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Neu-Ulm

11.04.2019

Die neue Stadtschreiberin zoomt auf Neu-Ulm

Sie sieht sich als „Beschreiberin“ und kann sich Orten auf besondere Weise nähern: Constance Hotz ist die erste Neu-Ulmer Stadtschreiberin. Im Edwin-Scharff-Museum präsentierte sie sich der Öffentlichkeit.
Bild: Dagmar Hub

Constance Hotz hat ihre zum Stadtjubiläum geschaffene Stelle vor einem Monat angetreten. Bei ihrer offiziellen Vorstellung im Edwin-Scharff-Museum schildert sie erste Erfahrungen – und erklärt ihre Arbeitsweise.

Ihr Roman „Vier Tage im März“ erschien 2007. Damals hatte die Konstanzer Autorin und Werbetexterin Constance Hotz noch keine Vorstellung, dass in ihrem Leben einmal vier Monate in Neu-Ulm eine große Rolle spielen werden – beginnend im März 2019. Wie das Buch heißen wird, das die erste Neu-Ulmer Stadtschreiberin voraussichtlich im April 2020 über ihr Stipendium in Neu-Ulm veröffentlichen wird, steht noch nicht fest. Aktuell geht sie durch die Stadt und zu Veranstaltungen und lernt Neu-Ulm kennen, wo sie das Stadtjubiläum literarisch begleiten wird. Florian L. Arnold vom Verein „Literatursalon Donau“ stellte Hotz im Edwin-Scharff-Museum vor; gelobt wurde an diesem Abend vor allem die Fähigkeit der 1954 geborenen Autorin, sich einem Ort von außen nach innen, quasi zoomend, anzunähern.

Müstair im Schweizer Engadin war der Ort, den sie in „Vier Tage im März“ auf diese Weise fokussierte, wobei sie dort in einem Benediktinerinnen-Kloster schrieb; jetzt ist es das etwas weniger beschauliche Neu-Ulm. Als „Abenteuer und Experiment“ auch für die Stadt bezeichnete Oberbürgermeister Gerold Noerenberg die Entscheidung für eine Stadtschreiberin. Hotz hatte sich mit ihrer Bewerbung gegen zehn Autoren aus Deutschland und Österreich durchgesetzt; die sechsköpfige Jury entschied sich mit einem eindeutigen Ergebnis für sie, berichtete Arnold. Auch für Neu-Ulm werde Hotz’ Beobachtungsgabe von Bedeutung sein, für die Identitätsfindung der Stadt, für die Bestimmung: „Wo steht Neu-Ulm? Wo will es hin?“

Den Fernseher hat Constance Hotz gleich weggeräumt

Constance Hotz lebt seit einem Monat in der Stadt. Den Fernseher in ihrer Stadtschreiber-Wohnung hat sie gleich weggeräumt, verriet sie. Sie bevorzugt Bücher, und sie geht mit Interesse durch die Stadt, erzählte sie, „und ich nehme mir die Dinge so vor, dass ich nicht nur die Oberfläche sehe, sondern die Dinge dahinter.“ Ihr allererster Eindruck von Neu-Ulm sei die Bundesfestung gewesen. Dieser „Hingucker“, die militärischen Gebäude, das sei ein Thema gewesen, das sie angehen wollte. Als Stoffsammlung zunächst. Denn sie kam „absichtlich uninformiert“, schilderte sie, um wirklich bei Null anfangen zu können. Neu sollte alles sein in Neu-Ulm. Ein unbeschriebenes Blatt die Stadt, ohne Vorurteile.

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Die Schriftstellerin hat sich einen streng-rhythmischen Arbeitsalltag auferlegt: Sie spricht bei ihren Gängen durch die Stadt ihre Eindrücke in ihr Smartphone, um die so entstandenen Momentaufnahmen dann später zu „poetisieren“, wie sie es nennt. In ihrem Blog stadtschreiberinneuulm.worldpress.com schildert Hotz ihre ersten Eindrücke von der Stadt: „Jede Menge Ambivalenzen. Festungsbau und Entfestigung, Umwallung und Abtragung. Festungssteine in Kirchenmauern, Festungssteine in Denkmälern. Besatzer und Beschützer, Pershings und Proteste“, schreibt sie und geht auch bereits auf das Wiley-Gelände in dessen Vergangenheit und im Heute ein.

Eine Lesung aus Constanze Hotz´ Kurzgeschichten vermittelte den Besuchern im Edwin-Scharff-Museum einen atmosphärischen Eindruck dessen, was sie über Neu-Ulm schreiben könnte. Wer darin vorkommen wird? Man wird es sehen. Über sich selbst sagt die Autorin: „Ich bin eine Beschreiberin.“

Im Rahmen der Jubiläums-Veranstaltungsreihe „Literatur an außergewöhnlichen Orten“ gibt es am Donnerstag, 13. Juni, um 19.30 Uhr ein Werkstattgespräch mit Constanze Hotz bei der Firma Wilhelm-Mayer-Nutzfahrzeuge. Bereits am Donnerstag, 23. Mai, um 18 Uhr liest sie bei einer „Blauen Stunde“ in der Stadtbücherei.

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