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Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft

Ulm

17.04.2018

Brexit im Barock

Große Besetzung, großes Konzert: Henry Purcells „King Arthur“ wurde in der Pauluskirche zum Gesamtkunstwerk.
Bild: Horst Hörger

Der Oratorienchor Ulm führt Henry Purcells „King Arthur“ auf – ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Bildern, auch dank der ausgezeichneten Solisten.

Wenn die Briten so glanzvoll und triumphal aus den Brexit-Verhandlungen herauskommen wie der Oratorienchor Ulm unter seinem Leiter Thomas Kammel in der Pauluskirche aus der Aufführung von Henry Purcells „King Arthur“, können sie alle in den Schluss-Chor einstimmen: „Für den hohen Herrscher in seiner Herrlichkeit werden die Ehrungen Bestand haben!“ Zu fürchten ist allerdings, dass dieser Erfolg sich in den realen Höhen der Politik nicht wiederholen wird.

Kammel hatte mit weit mehr Um- und Voraussicht als Herrscherin Theresa May für seine Aufführung dieser im Barock halb gesprochenen, halb gesungenen Semi-Opera – die einstmals noch durch Ballett und akrobatische Spielszenen angereichert wurde – optimale Bedingungen geschaffen. Neben den bestens disponierten und sehr präzis artikulierenden Oratorienchor traten fünf jugendliche Solisten aus dem von Kammel begründeten Neuen Kammerchor Heidenheim, die sich als äußerst stimmstark und sängerisch ausdrucksvoll erwiesen, insbesondere die Männer Julian Plachtzik und Michael Wilsch.

Das Ensemble Jadis vom „Institut für Alte Musik“ der Musikhochschule Trossingen interpretierte die Purcellschen Tonsätze mit historischer Spielweise federnd und elastisch, sodass das ausgezeichnete Solistentrio Yuna-Maria Schmidt (Sopran), Dean Power (Tenor) und Kay Stiefermann (Bass) eine hervorragende Grundlage hatte, auf der sich ihre klaren und tragenden Stimmen glanzvoll entfalten konnten.

Dazu kamen aber noch zwei Extras, die das Vergnügen der begeisterten Zuhörerschar immer mehr vergrößerten. Auf der Großleinwand über dem Chor erschienen wunderbare Farbbilder und kommentierten die Handlung, düstere Felsgruppen und nebelverhangene Küsten ebenso wie Blumen im Schnee oder Bierflaschen im Pub.

Und der Schauspieler Gunther Nickles vom Theater Ulm steuerte höchst gewitzte Texte bei, die all das mit viel Ironie erläuterten, was in den musikalischen Nummern nur angedeutet war: die eigentliche (Sprech-)Handlung mit ihren Kampf- und die Liebesszenen, in denen König Artus in erbitterten Kämpfen die Liebe der zunächst blinden, dann aber sehend gewordenen Emmeline gewinnt.

Der Abend war so ein köstliches Gesamtkunstwerk, bei dem alle Elemente sich eindrucksvoll zusammenfügten und überzeugend darlegten, warum der Austritt Britanniens aus der EU einen schweren Verlust für beide Seiten darstellt. Aber immerhin bleibt die Musik als Verbindung.

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