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Neu-Ulm/Senden

14.04.2015

Betrunkene Schläger fallen durch einen Gartenzaun

Eine blutende Lippe, Bisswunden an einem Finger und ein teilweise eingerissener Gartenzaun: Diese Spuren hinterließ eine Schlägerei, die im November auf offener Straße in Senden stattgefunden hat.
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Eine wüste Prügelei in Senden hat das Amtsgericht Neu-Ulm beschäftigt. Was damals passierte, gab jede Menge Rätsel auf

Eine blutende Lippe, Bisswunden an einem Finger und ein teilweise eingerissener Gartenzaun: Diese Spuren hinterließ eine Schlägerei, die im November auf offener Straße in Senden stattgefunden hat. Was damals genau passierte, sollte vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht geklärt werden. Das gestaltete sich allerdings als schwierig – dank mancher Erinnerungslücke und gegensätzlicher Darstellungen gelang die Rekonstruktion des Abends nur teilweise.

Grob gesagt passierte folgendes: Eine Frau schrie auf der Straße, daraufhin bekamen sich ihr Freund und zwei Passanten in die Haare und es flogen die Fäuste. Im Zentrum des Geschehens: Auf der einen Seite ein 37-jähriger Türke, der Lebensgefährte der schreienden Frau. Und auf der anderen Seite zwei russischstämmige Deutsche, 23 und 24 Jahre alt, die zu Fuß auf dem Weg zum Bahnhof waren.

Im Zuge der Rangelei soll sich der ältere Mann auf einen der beiden jüngeren gesetzt und diesem 20 bis 30 mal ins Gesicht geschlagen haben – so schilderte es die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in der Anklage. Deshalb musste sich der Lebensgefährte wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Der Angeklagte sah sich in einer Opferrolle. Der Schlamassel habe an jenem Abend mit einem Streit mit seiner Freundin begonnen, sagte der 37-Jährige. Diese könne es wegen einer psychischen Störung nicht ertragen, allein zu sein, und habe ihn deshalb hindern wollen, das Haus zu verlassen. Als er das gegen 22.15Uhr dennoch getan habe, sei sie ihm gefolgt. Sie habe lautstark behauptet, er habe sie geschlagen – was nicht gestimmt habe. Das hätten wohl die beiden Männer gehört, die des Weges kamen, um eine schwangere Bekannte zu Fuß zum Zug zu bringen. „Sie sind auf mich losgegangen“, so der Angeklagte.

Einer der Unbekannten habe ihm ohne Vorwarnung „eine mitgegeben“, worauf „bei mir die Lichter ausgingen“. Er sei zu Boden gestürzt, habe sich wieder aufgerichtet – nur um dann von dem Begleiter des Angreifers einen weitern Hieb ins Gesicht zu erhalten. „Ich habe 100-prozentig nicht angefangen“, sagte der Angeklagte. Einer der beiden habe ihm in den Finger gebissen und diesen nicht mehr losgelassen – worauf der 37-Jährige dann seinerseits Schläge ausgeteilt habe. „Ich dachte, ich bin meinen Finger los.“ Ein Arzt hatte ein Attest über die Verletzung ausgestellt, wenn auch „in komischem Deutsch“, wie Richter Thomas Mayer bei einem Blick in das Schreiben feststellte.

Der 24-Jährige gab als Zeuge zu Protokoll, er und sein Begleiter hätten der schreienden Frau helfen wollen. Daraufhin habe er „eine Faust gekriegt“, jedoch sei der Schlag so schwach ausgefallen, dass er den Angreifer ausgelacht habe. Weitere Hiebe hätten ihn jedoch zu Boden gehen lassen – worauf er seinerseits zugelangt habe, „um sich zu verteidigen“. Zugebissen habe er nicht, so der Mann, der damals nach eigenem Bekunden eine Flasche Jägermeister und „ein paar Bier“ intus hatte.

Aufgrund der unterschiedlichen Aussagen beantragte der Verteidiger des 37-Jährigen, das Verfahren einzustellen. Dem Gesuch kam Richter Mayer nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft nach. Es lasse sich nicht zweifelsfrei klären, was sich abgespielt hat. Möglicherweise habe der Angeklagte in Notwehr gehandelt.

Der Schaden am Zaun ist offenbar längst behoben: Der 37-Jährige und sein Kontrahent hatten dem Eigentümer jeweils 75 Euro entrichtet. Mayer: „So kommt man zu einem neuen Zaun, man muss nur die richtigen Leute drauffallen lassen.“

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