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Pfaffenhofen

25.02.2020

Flugzeug zerschellte bei Pfaffenhofen: Gedenken an der Absturzstelle

Vertreter von US-amerikanischen und deutschen Veteranen-Verbänden sowie Bürgermeister Josef Walz legten am Unglücksort Kränze nieder.
Bild: Willi Baur

Erinnerung und Mahnung stehen am 75. Jahrestag des Flugzeugunglücks bei Pfaffenhofen im Mittelpunkt. Ein Augenzeuge schildert seine Erlebnisse.

Erinnerungen, Dankbarkeit und Mahnungen prägten die Ansprachen bei der Gedenkfeier auf den Tag genau 75 Jahre nach dem Absturz eines US-Bombers am östlichen Ortsrand Pfaffenhofens. Dazu hatten sich am Samstag ranghohe Vertreter der amerikanischen Streitkräfte und der Bundeswehr eingefunden, aber auch örtliche Kommunalpolitiker, Geistliche und Repräsentanten von Veteranen-Organisationen beider Nationen.

Zahlreiche Fahnenabordnungen formierten sich zu einem würdigen Rahmen der Feierstunde, an der auch viele Menschen aus dem Markt ganz privat teilnahmen. Unter ihnen ein Augenzeuge: Otto Keder war zehn Jahre alt, als der schwere B17-Bomber in zwei Teile zerbrochen unweit des Eichwalds aufschlug. Er beobachtete aus nächster Nähe, wie die drei Überlebenden der zehnköpfigen Besatzung an ihren Fallschirmen bei Erbishofen zu Boden schwebten. „Ich kann mich noch an jedes Detail erinnern“, sagte er am Samstag. Auch die Namen der Männer, die mit ihm den Absturz verfolgt hatten, sind ihm nach wie vor geläufig. Einer schoss Keder zufolge dem mit zerrissener Hose landenden Francis Adkins zwei Löcher in die Fallschirmseide, der andere schnitt Streifen aus einem Reifen, um daraus Sandalen zu fertigen.

22. Januar 1945: Sieben Menschen sterben bei Flugzeugabsturz bei Pfaffenhofen

Dass die Zivilbevölkerung durch die Trümmerteile der „Fliegenden Festung“ mit dem Beinamen „Johnny Reb“ nicht zu Schaden gekommen sei, erwähnten in dankbarer Erinnerung Bürgermeister Josef Walz und Georg Oblinger, Rektor der benachbarten Gebetsstätte Marienfried. Auf deren Areal hatten bekanntlich die drei per Notabwurf vorab ausgeklinkten Bomben eingeschlagen.

Flugzeug zerschellte bei Pfaffenhofen: Gedenken an der Absturzstelle

Die nur Sekunden später beim Absturz ihrer Maschine gestorbenen sieben Besatzungsmitglieder seien nicht nur als Zahlen in die Opferstatistiken des Zweiten Weltkrieges eingegangen, erklärte Colonel Kleet Barcley vom Europa-Kommando der US-Streitkräfte in Stuttgart. „Vielmehr waren damit immer auch Einzelschicksale verbunden: Alle hatten Eltern, Großeltern und Geschwister.“

Michael Edwards von der US-Luftwaffenbasis Ramstein zufolge waren fast alle Toten junge Männer in den frühen 20er Jahren. „Sie starben im mutigen Einsatz gegen Unfreiheit und Tyrannei.“ Und jedem sei vor dem Start bewusst gewesen, dass es der letzte Einsatz sein könnte. Nun gelte es, sich den Feinden von Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechten weiter in aller Entschiedenheit entgegenzustellen. Edwards: „Wir tun das Seite an Seite und in einer starken Allianz, nämlich der Nato.“

Soldaten, Politiker und Geistliche erinnern an Flugzeug-Unglück von Pfaffenhofen

Auch unser Gesellschaftssystem stehe vor großen Herausforderungen, so der Air Force-Vertreter, „aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie meistern werden“. Abschließend erklärte er: „Deutschland sollte stolz auf seine Bundeswehr sein.“

Ähnliche Überlegungen formulierte der Ulmer Oberst Lutz Mehrtens. Er schlug zudem einen historischen Bogen vom Jahr 1945 bis in die Gegenwart. Wohl sei dieser Zeitraum mit vielen Fortschritten verbunden, unter anderem der europäischen Einigung. „Derzeit verzeichnen wir aber wieder eine unruhige und instabile Lage.“ Umso wichtiger seien „Treffen auf kleinerer und persönlicher Ebene“.

Wie die vom Pfaffenhofener Trompeter Anton Nadler musikalisch umrahmte Gedenkfeier. „Jede Generation hat ihre prägenden Urerlebnisse“, bemerkte der evangelische Pfarrer Thomas Pfundner. Für die Einwohner des Ortes sei dies seinerzeit neben dem Krieg der Bomber-Absturz gewesen. Auch Pater Joseph, Kaplan der katholischen Pfarrei St. Martin, begleitete den Gedenkakt mit Gebeten. Viele verließen den jetzt beschaulichen Ort am Waldrand mit ernsten, zumindest nachdenklichen Mienen.

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