1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Hier entsteht Ulms neue Straßenbahn-Brücke

Ulm

22.07.2016

Hier entsteht Ulms neue Straßenbahn-Brücke

Copy%20of%20_AKY7600.tif
3 Bilder
An zwei Kränen hängt ein 72 Tonnen schweres Stahlteil, das erste Stück der geplanten Kienlesbergbrücke, auf der künftig die Straßenbahn fahren soll. Bei einem Pressetermin informierten die Bauherren über den aktuellen Stand.
Bild: Alexander Kaya

Ein 34 Meter langes und 72 Tonnen schweres Stahlteil wird demnächst auf der Brücken-Baustelle über die Gleise geschoben. Das erfordert echte Millimeterarbeit.

34 Meter lang und 72 Tonnen schwer ist der Koloss aus Stahl. Er wurde aus sechs Einzelteilen zusammengeschweißt, die per Schwertransport auf die Baustelle zwischen dem SWU-Gebäude und der alten Neutorbrücke geliefert wurden. An dicken Ketten an zwei Kränen hängt das Brückensegment auf der Montageplattform. Jetzt geht es an die Feinarbeit. Denn bis auf zwei, drei Millimeter genau muss der Träger aufgesetzt werden. Er ist das erste Stück der geplanten Kienlesbergbrücke, über die in zwei Jahren die Straßenbahn hoch zur Wissenschaftsstadt auf dem Oberen Eselsberg fahren soll.

„Der erste Verschub soll am 10. August sein“, schildert Projektleiter Thomas Harter. Dann wird das Brückenteil Zentimeter für Zentimeter über die Bahngleise geschoben, bis es auf zwei Stützen aufliegt und dort fixiert werden kann. Mit Schwerlastpressen an einem Gestänge wird das stählerne Ungetüm an seinen Platz gewuchtet, auf Teflonunterlagen und unter Einsatz von jeder Menge Schmierseife. Der nächtliche Einsatz muss minutiös vorbereitet werden. Denn die Zeit für das Einschieben des Brückenteils ist äußerst knapp bemessen. „Wir haben ganze fünf Stunden Zeit“, sagt Harter. Um das tonnenschwere Teil über den Gleisen bewegen zu dürfen, brauchen die Stadtwerke eine Genehmigung der Bahn. Denn während der Arbeiten dürfen keine Züge unten durchfahren. Die Sperrpause muss mindestens ein Jahr im Voraus beantragt werden. Würde bis zu dem genehmigten Termin etwas schief gehen, würde das die Bauherren arg in die Bredouille bringen.

„Deshalb ist es unabdingbar, dass wir mit Vollgas arbeiten“, so Harter. Mit den Stahlarbeiten auf der Baustelle haben die SWU die Firma Eiffel aus Hannover beauftragt. Zehn bis zwölf Stunden schuften die Arbeiter derzeit auf der Baustelle, auch am Samstag, teilweise sogar am Sonntag. Exakte Vorbereitung ist alles, damit zum Stichtag alles schnell und sicher über die Bühne gehen kann. „Jede Schweißnaht wird überprüft, jede Schraube protokolliert.“ Auch mit wetterbedingten Widrigkeiten müssen die Arbeiter umgehen. Bei Hitze etwa dehnt sich der Stahl um bis zu 15 Millimeter aus. Das muss mit einberechnet werden.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Zwar ist das sogenannte Taktschiebeverfahren für Brückenbauer Routine. Doch auf der Baustelle nahe der Karlstraße geht es sehr eng zu. Außerdem müssen sich die Bauherren nicht nur wegen der Sperrpausen eng mit der Bahn abstimmen. Die hat nur einen Steinwurf entfernt ihre eigene Großbaustelle. Dort werden künftig die ICE-Schnellzüge aus dem Tunnel rauschen, wenn die Neubaustrecke nach Stuttgart fertig ist.

Das erste Brückenstück, das in weniger als drei Wochen eingeschoben werden soll, wird am Ende auf der anderen Seite, am Kienlesberg, auf dem Widerlager aufsitzen. Alle drei bis vier Wochen werden ab jetzt weitere Stahlteile geliefert, die in Ulm zusammenmontiert werden. Insgesamt werden es zwölf Brückensegmente sein. Der Rohbau soll bis Frühjahr nächsten Jahres fertig sein. „Dann beginnt auf der Brücke der Ausbau“, schildert der Projektleiter. Die Fahrbahn wird gebaut, die Gleise verlegt, die Elektrotechnik und die Oberleitungen angebracht. Bis Ende 2017, möglicherweise auch erst im Frühjahr 2018 wird die Kienlesbergbrücke fertig. Sie wird 270 Meter lang und etwa 2500 Tonnen schwer. Die Last ruht dabei nur auf acht Stützen. „Ein statisch gewagtes, filigranes Projekt“, findet Thomas Harter.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren