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Ulm

14.09.2019

Danny Minnick im Kunstverein Ulm: Lauter nette Skelette

Ein paar Striche – und fertig ist der Knochenmann: Danny Minnick zeichnet beim Kunstverein Ulm im Schuhhaussaal einen „Bone Man“.
Bild: Horst Hörger

Früher Skateboard-Profi, jetzt Künstler mit prominenten Fans: Der US-Amerikaner Danny Minnick präsentiert seine erste Ausstellung in Süddeutschland.

Wer er den dicken Graffiti-Stift in der Hand hält, ist Danny Minnick in seinem Element. Er malt, zuerst einen seltsam hohlen Kopf, dann dürre verrenkte Arme, Rippen, die aussehen wie Zaunlatten, Beine, gezackt wie Blitze. Und dann noch ein Skateboard drunter. Fertig im Ulmer Schuhhaussaal ist ein „Bone Man“, also Knochenmann, das Erkennungszeichen des US-amerikanischen Künstlers. Minnick taggt ihn auf Hauswände, zeichnet ihn auf Papier, bannt ihn mit dickem Strich auf Leinwände. Und ist mit ihm ziemlich erfolgreich geworden. Es heißt, Stars wie Schauspielerin Jessica Alba, Musiker Fred Durst, NBA-Basketballer LeBron James und Ex-Supermodel Cindy Crawford gehören zu seinem Sammlern. Nun ist seine Kunst erstmals in Ulm zu sehen: Der Kunstverein Ulm widmet ihm in Zusammenarbeit mit der Bege-Galerie am Saumarkt die Ausstellung „Liquefied Troubles – Street Art Poetry“. Es ist seine erste Schau in Süddeutschland, und die zweite überhaupt in Deutschland.

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Skater-Kollege Chad Muska brachte Danny Minnick zur Kunst

Dass der in Seattle geborene und mittlerweile in Los Angeles und New York arbeitende Minnick dem Skelett ein Rollbrett unter die Füße geschoben hat, ist eine Reminiszenz an seine eigene Vergangenheit: Er war selbst Skateboard-Profi und führte die Kamera beim Dreh von Skate-Filmen. Als er sich bei einer Videospielproduktion, bei der als Deck-Double für Superstar Shaun White agierte, die Achillessehne riss, war es vorbei mit dem Sport. Doch angestiftet von Skater-Kollege und Multikünstler Chad Muska fand Minnick in der bildenden Kunst ein neues Betätigungsfeld.

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Der Knochenmann, so berichtet er, sei das Erste gewesen, was er auf Papier und Leinwand brachte. Aber diese Figur ist nicht einfach ein Skelett, auf Hüfthöhe haben alle „Bone Men“ ein Pluszeichen, das zu pulsieren scheint. Ein Symbol für positive Energie, sagt der Künstler, und um die gehe es in seinen Arbeiten. Seine Knochenmänner erinnern an die Characters des New Yorker Pop-Art-Stars Keith Haring, seine wilden, farbstrotzenden Bilder mit dem kräftigen Linien insgesamt aber eher an Jean-Michel Basquiat. Mit dessen Schulfreund und Street-Art-Kollaborateurs Al Diaz arbeitet Minnick sogar zusammen.

Ein Staatspräsident wird zum bösen Tier

Haring und Basquiat sind beide seit rund 30 Jahren tot, der frühere Skateboarder Minnick führt ihre Tradition weiter – er bleibt den großen Vorbildern ästhetisch dicht auf den Fersen, bringt aber eine Frische mit, die Spaß macht. Skateboarden und Kunst seien für ihn im Prinzip dasselbe, ein Ausdruck der eigenen kreativen Energie. Und die will er nutzen, um etwas zu bewegen: Ein Bild beim Kunstverein heißt „Protect the Planet“ und zeigt ein Skelett beim Versuch, einen Dinosaurier zu beschützen, ein anderes stellt Daniel Ortega, den brutal regierenden Staatspräsidenten Nicaraguas, als bösartiges Raubtier dar. Minnicks Zugang zu diesen Themen ist nicht intellektuell, sondern sympathisch naiv und unmittelbar. Verspielt ist seine Kunst sowieso: Bei einem Ölbild, das Henri Rousseaus „Die schlafende Zigeunerin“ zitiert, hat er die Frau durch einen Skateboarder ersetzt, der besoffen am Strand pennt. Ob er das auch selbst sein könnte? Minnick, der inzwischen auch als Schauspieler (etwa in der Serie „Narcos“) tätig ist, grinst. Ja, das sei ihm auch schon passiert.

Der Kunstverein zeigt vor allem Großformate des US-Amerikaners, in der Galerie am Saumarkt sind parallel dazu kleinere Unikate und Papierarbeiten zu sehen, unter anderem eine Grafik, die in einer Auflage von 35 exklusiv in Ulm zu erwerben ist. Sie zeigt ebenfalls ein Skelett auf einem Skateboard. Der Knochenmann scheint richtig Spaß zu haben.

Die Ausstellungen im Kunstverein und in der Galerie am Saumarkt laufen bis 3. November, der Eintritt ist frei. Bei der Eröffnungsfeier am Samstag, 14. September, um 18 Uhr im Stadthaus gibt es noch einige freie Plätze. Für das normale Publikum ist die Ausstellung im Schuhhaus ab Sonntag, 15. September, die am Saumarkt ab Mittwoch, 18. September, geöffnet.

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