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Klassik

14.03.2017

Großartiger Geburtstag

Ein starkes Gespann: Dirigent Albrecht Schmid (rechts), Solist Korbinian Bubenzer (links) und das Studio Ulmer Musikfreunde in der Pauluskirche.
Bild: Florian L. Arnold

Das Studio Ulmer Musikfreunde feiert sein 70-jähriges Bestehen mit einem vielseitigen Programm – und traut sich an schwere Brocken

Einen wirbelnden, energievollen Tanz präsentierte die Tanzgruppe von Pablo Sansalvador (Moving Rhizomes) zur Musik aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach. Ein mitreißender Einstieg in ein vielseitiges Programm zum 70. Geburtstag des Studios Ulmer Musikfreunde, das unter dem sicheren Dirigat von Albrecht Schmid in der Pauluskirche beeindruckend aufspielte.

Gegründet wurde das Laienorchester im März 1946. Es sollte ein Signal an die kriegszerstörte Stadt sein, und das erste Konzert im Schuhhaus – einem der wenigen größeren unzerstörten Räume im damaligen Ulm – hatte Signalwirkung. Auch in seinem 71. Jahr zeigt sich das Orchester vital und wagte sich mit Grieg, Saint-Saëns und Schubert an große und komplexe Werke. Der größte Applaus gebührte dem Orchester wohl für die sensible, kontrastreiche und rundum gelungene Aufführung der „Unvollendeten Symphonie“ von Franz Schubert. Ein fesselndes Werk, das leider Fragment blieb, doch was für eines! Ein großes, geradezu stilbildendes symphonisches Thema, schwermütig und traurig, das von einem liedhaften, heiteren umklammert wird. Diesem bewegenden ersten Satz folgt das „Andante“, das mit lichten, fast schwerelosen Harmoniken bezaubert. Das Orchester setzte diese Musik bravourös um, Dirigent Schmid kitzelte die Details heraus, ließ auch Brüche und offene Stellen des Fragments sichtbar, ohne dass das Werk an Kohärenz verlor: großartig gespielt.

Nicht weniger Liebe investierte das Orchester in das Cellokonzert von Camille Saint-Saëns. Einst von Kritikern als „beliebig“ beschimpft, ist das hinreißende Werk nun ein Standardwerk im Konzertsaal und gefällt mit seiner Fülle an grazilen Themen und üppiger, farbiger Orchestrierung.

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Alles hängt an diesem Virtuosenstück aber am Solisten, der den Ton angibt zwischen kammermusikalisch-feinem Ton und raumfüllenden Klangmassen. Das gelang dem jungen Ulmer Korbinian Bubenzer ganz vorzüglich. Die verspielten Arabesken des Eingangssatzes wusste er ebenso sicher und detailliert zu gestalten wie das heitere Allegretto. Das in einem Satz gespielte Werk mündet in einen furiosen Schlusssatz, den Bubenzer und das Orchester mit sehr gelungen ausgestalteten. Auch hierfür verdient großer Applaus, für den sich Bubenzer mit einer gelungenen Zugabe – dem „Schwan“ aus Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ – bedankte.

Das Konzert hatte gleich zweimal Edvard Grieg im Programm. Im ersten Programmteil erklang die erste „Peer Gynt“-Orchestersuite mit den vier Auszügen „Morgenstimmung“, „Ases Tod“, „Anitras Tanz“ und „In der Halle des Bergkönigs“: Weltbekannte, oft zitierte, nahezu jede geläufige Melodie, die das Orchester wunderbar umsetzte. Den Abschluss des Konzerts bildeten noch einmal diese vier Stücke, nun aber durch Tanzeinlagen von Domenico Strazzeris „WoMen“ sowie Tanzprojekten von Beate Herre, Janette Füzesi und Maren Roeske begleitet. Es tanzten Schüler und Schülerinnen der Schulen St. Hildegard, Eduard-Mörike-Schule und der Elly-Heuss-Realschule – ein gelungener und farbiger Abschluss für ein durchweg gelungenes Geburtstagskonzert.

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