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Memmingen

22.05.2018

Mit Messer auf den Nachbarn losgegangen

Ein Mann soll auf seinen Nachbarn losgegangen sein. Jetzt steht er vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein heute 20-Jähriger soll versucht haben, einen anderen Mann zu töten. Deshalb muss er sich nun vor Gericht verantworten.

Es ist November 2017: Mitten in der Nacht klopft ein junger Mann an der Tür seines Nachbarn. Der heute 60-Jährige öffnet die Tür. Wenig später liegen beide am Boden: Der eine blutüberströmt und um Hilfe rufend – der andere die Hand an einem Messer. Der mutmaßliche Angreifer: Ein 20 Jahre alter Mann aus dem südlichen Landkreis Neu-Ulm, der sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes vor dem Memminger Landgericht verantworten muss.

In Handschellen wird der junge Mann in den Gerichtssaal geführt, er schweigt – fast die gesamte Zeit des ersten Verhandlungstages. Dafür spricht sein Anwalt, Michael Bogdahn. Der Angeklagte sei damals schwer mit seiner Lebenssituation zurecht gekommen. Denn er sei vor allem von seinem Stiefvater umsorgt worden, habe dann aber alleine gelebt. Das sei ihm sehr schwergefallen, so der Verteidiger, der von zerrütteten Familienverhältnissen spricht: Die leiblichen Eltern hätten sich bereits vor der Geburt getrennt, aufgewachsen sei er beim Stiefvater und dessen Eltern, es folgten Umzüge und häufige Wohnortswechsel. Das Kennenlernen des leiblichen Vaters, ein Arbeitsloser mit Alkoholproblemen, sei enttäuschend gewesen, zur Mutter habe er kaum Kontakt. Lediglich zu seinen Halbgeschwistern und seiner Stieffamilie habe der Angeklagte ein gutes Verhältnis, so Bogdahn. Von seiner Stief-Oma, die als Zeugin aussagt, wird der junge Mann als freundlich und hilfsbereit beschrieben, nie hätte sie sich vorstellen können, dass er zu so einer Gewalttat fähig sei. Und auch stark betrunken habe sie ihren „Enkel“ noch nie erlebt.

Das allerdings widerspricht den Angaben, die dem Vorsitzenden Richter Jürgen Hasler vorliegen: Der junge Mann soll zeitweise sogar 35 Halbe am Tag getrunken haben, als er kurzzeitig bei seinem leiblichen Vater lebte. Mit Drogen sei der Angeklagte bereits im Alter von elf Jahren in Berührung gekommen.

An jenem Novembertag 2017 sei ebenfalls Alkohol geflossen, auch von Kräutermischungen ist die Rede. So versucht Verteidiger Bogdahn die Tat als Aussetzer des Mannes erklärbar zu machen. Im Verlauf jenes Abends habe er einen Aufsitzrasenmäher gestohlen – dies sollte nicht die einzige verhängnisvolle Entscheidung bleiben. Denn kurz darauf fasste der alkoholisierte Angeklagte den Entschluss, das Auto seines Nachbarn zu stehlen, um damit seine Verwandten in Sachsen zu besuchen.

Die Mutter gab ihn einfach ab

Und dann nahm das Drama seinen Lauf: Wie Staatsanwalt Thomas Hörmann ausführt, soll der junge Mann zu seinem Nachbarn gegangen sein, ihn niedergeschlagen und ihm gedroht haben, ihm die Kehle durchzuschneiden – stets mit dem Hintergedanken das Auto zu stehlen. Bewaffnet war der Angreifer mit einer Küchenrollenhalterung aus Holz und einem etwa 30 Zentimeter langem Messer, heißt es. Er soll die Gegenstände zunächst vor dem Nachbarn versteckt haben, als er ihn um ein Bier bat. Kaum war die Wohnungstür geöffnet, soll sich der Mann auf den heute 60-Jährigen gestürzt, ihn unter anderem am Kopf verletzt und den kleinen Finger gebrochen haben. Außerdem soll er ihn – laut Anklageschrift – am Hals gepackt haben. Bei der Attacke hielt er das Brotmesser in der Hand, so der Staatsanwalt. Als ein weiterer Nachbar herbeieilte und die beiden bei der Rangelei überraschte, ließ der Angreifer von seinem Opfer ab und floh durchs Fenster. Wegen der heftigen Gewalttat lautet der Vorwurf auf versuchten Mord. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft in Kempten. Warum der Angeklagte, der keinen Führerschein hat, zu so drastischen Mitteln griff, um an den Autoschlüssel zu kommen, kann sein Verteidiger noch nicht beantworten. Er betont aber: Der Mann hatte nicht die Absicht, seinen Nachbarn umzubringen, das Messer habe er bewusst nicht eingesetzt. Zudem sei es nicht in der rechten Hand, wie für einen Rechtshänder üblich, sondern in der linken gewesen. Auch habe sich der Angeklagte freiwillig der Polizei gestellt und schriftlich beim Opfer entschuldigt.

Am Mittwoch sollen weitere Aussagen im Prozess gehört werden.

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