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Premiere II

02.10.2018

Ein jedem Koffer stecken Märchen

Imelda Plaudertasche (Christel Mayr) erzählt die Geschichte von „Cinderellas Schuhen“ mithilfe von zauberhaften Koffern. <b>Foto: Kerstin Schomburg</b>
Bild: Kerstin Schomburg

Unglaublich liebevoll: Das Kinderstück „Cinderellas Schuhe“ mit Christel Mayr ist nicht nur für die Jüngsten ein Vergnügen

Ulm Das ist das Problem mit Märchen: Ab jenem Moment, wenn sich die Liebenden gefunden haben, leben sie glücklich bis an ihr seliges Ende. Aber was passiert denn mit all den Menschen und den Hindernissen, die vorher – detailreich geschildert – die Umwege ergaben? Was zum Beispiel wurde aus den gläsernen Schühchen, die Cinderella unter ihren missgünstigen Schwestern für den Prinzen erkennbar machten? Ohne sie kein Happy End, aber danach? Wohl kaum zu erwarten, dass Cinderella sie in den Müll warf, oder? Mike Kennys Kinderstück „Cinderellas Schuhe“, das der Geschichte dieser Schühchen nachgeht, gibt es jetzt am Theater Ulm – und Kinder ab vier haben an Martin Borowskis Inszenierung ihre Freude ebenso wie Erwachsene.

Was anderes als Geschichtenerzählerin sollte man werden, wenn man die Urenkelin jenes Mädchens ist, das einst von Cinderella jene Schuhe geschenkt bekam? Auf dem Speicher hatten sie davor gelegen, weil Königin Cinderella nur Söhne zur Welt brachte. Und eines Tages hatte sich die Königin so über die Tanzkünste der Schusterstochter Eldamina gefreut, dass sie ihr die Glückspantoffeln schenkte. Christel Mayr, Spezialistin der clownesken Pantomime, ist als leicht chaotische Geschichtenerzählerin Imelda Plaudertasche ganz in ihrem Element, wenn sie in dem Ein-Personen-Stück zwischen jeder Menge Lederkoffern erzählt und tanzt. Die haben es in sich. In manchen sind Schuhe, in anderen die Requisiten anderer Geschichten. Am schönsten aber sind die, mit deren Inhalt Susanne Harnisch ganz zauberhaft die Kulissen des Stückes schuf: Zweidimensionale Miniaturwelten wachsen aus diesen Koffern – das Schloss von Cinderella und ihrem König, das Haus des Schusters und die Bauernhöfe, die Eldamina auf ihrer langen Reise besucht und auf denen sie arbeitet – für Schuhe als Lohn. So detailgetreu aber sind diese Kulissen, dass selbst eine winzige Kuh aus der Koffer-Welt Milch gibt, als Schusterstochter Eldamina den Schwanz des Tieres wie den Schwengel einer Wasserpumpe bewegt.

Martin Borowskis Inszenierung beobachtet mit liebevoll-kindlichem Blick, ganz leise und frei von auch nur der geringsten Spur von Bedrohlichem. Obwohl Eldamina tatsächlich ein dickes Problem hat: Ihre Mutter bringt ein weiteres Töchterchen zur Welt, und diesem Baby vesprechen die Eltern für später Eldaminas geliebte gläserne Schuhe. Klug ist das sicher nicht, und Eldamina gönnt der Kleinen die Schuhe nicht und versenkt sie in einem See. Lieber selbst nicht haben, als dass die Schwester sie bekäme! Wie sich alles zum Guten wendet, das erfahren die Zuschauer in Martin Borowskis Inszenierung. Am Ende jedenfalls tanzt Eldamina nicht mit gläsernen, sondern mit roten Schuhen – aber halt, davon erzählt ein anderes Märchen. (köd)

Termine Wieder 3., 14., 21. Oktober, 4. und 11. November im Theaterfoyer

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