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Konzert

28.04.2015

Ein Grammy-Gewinner im Sauschdall

Ein Großer des Jazz im kleinen Sauschdall: Posaunist Joe Gallardo bei seinem Konzert mit Peter Grubers Jazz Zone Trio.
Bild: Michael Peter Bluhm

Latin-Jazz-Altmeister Joe Gallardo zeigt sich an der Posaune vital wie in jungen Jahren

Das Konzept von Peter Gruber geht auf: Der Ulmer Schlagzeuger holt einen Weltstar des Jazz nach Ulm, der dann von seinem Jazz Zone Trio begleitet wird. Damit setzt Gruber eine lange Tradition des Jazzkellers Sauschdall fort, wo Musikgenies wie Chet Baker einst Gala-Vorstellungen ablieferten. Nun erlebten Freunde der Improvisationsmusik in dem mehr als gut gefüllten Klub am Michelsberg einen der besten Posaunisten des Latin- und Modern-Jazz: José „Joe“ Gallardo.

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Der gebürtige Texaner spielt seit Kindesbeinen Posaune, startete nach seinem Musikstudium eine Blitzkarriere als Bläser und Komponist und spielte mit Größen wie Frank Sinatra, Sammy Davis jr. Tony Bennett, Al Jarreau und James Brown und wurde auch mit seinen Kompositionen berühmt: So bekam er für das Stück „Amanecer“ 1978 den Grammy und seine LP „Latino Blue“ gilt Kennern als Klassiker des Latin-Jazz.

Vor einer solchen Legende müsste man eigentlich vor Ehrfurcht erstarren, was Peter Gruber mit seinem Trio gerade nicht tat. Die Musiker legten so unbefangen und gekonnt im Sauschdall los, als hätten sie Jahrzehnte mit Gallardo zusammengespielt. Kein Wunder, denn auch die Karriere von Pianist Tizian Jost kann sich sehen lassen: Der Münchner Musikprofessor begleitete Mark Murphy, Dusko Gojkovic und Wolfgang Lackerschmid und ist so etwas wie der Jazz-Botschafter Deutschlands. Als solcher reist und musiziert er rund um den Globus im Auftrag des Goethe-Instituts. Die ganze Tiefe und Besonderheit des speziellen Latin-Jazz ergründete er im Sauschdall gemeinsam mit Gallardo in fesselnden Soli. Auch der Münchner Bassist Peter Bockius in Grubers Band hat eine hervorragende Visitenkarte zu bieten, der Legenden wie Charlie Mariano und Archie Shepp begleiten konnte und zu den gefragtesten Bassisten Europas zählt. Er bestimmte zusammen mit dem Drummer Gruber perfekt und gekonnt die vom Rhythmus dominierte Basis dieses Jazz-Cocktails, den das Publikum begierig schlürfte:

Ein Grammy-Gewinner im Sauschdall

Die Zutaten waren vom Feinsten. „Frank‘s Blues“ als Einstieg, „Satin Doll“ als Hommage an den unsterblichen Duke Ellington und „Blue Bossa“ von Kenny Dorham mit einem herrlichen Solo des großen Meisters an der Posaune, der von sich sagt: „Ich springe rein in das Solo, ohne groß nachzudenken, spiele den ersten Ton und von dort aus schaue ich einfach, was passiert“.

Es passierte grandiose Musik mit den edelsten Stücken, aus der Schatzkammer des Jazz: „I Love You“ von Cole Porter, „You Don‘t Know What Love Is“ als Erinnerung an die große Billie Holiday. Und das Latin-Jazz-Stück schlechthin: „Corcodavo“ des brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim.

Komplimente für den Organisator

Zeitlose Musik zum Träumen und rhythmischen Mitwippen erlebte das jazzkundige Publikum im Sauschdall und staunte nicht schlecht über die Vitalität des 1939 geborenen Texaners auf der Bühne. Musik hält eben jung. Nach dem Konzert gab es viele Komplimente für Peter Gruber, der dieses Konzert organisiert hat. Auf seinen nächsten Coup darf man gespannt sein.

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