Podium

08.03.2018

Gegen das Schweigen

Lisa Sommerfeldt

Lisa Sommerfeldts „Der dunkle Vogel“ ist ein Kinderstück über das Thema Missbrauch

Die Angst vor den Schritten lässt Mia nicht schlafen. Vor Schritte, die Leid bedeuten. Doch als sie diese tatsächlich näherkommen hört, schließt sie die Augen – und braust auf dem Rücken eines dunklen Vogels davon. Als Erwachsener versteht man schnell, dass es in „Der dunkle Vogel“ um sexuellen Missbrauch an Kindern geht. Doch das Stück, das morgen, Freitag, um 19.30 Uhr im Podium des Theaters Ulm uraufgeführt wird, richtet sich an die Kinder selbst.

Autorin ist die 1976 geborene Lisa Sommerfeldt, die sich vor einigen Jahren vom Schauspielern aufs Schreiben verlegt hat. Für die Arbeit an „Der dunkle Vogel“ hat sie ein Projektstipendium des Kinder- und Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg erhalten.

Dem Thema Missbrauch habe sie sich gewidmet, weil dieses sehr präsent sei – und gleichzeitig verleugnet werde. Schließlich, so Sommerfeldt, sei Untersuchungen zufolge jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder siebte bis zehnte Junge betroffen. Ihr sei es darum gegangen, ein Stück zu schaffen, das Kindern mögliche Strategien zeigt, wie sie sich gegen Missbrauch wehren können, aber gleichzeitig kein rein pädagogisches Theater, sondern ein Kunstwerk sei.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Sommerfeldt, die über das Thema umfangreich recherchiert und mit Psychologen gesprochen hat, nutzt in „Der dunkle Vogel“ die Form des Märchens. Er steht für die Dissoziation, also das Auseinanderfallen von Wahrnehmung und Bewusstsein, das viele Kinder nach einem Missbrauch erleben. Hauptfigur Mia begegnen auf ihrer Reise durch die Nacht Geschöpfe wie der Vergesser, zwei tollpatschige Blinden und der Wahrheitsverdreher – sie stehen für den Umgang mit dem Thema Missbrauch im privaten Umfeld. Sie trifft aber auch eine Hexe, die ihr hilft, aus eigener Kraft den Albtraum zu verlassen. Was in der Realität leider oft eine Utopie ist.

„Der dunkle Vogel“ ist für Zuschauer ab zehn Jahren geeignet. Es spielen Julia Baukus als Mia, Christian Streit als ihr Bruder Jan und Christel Mayr als Werwolf. Regie führt Miriam Locher, Bühne und Kostüme gestaltete Britta Lammers. Außer bei der Premiere bietet der Deutsche Kinderschutzbund Ulm/Neu-Ulm nach jeder Vorstellung ein Publikumsgespräch an. (mgo)

Karten für die Premiere und die anderen Vorstellungen gibt es an der Theaterkasse.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren