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Pfaffenhofen

12.10.2018

Diese Familie serviert die Vielfalt der georgischen Küche

Irina Conzelmann-Palavandishvili, ihr Ehemann David und Tochter Sopho (von links) freuen sich, dass ihr georgisches Lokal „Mimino“ in Pfaffenhofen viele Gäste aus der Umgebung und darüber hinaus anlockt.
Bild: Willi Baur

Plus Georgien ist das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018. Passend dazu hat unser Autor das Restaurant Mimino in Pfaffenhofen besucht.

So groß wie Bayern, etwas mehr Einwohner als Berlin: Georgien ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse, die noch bis Sonntag geöffnet ist. Auch Irina Conzelmann-Palavandishvili, die mit ihrer Familie in Pfaffenhofen das georgische Speiselokal Mimino betreibt, war dazu eingeladen. Aber nach Frankfurt fahren konnte sie nicht. „Wie auch?“, fragt sie mit einem eher lachenden als weinenden Auge.

Jeden Abend und am Wochenende ohnehin herrsche Hochbetrieb in ihrem Restaurant an der Hauptstraße, erzählt die studierte Juristin. „Da müssen alle ran.“ Schon 1995 ist sie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen und hat hier seither Betriebe unterschiedlichster Art geleitet. In der Baubranche unter anderem, aber auch in der Gastronomie, wie zuletzt das „Kupferdach“ im Nersinger Ortsteil Straß. Und seit einem Jahr hat die Familie eben das Lokal in Pfaffenhofen, das eine nicht minder bewegte Vergangenheit hinter sich hat. Als „Café Zeppelin“ war es schon vor Jahrzehnten weit über den Markt hinaus bekannt. Das gelte in gewisser Weise inzwischen auch für das Mimino, wie die Inhaberin nicht ohne Stolz sagt: „Natürlich kommen sehr viele Gäste aus der Gegend, ebenso aus Stuttgart, Memmingen oder Augsburg.“

Die Gerichte im Mimino sind unverfälscht, ehrlich und geschmackvoll

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Die Gründe dafür erschließen sich bei einer ersten Einkehr schnell, wenngleich nur zum Teil: Basis jedenfalls ist fraglos die ganz spezielle georgische Küche mit einer Vielzahl an frisch zubereiteten Gerichten, die ansonsten so auch im weiteren Umkreis kaum auf den Tisch kommen dürften: Unverfälscht, ehrlich, geschmackvoll, mitunter deftig und für das Auge ansprechend serviert.

Zumindest beim Erstbesuch führt an einigen landestypischen Spezialitäten kein Weg vorbei: Chinkali etwa, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, die georgische Variante der Maultaschen sozusagen. Oder Chatschapuri, mit Schafskäse und einer Art Mozzarella gefüllte Teigschichten, die mit einem weiteren Käse überbacken sind. Oder Mzwadi, die Urform des Schaschlik aus dem Land an der Schnittstelle von Europa und Asien, zwischen Schwarzem Meer und dem mächtigen Kaukasus-Gebirge gelegen.

Der Fisch kommt aus dem Schwarzen Meer

Nicht zu vergessen die charakteristischen Vorspeisen: Auberginen mit einer leckeren Walnusspaste etwa, Pilzgerichte, Bohneneintöpfe und weitere Gemüsezubereitungen. Dazu gibt es immer wieder Saucen, einer beeindruckenden Gewürz- und Kräuterauswahl wegen wohl für fast alle Geschmacksrichtungen vom Knoblauch bis zum Koriander.

Die Chefin sagt: „Fleisch und Gemüse beziehen wir aus der Region, aber die Zutaten weitgehend aus der Heimat.“ Fische aus dem Schwarzen Meer liefere ein sehr zuverlässiger türkischer Händler. Entsprechend vielseitig präsentiert sich auch das Angebot: Dorade, Forelle, Lachs und Thunfisch zum Beispiel, eine herzhafte Fischsuppe inklusive.

Kein unwichtiger Gäste-Magnet ist zudem die Weinkarte. „Seit 8000 Jahren ist der Wein-Anbau in Georgien bekannt, bei den Trauben gibt es 525 Sorten“, schwärmt Irina Conzelmann-Palavandishvili, die in den nächsten Tagen in Neu-Ulm ein Wein- und Gewürzehaus samt Reisebüro eröffnen wird. Liebhaber von Marani Telavuri, Alazani oder Saperavi und vielen weiteren Sorten mehr dürfen sich schon freuen.

Am Wochenende auch Live-Musik im Restaurant in Pfaffenhofen

Von Freitag bis Sonntag gibt es abends Livemusik im Mimino. Oft mit der Inhaberin selbst: Während die Mutter kocht, Ehemann David, übrigens ebenfalls Jurist, und Tochter Sopho den Betrieb am Laufen halten, singt sie oder spielt Klavier. Womit sich wohl schnell der Knick in ihrer beruflichen Biografie erklärt. Zwei Jahre lang hat sie nach dem Jura-Studium in ihrer Geburtsstadt Tiflis als Staatsanwältin gearbeitet. Der Opa, in der georgischen Hauptstadt ein bekannter Medizin-Professor, und die Eltern wollten es so. „Aber es hat mir keinen Spaß gemacht.“ Die Medizin als allein angebotene Alternative schied von vornherein aus: „Ich kann kein Blut sehen.“ Ihr eigener Wunsch indes zählte nicht. „Ich wollte Schauspielerin werden, aber das war für meine Familie kein anständiger Beruf.“

Kochen dagegen sei in ihrer Heimat eine weibliche Kernkompetenz. „Da gibt es keine Frau, die nicht gut kocht“, ist sie überzeugt. Gleichwohl habe sich das Mimino eher zufällig zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Geplant sei eigentlich ein Heim-Service gewesen, verbunden mit einem kleinen Lokal vielleicht. „Aber dann kamen immer mehr Gäste, auch Gruppen und sogar Firmen.“ Jetzt reichten die gerade mal 45 Plätze bei Weitem nicht mehr. 20 weitere sind in einem beheizbaren Pavillon neben dem Lokal geplant. „Mein größter Wunsch ist jedoch die Einstellung eines Kochs“, sagt die Chefin. Problem: Ein deutscher sei auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden und für einen aus Georgien habe die deutsche Botschaft mehrfach die Einreise verweigert.

Bei der Buchmesse in Frankfurt (Lesen Sie hier mehr dazu: Frankfurter Buchmesse: Wo geht’s denn hier zum Leser? ) präsentiert sich das Gastland derweil mit einem imposanten Literatur-Angebot und mit fünf georgischen Spitzenköchen. So ganz spurlos geht die Messe an dem Pfaffenhofer Lokal aber nicht vorbei: Das Mimino hat dieser Tage zwei Veranstaltungen aus diesem Anlass bekocht, in einer Langenauer Buchhandlung und im Ulmer Einstein-Haus.

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