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Wullenstetten

12.08.2019

Besuch im Stall: So schön kann ein Pferdeleben sein

Pferdehof-Besitzerin Tanja Ölberger zeigt den Kindern aus dem Kindergarten St. Martin ihren Pferdehof bei einem Aktionstag des BBV. Die Kleinen dürfen auch mal Pferd Chill streicheln.
Bild: Angela Häusler

Kindergartenkinder besuchen mit dem Bauernverband den Bewegungsstall der Familie Ölberger in Wullenstetten. Dort bewegen sich die Tiere frei, müssen aber einiges neu lernen.

Einen besonderen Pferdestall entdeckten vor Kurzem rund 90 Kindergartenkinder im Sendener Ortsteil Wullenstetten: Beim Kindertag des Bauernverbands nämlich bekamen sie Einblick in die Arbeit auf dem Pferdehof der Familie Ölberger. Diese bietet den Vierbeinern mit ihrem neu errichteten Bewegungsstall ungewohnte Möglichkeiten.

Nach Lust und Laune übers Gelände schlendern, in Gruppen zusammenstehen, dann und wann neue Futterrationen abholen – so verbringen die 29 Pferde auf dem Hof von Markus und Tanja Ölberger ihre Tage. Freilauf statt Boxenhaltung ist die Devise im Bewegungs- oder auch Aktivstall, der ganz ohne die gewohnten Pferdeboxen auskommt.

Denn statt einen großen Teil ihres Lebens in einer wenige Quadratmeter großen, langweiligen Box zu verbringen, können sich die Vierbeiner in dieser Haltungsform durchgehend frei bewegen. Sie entscheiden selbst, erklärt Landwirt Markus Ölberger, ob sie sich in einer der Liegehallen hinlegen, an eine der Futterstationen gehen oder auf dem 1,5 Hektar großen Areal herumwandern wollen. Daneben gibt es noch die 3,5 Hektar große Weide – und sogar eine Kuhle mit Wasser zur Abkühlung ist für die Pferde eingerichtet.

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Stallform bietet artgerechte Haltung

Wegen der artgerechten Haltung und der Wirtschaftlichkeit, berichtet Ölberger, seien sie auf diese Stallform umgestiegen. Notwendig war dazu der Neubau der Anlage, die im Februar in Betrieb ging. Mit neun Pferden zog der Betrieb dann vom Wullenstetter Gerinne aus dem Ort hinaus an die Heerstraße. Mitten im Grünen haben die mittlerweile 29 Vierbeiner nun reichlich Platz. Und ihre Besitzer, die die Tiere dort gegen eine Gebühr eingestellt haben, reichlich Gelegenheit für Ausritte in die ländliche Umgebung. Die Pferde-Liebhaber schätzen aber auch, dass ihre Pferde sich so weniger langweilen und wie in der Natur zusammen in einer Herde leben, erzählt der Landwirt. Werbung habe er für den Stall keine machen müssen – die Nachfrage stellte sich rasch durch Mund-Propaganda ein.

„Das war schon eine Investition, aber sie hat sich gelohnt, denn der Stall wird sehr gut angenommen“, sagt Ölberger nun. Und so manches Pferd entwickle sich mit dem Einzug anders als zuvor, viele Tiere seien ausgeglichener und entspannter, als sie es in Boxenhaltung waren: „Manche erkennen ihr Tier kaum wieder.“ Das Vorbild für ihren Stall haben sie in Maselheim gesehen, berichten die Ölbergers. Der dortige Bewegungsstall werde bereits seit 20 Jahren betrieben.

Ein Vorteil für die Stallbesitzer: Das arbeitsintensive Ausmisten von Boxen entfällt im Bewegungsstall, der Boden wird täglich abgekehrt. Dafür fallen andere Tätigkeiten an. Beispielsweise die Eingewöhnung neuer Pferde, die erst einmal ihren Platz in der Herde finden und die Abläufe kennenlernen müssen.

Pferde müssen auch einiges lernen

Und auch den Umgang mit den Futterautomaten. Diese nämlich funktionieren elektronisch: Sie werden über Sensoren aktiviert, die die Pferde als schmale Gamasche ums Bein tragen. Erst betritt das Pferd eine Art Schleuse mit der Futterausgabe. Ein Computersystem steuert, wie viel Kraftfutter und Heu das jeweilige Pferd pro Mahlzeit bekommt. Und der Automat registriert, wie oft jedes Tier schon an der Station war. Auf dem Gelände gibt es weitere Futterstellen, an denen nur Heu gefressen werden kann. Und die Ölbergers haben eine 45 Meter lange, offene Reithalle errichtet, in der Pferde und Reiter bei jedem Wetter trainieren.

Am Kindertag durften die Buben und Mädchen aus dem Kindergarten St. Martin in dieser Halle einen kleinen Parcours absolvieren, außerdem Pferde streicheln und striegeln. Eingeladen hatte sie dazu der Bayerische Bauernverband, der alle zwei Jahre den „Kindertag“ veranstaltet, um Kindern die Landwirtschaft nahezubringen.

Während im Landkreis Neu-Ulm in diesem Jahr schon Kindertage bei Milchvieh-Betrieben durchgeführt wurden, war in Wullenstetten erstmals ein Pferdehof dran, berichtet Katja Ölberger vom Kreisverband Neu-Ulm des BBV. „Wir sind froh über jeden Betrieb, der uns einen Einblick ermöglicht, denn es ist wichtig, dass Kinder weiterhin einen Bezug zur heimischen Landwirtschaft haben“, sagt Katja Ölberger.

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