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Ulm

06.02.2015

Die Raubkatze geht um

Die drei von Opus Leopard: Das Debüt-Album des Trios (von links) Martin Schubert, Florian Schröder und Marc Hörger erscheint digital am heutigen Freitag.
Bild: agt

Opus Leopard beschwören das Schicki-Micki-München der 80er Jahre und das Erbe von Falco und Kraftwerk. Heute erscheint ihr Debütalbum „Futter für die Götter“.

Das inzwischen historische Schicki-Micki-München ist für den Ulmer so etwas wie ein Sehnsuchtsort – und auch das Jagdrevier seines musikalischen Projekts Opus Leopard, dessen Debütalbum „Futter für die Götter“ am heutigen Freitag erscheint. Dass daraus einmal eine richtige Band werden würde, war anfangs allerdings gar nicht klar. Denn Opus Leopard – deren Namen zum einen auf den Begriff „Opus magnum“, zum anderen auf den Klaus-Kinski-Film „Kommando Leopard“ anspielt – waren eigentlich nicht für die freie Wildbahn gedacht. Ein befreundeter Filmemacher, so Schröder, habe ihn 2012 gebeten, für einen Film eine fiktive Band zu entwickeln. Der Film liegt noch immer auf Eis. Aber Opus Leopard waren geboren.

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Schröder ist in der Region kein Unbekannter. Als MC Mankind war er ein erfolgreicher Drum’n’Bass-MC und Rapper. In den vergangenen Jahren trat Schröder, der beruflich in der Werbung tätig ist, eher als bildender Künstler in Erscheinung: unter dem Namen „Wokasoma“ gestaltet er grafische Arbeiten zwischen Street- und Pop-Art. Und er macht Kurzfilme, zuletzt „Drei sind kein Duo“. Musikalisch gehört sein Herz nun dem Projekt Opus Leopard, für das er zwei erfahrene Mitstreiter gewann: Martin Schubert und Marc Hörger, die um die Jahrtausendwende als Scarcubem experimentelle Elektronik-Tracks produzierten.

Für Opus Leopard gehen sie aber einen anderen Weg: Die strengen Instrumentals erinnern an Elektropop-Pioniere wie Kraftwerk oder DAF. Schröder intoniert darüber in einem gestelzten Bariton-Sprechgesang Sätze wie „Der Königstiger, er wandelt wieder durch die Sahara of Love“. Mit süddeutschen Tonfall und rollendem „R“. Erste Assoziation: Falco. Damit hat Schröder kein Problem, als Imitator sieht er sich keineswegs. „Man könnte sonst genauso sagen, Max Raabe klingt wie die Comedian Harmonists“, sagt er.

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Opus Leopard ist für Schröder mehr als nur ein Retrospaß. Und „Futter für die Götter“ gibt ihm Recht, denn wenn er die überspitzte Oberflächlichkeit der 80er beschwört, klingt gleichzeitig der Raubtierkapitalismus der Gegenwart, die Scheinwelt der Banker, Zocker und Berater an. „Der Schampus geht aufs Haus und das Haus gehört der Bank“: Das ist „Kir Royal“, aber es ist eben auch Finanzkrise. Auf einer zweiten Ebene ruft das Album auch eine deutsche Kultur jenseits aller Deutschtümelei in Erinnerung: So unpathetisch wie beim Schlusstrack „Die Nibelungen“ hat man die große Sage selten gehört.

Das Pathos heben sich Opus Leopard für ihre Videos auf. In dem von Schröder produzierten Clip zum Titelstück „Futter für die Götter“ erhebt sich ein geflügeltes Wesen über den Prachtbauten der Münchner Ludwigstraße. Es ist Rudolf Arnold alias Naisho, in Ulm bekannt für seine aufwendigen Kostüme. Diesmal gibt er aber keine japanische Manga-Figur, sondern „Apollo Bavaria“. Das hat München noch gefehlt zum Glück: eine eigene Gottheit.

Album: „Futter für die Götter“ ist nur digital auf Plattformen wie iTunes erhältlich. Das Video zur Single ist unter anderem auf vimeo.com zu sehen.

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