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Donaufest

07.07.2016

„Herzschlag“ überwindet Grenzen

Eine Szene aus den Proben von „Herzschlag“: Marianne Mai als Liebende (rechts) mit Diana Stecker (links) und Dirk Linke. Zu sehen ist das Stück heute auf der Spatzenwiese.
Bild: Dagmar Hub

Junge Roma aus Ungarn und Ulmer Schauspielschüler treten heute gemeinsam auf der Spatzenwiese auf

Ein Maler und sein erstes Bild, das er als 15-Jähriger schuf: Niemandem zeigt der Künstler Said dieses Werk – die Umrisse eines liebenden Paares, das dem Betrachter die Rücken zuwendet. Es ist des Malers wichtigstes Bild: weil es ihm Anstoß für sein eigenes künstlerisches Ausdrucksvermögen gab. Die beiden Liebenden auf dem Bild sind Djamila und Danijar. 58 Jahre alt ist Dschingis Aitmatows Novelle „Djamila“, das erste und bekannteste Werk des 2008 verstorbenen kirgisischen Schriftstellers. Als kulturelles Donaufest-Projekt unter der Gesamtleitung des Ulmer Musikers Uli Hahnel wird Aitmatows Novelle zum Musiktheater „Herzschlag“ – zu sehen heute im Theaterzelt auf der Spatzenwiese. Regie führt Sina Baajour.

„Herzschlag“ bringt – gefördert vom Land Baden-Württemberg – zehn Schauspielschüler der Ulmer AdK und zwei junge Roma, die das Ghandi-Gymnasium im ungarischen Pécs besuchen, zusammen. Projektziel ist eine Stärkung des Dialogs zwischen Roma und Nicht-Roma – wobei sich Ralf Rainer Reimanns junge Darsteller beim von der Europäischen Donau-Akademie und dem Rat der Donaustädte und -regionen initiierten Projekt „Duna Romani Luna“ (Die Welt der Roma an der Donau) ganz bewusst nicht für ein Flüchtlingsthema entschieden, sondern für ein Stück, das Emotionen um die Liebe zwischen Mann und Frau und die Heimat als Schwerpunkt setzt.

Die Inszenierung um die junge Djamila, die im muslimischen Kirgisien in eine angesehene Familie verheiratet wurde und mit ihrer Schwiegermutter, ihrem 15-jährigen Schwager Said und den anderen Frauen und Jugendlichen aus dem Dorf die schwere Feldarbeit tut, während die Männer im Krieg sind, lebt vom intensiven Spiel Marianne Mais, die Djamila verkörpert, von der Körpersprache Ahmed Zincirs (in der Rolle des Kriegsversehrten Danijar) und von einem Wechsel zwischen dramatischer Darstellung und epischer Verfremdung. In den Massenszenen stampfen zur Erntezeit Füße auf der Erde im Rhythmus des in russischer Sprache gesungenen Kanons „Hejo, spann den Wagen an“. Fast brechtisch mutet das minimalistische Spiel des körperbehinderten Dominic Herler an.

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Die Szenen erarbeiteten sich die jungen Darsteller in der dreimonatigen Projektphase selbst – zum Teil bis unmittelbar vor der Hauptprobe am Dienstag, bei der auch erstmals die Kostüme zum Einsatz kamen. „Struktur und Organisation gestalteten sich naturgemäß schwierig“, erzählt Ulrich Hahnel – angesichts von Sprachbarrieren und der Entfernung zwischen Pécs und Ulm. Die Schauspielproben starteten mit Improvisationsszenen.

Trotzdem gelang es bis zum Aufführungstermin, ein intensives Stück auf die Bühne zu bringen, in das sich unter die AdK-Studenten und Dominic Herler der Syrer Zaid Azeez und die beiden jungen ungarischen Roma Adrienn Maria Orsos und Janos Gojkovics integrieren. Adrienn Maria Orsos ist im Theaterzelt als Musikerin zu erleben, Janos Gojkovics spielt einen Dorfjungen. Die Partie des erwachsenen Malers übernahm der Schauspieler Dirk Linke.

„Herzschlag“ ist heute, Donnerstag, um 20 Uhr im Theaterzelt auf der Spatzenwiese in der Friedrichsau (hinter dem SSV-Bad) zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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