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Ulm

29.11.2019

Endlagersuche: Kein Ergebnis in Sicht

Das Atomkraftwerk Gundremmingen.
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Das Atomkraftwerk Gundremmingen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Kampagnenkoordinator der Organisation „Ausgestrahlt“ spricht in Ulm über das derzeitige Verfahren und erklärt, warum es aus seiner Sicht nicht funktioniert.

17000 Tonnen hoch- und gut 600000 Kubikmeter schwach- bis mittelradioaktiver Atommüll lagern in Deutschland, hat Helge Bauer als Kampagnenkoordinator der Nichtregierungsorganisation (NGO) „Ausgestrahlt“ am Mittwochabend im Haus der Begegnung vorgerechnet. Diese Reste „strahlenden“ Mülls aus deutschen Atomkraftwerken sollen laut Regierungsbeschluss ab 2050 in einem auf eine Million Jahre sicheren Endlager untergebracht werden. Das sei zeitlich überhaupt nicht mehr zu schaffen, sagt Bauer.

Sein oberstes Ziel, alle deutschen Atomkraftwerke stillzulegen, habe der 2008 gegründete gemeinnützige Verein „Ausgestrahlt“ nahezu erreicht, sagte Bauer. In knapp drei Jahren werde die letzte Anlage dieser Art abgeschaltet. Damit wandele sich auch die selbst gesetzte Aufgabe des ausschließlich über Spenden finanzierten Vereins. Nunmehr kümmert er sich darum, den Transport und die Lagerung des Atommülls sicher zu machen. Vor allem gehe es nun darum, trug Bauer den knapp fünfzig, überwiegend älteren Zuhörern im Haus der Begegnung vor, die Bürger an den Entscheidungen für das von der Regierung gesuchte Endlager zu beteiligen und die Suche nach dem künftigen Standort für alle transparent zu gestalten. „Ausgestrahlt“ wende sich zwar vehement gegen den Betrieb von Atomkraftwerken, akzeptiere aber, dass der in Deutschland entstandene Abfall sicher in Deutschland gelagert werden müsse. Dabei aber spart er nicht mit Kritik.

Atom-Endlagersuche: Kritiker von Ausgestrahlt spricht in Ulm

Gesucht werde ein „tiefengeologisches Lager“, das von Salz, Ton oder Granit umschlossen werde und Sicherheit biete für eine Million Jahre. Bis dahin werde sich die radioaktive Strahlung um die Hälfte vermindert haben. Die gesuchte Lagerstätte müsse aber darüber hinaus auf 500 Jahre „Rückholbarkeit des Atommülls“ gewährleisten. Wie das alles zusammengehen solle, sagte Bauer, erschließe sich ihm nicht. Völlig ungeklärt sei, welche Art von Behälter den strahlenden Müll für diesen langen Zeitraum aufnehmen solle.

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Die in den Zwischenlagern der Atomkraftwerke verwendeten „Castoren“ seien dazu jedenfalls nicht geeignet. Und wie der Zugang auf ein halbes Jahrtausend garantiert werden solle, sei ebenfalls unbekannt.

Punkt für Punkt nahm der Redner das vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Endlagersuche auseinander. Da seien schon mal die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) und das Nationale Begleitgremium, die sich gegenseitig kontrollieren sollten, bis heute aber kaum arbeitsfähig seien. Das Suchverfahren bedeute „einen enormen Zeitaufwand“, weil erst mal die überall seit langem vorhandenen geologischen Daten zusammengeführt, ausgewertet und dann in den Suchprozess eingebracht werden müssten.

Endlagersuche: Standort und Kriterien sind unklar

Aus dieser Suche sollten die örtlichen Behörden dann Teilgebiete für ein denkbares Endlager herausfiltern. „Wobei überhaupt nicht geklärt ist, wie ein Teilgebiet aussieht“, kritisierte Bauer. Auf Regionalkonferenzen müssten die Behörden jeweils zwei Orte benennen, die als Lager in Betracht gezogen werden könnten. Den Beschluss über die Benennung von Teilgebieten wolle der Bundestag schon im kommenden Jahr fassen. Bauer schließt aus, dass die Regierung das zeitlich schafft. Ebenso sei wohl illusorisch, die Entscheidung über das gesuchte Endlager schon 2031 zu treffen und danach 2050 mit der Einlagerung zu beginnen. „Ausgestrahlt“ fordert unter diesen Umständen mehr Transparenz im Verfahren, Mitbestimmung und ein Vetorecht.

Die gegenwärtige Form der Endlagersuche müsse jedenfalls sofort gestoppt werden, „damit erst mal gründlich diskutiert werden kann, wie ein Endlager eigentlich aussehen soll, sonst bekommen wir nur ein neues Gorleben“. An dieser Diskussion müssten alle beteiligt werden. „Den dann gefundenen Standort für das Endlager muss die Bevölkerung auch akzeptieren, weil der in Deutschland angefallene Atommüll auch in Deutschland behandelt werden muss“. Wie berichtet ist auch Rand der Schwäbischen Alb als Endlager in der Diskussion: die Tonschichten dort eignen sich nach den Erkenntnissen einer Studie aus dem Jahr 2006 als Wirtsgestein, in dem radioaktiver Abfall für eine Million Jahre sicher gelagert werden könnte.

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