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Geschichte

17.10.2013

Der Geister-Pudel vom Radhaus

Ein Stück Roggenburger Geschichte: Das alte Schaufelrad steht seit dem Jahr 1967 still. Noch heute erzählt man sich die Legende vom Geister-Pudel.
Bild: M. Deger

Um die ehemalige Wasserversorgung von Roggenburg ranken sich bis heute Legenden

Roggenburg Der „Radhauspudel“ kann weiter heulen und der Brunnen am Roggenburger Bräuberg wird forthin sprudeln. Die vom Roggenburger Gemeinderat vor Kurzem beschlossene Trasse für die neue Kreisstraße NU2 zwischen Meßhofen und Roggenburg wird um das alte Radhaus herumführen und der Brunnen wird voraussichtlich versetzt. Der Landkreis wird die Straße bauen, die Gemeinde sich mit einem Geh- und Radweg beteiligen. Mit der festgesetzten Route wird ein Stück Roggenburger Geschichte erhalten bleiben.

Um die einstige Wasserversorgung des Orts ranken sich bis heute Legenden, weiß Archivar Lothar Mareis. „Sie halten das Interesse an Vergangenem wach“, ist das Mitglied des Vereins für Heimatpflege überzeugt. Dies gilt vor allem für das alte „Radhaus“, das Roggenburg bis 1967 mit Wasser versorgte. Dunkle Geheimnisse und erstaunliche technische Meisterleistungen ranken sich um die fast 380-jährige Geschichte dieses denkmalgeschützten Wasserbauwerkes und des ebenso alten Wasserturmes auf dem Bräuberg. Ältere Roggenburger erinnern sich noch an die Geschichten um den mysteriösen Radhauspudel, dessen markerschütternd-gruseliges Heulen die Schöpfgeräusche des mächtigen Schaufelrades im Radhaus übertönte. Niemand hat ihn jemals gesehen. Doch wer des Nachts bei Vollmond am Roggenburger Weiher vorbeikam, der konnte nach der Legende zwischen dem Schilf seine glühenden Augen erkennen. Seit das von der Biber angetriebene Schaufelrad stillsteht, ist die Gestalt jedoch verschwunden.

Über Pumpen in den Turm befördert

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Bis 1967 drehte sich das Schaufelrad in Roggenburg. Zuerst aus Holz, später aus Metall, beförderte es in der Minute zwischen 35 und 70 Liter Quellwasser, das über Pumpen in den 38 Meter höher gelegenen Wasserturm gelangte. Als das Rad noch hölzerne Schaufeln hatte, mussten diese alle 30 Jahre ausgetauscht werden. Mit seinen 5,40 Metern Durchmesser zählt das Rad heute noch zu den sehenswerten Industriedenkmälern der Region.

Die Geschichte der Roggenburger Wasserversorgung begann bereits im Jahr 1639. In diesem Jahr ließ Abt Friedrich Rommel auf der Klosteranhöhe den heute noch bestehenden, 28 Meter hohen Wasserturm bauen, der ein Fassungsvermögen von 35 Kubikmetern besitzt. Die umfangreichen Bauarbeiten waren am 10. November 1641 vollendet. Das Bibertal liegt 510 Meter über dem Meeresspiegel, Roggenburg liegt 548 Meter. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass es gelingen würde, das Wasser vom Bibertal in Bleiröhren auf den Berg zu befördern. Dass diese Meisterleistung bis 1967, also 326 Jahre lang, Bestand haben würde, hätte wohl Abt Friedrich Rommel selbst nicht für möglich gehalten.

Heute ist das Radhaus ein kleines Museum

Im Jahr 1878 fertigte die Firma Pechmann ein Rad aus Metall. 1900 folgte eine starke Wasserpumpe, wodurch weitere zehn Quellen erschlossen werden konnten. Zusammen mit dem Schöpfrad funktionierte die Anlage bis zur Außerdienststellung des Radhauses und des Wasserturms. Heute ist das Radhaus ein kleines Museum, in dem das große Wasserrad den Mittelpunkt bildet.

„Zwar ist der Radhauspudel schon lange nicht mehr gesehen worden, doch das Radhaus gehört nach wie vor zum altvertrauten Ortsbild von Roggenburg“, schreibt der Chronist, Altbürgermeister Adolf Thoma, darüber im Roggenburger Geschichtsblättle.

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