des Buches und sein Verwobensein in die Fiktion eines solchen Wiedersehens das Geheimnis, das „Schwanenschrei“ so fesselnd macht. Zusätzlich spielen andere Realitäten in die Handlung hinein: der Bauboom am Tegernsee, die Zerstörung von Tradiertem, das die Region für Touristen so anziehend macht, und – spannend für Ulmer – die ehemalige Hochschule für Gestaltung. „Deren Studenten kannten wir“, erzählt Manfred Eichhorn. „Man suchte den Kontakt, ging auf deren Feste. Es war die Zeit der sexuellen Revolution.“ Denn auch die hat ihren Platz im Szenario von „Schwanenschrei“.

Am Ende des Buches eröffnet sich für die Romanfigur Klaus Lott eine neue Lebensperspektive. Ob sie genutzt wird, bleibt für den Leser offen.

Wie viel von Manfred Eichhorn steckt in Klaus Lott, und wie viel Lott steckt in dem 67 Jahre alten Mann, der Buchhändler in Ulm war, bis er und seine Frau Monika das Geschäft aufgaben? „Schon ziemlich viel“, gibt der Autor schmunzelnd zu. „Lott steht an der Schwelle des Alters, er hinterfragt sein Leben, seine Ehe und seinen Beruf und fragt sich, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er anders entschieden. Und die Hüftprobleme von Lott, die habe ich auch.“

Schwanenschrei“ von Manfred Eichhorn ist erschienen im Gmeiner Verlag, 244 Seiten, 12 Euro. Demnächst erscheint der Roman auch als Hörbuch auf CD.

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