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Neu-Ulm

24.08.2017

Edwin-Scharff-Museum öffnet deutlich später als geplant

Noch immer Baustelle: Im Edwin-Scharff-Museum sind die Arbeiten nicht beendet. Vor allem im Eingangsbereich (Bild) ist noch wenig Fortschritt zu erkennen.
Bild: Horst Hörger

Wegen Problemen bei der Sanierung ist der geplante Termin im Herbst nicht zu halten. Das hat Folgen für das Ausstellungsprogramm – und auch das Budget wird allmählich knapp.

Bevor die Bauarbeiter ins Edwin-Scharff-Museum kamen, waren alle noch optimistisch. Der Plan: Ein Jahr lang sollte die Sanierung des Hauses am Petrusplatz dauern, im September, spätestens im Oktober 2017 sollte dann die Wiedereröffnung gefeiert werden. Doch was Passanten angesichts der Baustelle schon ahnten, ist nun offiziell: Wie Ralph Seiffert, Fachbereichsleiter für Kultur bei der Stadtverwaltung Neu-Ulm, unserer Zeitung bestätigte, wird es bis nächstes Jahr dauern, bis wieder Besucher die Ausstellungen im Kunst- und Kindermuseum besichtigen können. Neuer Termin für die Wiedereröffnung ist Februar 2018 – fünf Monate später als geplant. „Unser Zeitplan war vielleicht zu ambitioniert“, gibt Seiffert zu.

Schuld an der Verzögerung ist nicht etwa ein großes Missgeschick, sondern ein ganzes Bündel von Widrigkeiten. Widrigkeiten, wie sie bei der Sanierung im Bestand – zumal im Altbau – immer wieder auftreten. Kulturdezernent Seiffert, ein erfahrener Autobastler, findet dafür ein schönes Bild: „Es ist, wie wenn man bei einem alten Käfer den Kotflügel wegmacht: Erst dann sieht man, was man schweißen muss.“ Im Laufe der Arbeiten kamen zum Beispiel kaputte Kabel ans Licht, die komplett ausgetauscht werden mussten. Schon im Februar war deswegen klar, dass die Sanierung teurer werden würde: statt knapp drei Millionen Euro nun etwa 3,3 Millionen Euro (wir berichteten). Dieses Budget soll weiterhin nicht überschritten werden, Mehrausgaben an der einen Stelle sollen durch Einsparungen andernorts ausgeglichen werden. Museumsleiterin Helga Gutbrod sagt aber vorsichtig: „Es wird knapp.“

An eine Bauverzögerung wollte im Februar dieses Jahres aber noch niemand denken. Doch dann wirbelten neben bösen Überraschungen – wie dem erwähnten Kabelwirrwarr oder kaputtem Parkettboden – auch zusätzliche Ausschreibungen und der Handwerkernotstand, unter dem derzeit auch normale Häuslesbauer leiden, den Zeitplan durcheinander. Direktorin Gutbrod: „Wenn sich etwas verzögert, hat das Auswirkungen auf die anderen Gewerke.“ Wenig getan hat sich deshalb im Eingangsbereich, der komplett neu gestaltet werden soll. „Eigentlich sollten die Handwerker im Altbau schon im Mai fertig sein. Doch jetzt arbeiten sie immer noch.“ Im Altbau wird das Museum vor allem technisch saniert: Es bekommt eine neue Heizung, eine neue Klimaanlage, ein neues Alarmsystem.

Weitere Hiobsbotschaften von der Baustelle befürchtet Kulturdezernent Seiffert nicht: „Das Risiko ist jetzt überschaubar. Die Technik ist drin, jetzt kommen die Feinarbeiten.“ Nun rechnet die Stadtverwaltung damit, dass das Museum ab November mit dem Wiedereinzug beginnen kann: Die Exponate der Dauerausstellung und aus dem Depot können dann von externen Lagern zurück an den Petrusplatz gebracht, die Systeme hochgefahren und getestet werden. Für das geplante Ausstellungsprogramm kommt das zu spät: Ursprünglich wollte Direktorin Gutbrod das Haus mit einer Schau von Preisträgern des in Hamburg vergebenen Edwin-Scharff-Preises eröffnen, darunter bekannte Namen wie Daniel Richter. Die Planungen waren weit fortgeschritten, doch die Museumsleiterin musste Künstlern und Leihgebern absagen. Einfach nach hinten verschieben sei unmöglich gewesen, sagt Gutbrod – dann wären auch die Planungen für die nächste und übernächste Präsentation hinfällig gewesen. Deswegen wird jetzt die eigentlich zweite Ausstellung die erste im dann frisch sanierten Haus. Die Scharff-Preisträger-Schau soll dann 2019 nach Neu-Ulm kommen.

Ob dann noch alle Partner mitmachen, sei noch offen, sagt Gutbrod. Ebenfalls noch unklar ist, wer das neue Café im erweiterten Museumsfoyer betreiben wird. Fachbereichsleiter Seiffert kann noch nichts verkünden: „Wir sind mitten in Gesprächen.“ Derzeit ist die Aussicht auf eine Tasse Kaffee dort ohnehin nicht allzu attraktiv: Es regiert nackter Beton, Schutt liegt auf dem Boden, Kabel hängen von der Decke. Ein Anblick, den Seiffert und Gutbrod langsam leid sind. „Die Baustelle war viel heftiger, als ich es mir vorgestellt hatte“, gesteht der Verwaltungsmann. Und auch die Museumsleiterin fand die vergangenen Monate „schlimmer als erwartet“. Sie und ihr Team hielten im Büro im Altbau tapfer die Stellung, während darüber und darunter gebohrt und gehämmert wurde. Da half manchmal nur Gehörschutz.

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