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Ulm

03.07.2017

Irischer Abend mit Folk aus Franken

Irisch, fränkisch – oder irisch-fränkisch? Fiddler’s Green aus Erlangen sind mit ihrer Folk-Rock-Interpretation erfolgreich. Das Zelt war ausverkauft.
Bild: Felix Oechsler

Die Band Fiddler’s Green eifert im Ulmer Zelt ihren Vorbildern von der grünen Insel nach – und ist doch ganz anders.

Alles ist angerichtet für ein wenig Irish-Pub-Atmosphäre in der Friedrichsau: Aus den Zapfhähnen im Gastro-Zelt läuft schon seit dem frühen Abend Kilkenny-Bier in Strömen und vor der Bühne im Zelt steht die Luft wie in der Dubliner Temple-Bar. Ausverkauft ist das Konzert von Fiddler’s Green schon seit Tagen. Und die Herren aus Erlangen enttäuschen ihre Fanbasis, die sie sich seit den 90er Jahren kontinuierlich aufgebaut haben, nicht. Als „Irish Independent Speedfolk“ bezeichnen sie selbst den Musikstil – und die Pogues als ihr großes Vorbild.

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Das ist hoch gegriffen. Wer je die Urväter des irischen Folk-Punks um Shane MacGowan live erleben durfte, weiß, dass es bis dahin noch ein weiter Weg für die Franken wird. Musikalisch gibt es an sich bei Fiddler’s Green nichts auszusetzen: Ralf „Albi“ Albers ist gut bei Stimme, beherrscht die irische Bouzouki und auch die anderen fünf Bandmitglieder agieren hoch professionell. „Devil‘s Dozen“ heißt ihr jüngstes Album, doch teuflisch gut ist die Stimmung im Zelt nicht. Das merkt auch der bodenständige Frontman Albers und versucht mit der von Heavy-Metal-Konzerten bekannten „Wall of Death“ für Laune zu sorgen. Das scheitert gründlich, die in zwei Gruppen eingeteilten Zuschauer meist gesetzteren Alters schauen sich fragend an und wollen nicht aufeinander zu rennen, wie es die Vorstellung der Band ist. Und auch Versuche des Crowdsurfens, des Über-die-Menge-aus-Händen-getragen-Werdens, scheitern schon im Ansatz. Bei Royal Republic am Vortag war das noch anders.

Das Publikum will lieber still genießen und bekommt bei den Erlangern gleich drei Bands in einer: Mal spielen sie überzeugend Traditionals wie „The Leaving Of Liverpool“ oder „The Rocky Road to Dublin“, mal machen sie auf Punk-Rock à la Flogging Molly und mal klingen sie wie eine Mittelalter-Band. Eigentlich kein Wunder, schließlich waren die Franken, schon etliche Male die Vorgruppe von In Extremo. Was bleibt ist der Eindruck, dass die Erlanger, die scheinbar so gerne Iren wären, selbst nicht so recht wissen, wo ihre musikalische Heimat liegt. Ihre Fans würden die vermeintliche Suche nach dem eigenen Stil anders interpretieren: Fiddler’s Green haben längst ihren ureigenen Fränkisch-Folk kreiert.

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