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Hegelhofen

12.07.2020

Kunstaktion: Rätselhafte Leuchtzeichen über Hegelhofen

Das Lichtobjekt der Künstlerin Catherin Schöberl erstrahlt auf einem alten Silo in Weißenhorn-Hegelshofen: "Its a trap. Enjoy"
Bild: Stefan Kuemmritz

Plus Auf einem unscheinbaren Silo bei Weißenhorn leuchtet jetzt eine Lichtinstallation. Was hat das zu bedeuten?

Der einigermaßen Ortsunkundige findet in Hegelhofen an der Günzburger Straße Richtung Weißenhorn zunächst nicht das Außergewöhnliche, das er sucht. Am Beginn der Fuggerstadt kehrt er, nachdem Einheimische ihm auch keine Angaben zum Zielobjekt seiner Suche machen konnten, um und fährt zurück. Plötzlich fällt sein Blick links in den Hof eines landwirtschaftlichen Anwesens, er stoppt und lässt sich von Andreas Schöberl einweisen, der schon auf ihn gewartet hat. Er ist der Vater von Catherin Schöberl, die auf dem mitten im Hof stehenden alten Silo ein Lichtobjekt installiert hat. Von der Straße aus ist es schlecht zu sehen und zu lesen, schaut man aber am Silo von der anderen Seite hoch, ist die Leuchtschrift klar erkennbar: „It’s a trap. Enjoy“. Zu deutsch: „Das ist eine Falle. Genieße es“.

Bild: Stefan Kuemmritz

Hegelhofen bei Weißenhorn hat eine neue Attraktion

Ein modernes Kunstwerk auf einem alten Silo in Hegelhofen, einem Ort, wo man so etwas kaum erwartet – der Betrachter ist überrascht. „Meine Tochter“, erklärt Andreas Schöberl, „studiert an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel.“ Sie wollte im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit zum Thema „Feminismus anhand von Popkultur erforschen“ diese Lichtinstallation schaffen, die sie – in Anlehnung an den Turmbau zu Babel – eben auch auf einem Turm anbringen wollte. Doch sie fand keinen geeigneten Turm. Andreas Schöberl ging ein Licht auf: „Da sagte ich: Hier, wo ich wohne, ist doch einer. Und sie beschloss, das Silo hier zu nutzen.“

Im Inneren des Silos leuchtet die Kunstinstallation in schummrigem Rot. Es ist das Ende des Lichtstreifens.

Catherin Schöberl hatte beim Anbringen der Leuchtschrift ein Problem. Diese sollte zur Straße hin zeigen, aber ein Rohr störte dabei. So musste sie das Objekt an der gegenüberliegenden Seite anbringen. Nun ist es dort von den Wohnhäusern und einem vorbei führenden Weg sehr gut zu sehen. „It’s a trap. Enjoy“ leuchtet in Hegelhofen auf – vorausgesetzt, Andreas Schöberl schaltet den Strom an. Geradezu mystisch und geheimnisvoll wird es, wenn man durch eine Luke einen Blick ins Innere des leider nicht begehbaren Silos wirft. Catherin Schöberl hat das mehrere Meter lange Ende des Lichtstreifens hineinhängen lassen und wenn er leuchtet, werden die Wände in ein gespenstisches Rot getaucht. Andreas Schöberl schaltet das Licht vor allem dann an, wenn Interessierte das Gelände betreten – aber auch sonst schon mal. „Viele Leute haben mich bereits angesprochen“, berichtet er, anstelle seiner 26-jährigen Tochter, die momentan selten in Hegelhofen ist, weil sie in Basel noch ihren Master machen will. „Sie wollen wissen, was es bedeutet. Auf jeden Fall soll es provozieren, die Leute sollen sich damit auseinandersetzen. Wenn es im stillen Kämmerlein hängt, sieht es kaum jemand.“

"It's a trap": Die Aufschrift leuchtet auf einem Silo in Hegelhofen

Die Künstlerin selbst erklärt ihre Bachelor-Arbeit so: „In der multimedialen Installation untersuche ich die Möglichkeiten der Frau in der heutigen Gesellschaft zur freien Lebensgestaltung.“ Ihre Arbeit folgt dem Prinzip des „Cultural Hacking“ – die Umkodierung und Verfremdung bestehender kultureller Codes, Signale und Zeichen. Dabei bedient sie sich populärer Aussagen, verkehrt und verdreht diese Phrasen aber, indem sie die Sätze auf neue Weise miteinander verknüpft. „Die Projektion in einem leer stehenden Silo und die Verbindung mit dem Slogan auf der Turmspitze verbindet Innen und Außen und setzte ein körperliches Abschreiten der Installation voraus.“

Zum Slogan selbst fügt die in Tübingen geborene Catherin Schöberl an: „It’s a trap: Eine Falle, die angekündigt wird, ist absurd, da Fallen ja in Fallen locken sollen und nicht angekündigt werden. Ein Widerspruch, der zum Nachdenken anregt.“ Außerdem stecke in dem Satz die Frage: „Was ist die Falle in meinem eigenen Leben?“ Zum Stichwort „Enjoy“ sagt Schöberl: „Aussage der heutigen Konsumgesellschaft: Wir sollen genießen, was wir sehen. Oder, wie die Aussage im Imperativ fast schon autoritär impliziert, wir werden genießen, was wir sehen. Weniger als Angebot, sondern als Diktat.“ Nicht nur in Hegelhofen darf man sich Gedanken dazu machen.

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