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29.08.2010

Mutter Donau und ihre Kantate

Musiker, Chöre und sogar ein Beatboxer: Bei der Kantate "Sounds of Mama Duna" im Edwin-Scharff-Haus war für alles Platz. Foto: Andreas Brücken
Bild: Andreas Brücken

Ulm Alles redet über die Donau. Susanne Maier lässt sie besingen und kreierte mit der Komponistin Dragana Jovanovic und zahlreichen musikalischen Gästen die "Sounds of Mama Duna", die im Edwin-Scharff-Haus ihre Uraufführung erlebte. Das unbeständige Wetter hatte einer Freiluftpremiere an der Ulmer "Wilhelmhöhe" einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch es gelang durchaus, die Atmosphäre von Meditation, Mystik und Besinnung in geschlossene Räume zu transportieren.

Auch die Ränder werden bespielt: Durch eine offene Tür sah man eine junge Frau mit einem Regenschirm - aus dem fröhlich Donauwasser plätscherte. Diese Acts gingen fließend über in die liturgisch anmutende "Ouvertüre": Jeder Gast bekam einen kleinen Plastikbecher, mit dem er sich aus einem Kelch Donau-Wasser nehmen konnte. Dieses wurde in einem Becken vor der Bühne gesammelt, wo es mit "neuen Schwingungen aufgeladen" und nach Abschluss des Abends der Mutter Donau zurückerstattet wurde. Eine gelungene Idee, um sich vom quirligen Trubel der Außenwelt abzusetzen.

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"Sounds of Mama Duna" erzählt die Reise - und damit per se das "Älterwerden" des Flusses Donau. Mit den vereinten Kräften des St. Ephraim Chors und der Sängerin Klara Korzensky (Budapest), der Gruppe Secondhanders (Belgrad), dem Beatboxer Marko Stojanovic (Belgrad) und einem Projekt-Frauenchor aus Ulm wurde die Donau unter Leitung von Christiane Dech (Ulm) auf die Reise geschickt.

Klassischer Chorgesang, ein Beatboxer und Pathos

Mutter Donau und ihre Kantate

Die Reise begann mit dem Einsetzen des "Herzschlags" der Donau, symbolisiert durch gehauchte Vokalisen des Frauenchors, die von den Streichinstrumenten der "Secondhanders" behutsam akzentuiert werden. Das leise Plätschern von Wasser sorgte noch für einen kontemplativen Moment, bevor der Chor zu einem ersten großen Crescendo anschwoll - und mit vehementem "Oh Mama Duna!" in einen ohrwurmverdächtigen Rhythmus überging, der verdächtig an Melodien aus "König der Löwen" erinnerte. Doch, halt: Es geht um "unseren" Fluss, um die Menschen und Geschichten an seinen Ufern, deren Träume, Nöte und Hoffnungen.

Die collageartige Zusammensetzung der nur etwas mehr als 30 Minuten dauernden "Sounds of Mama Duna" legt nicht von ungefähr einen Vergleich zu Bedrich Smetanas "Moldau" nahe. Die Reise verläuft auch musikalisch ähnlich. Vom behutsamen Anfangsmoment über verspielte und wirbelnde Augenblicke bis zum großen Finale illustrieren vokalartistische Klänge die Donaureise ebenso wie klassischer Gesang, ausgeprägte Rhythmik und Soli vokaler und instrumentaler Art. Dass afrikanisch anmutende Rhythmen und filmmusikalisch wirkende Choreinsätze dabei Donau-unspezifisch wirken, trübte den Eindruck etwas. Positiv fiel der Einsatz des Beatboxers und einstigen Bundesliga-Basketballers Marko Stojanovic auf, der durch originelle Akzente neue, rhythmisch ausgestaltete Sektionen anstieß. Pathos steuerten die Vokalisen von Klara Korzensky bei.

Die Zusammenarbeit des Projektchors und des ungarischen Chors gelang vorzüglich. In einer klassischen Coda kommt Mama Duna schließlich an ihr Ziel - und es endet, wie es begann, mit sanften, auslaufenden Chor- und Instrumentalklängen zu Samples von plätscherndem Wasser.

Über weite Strecken gelang es der Komposition, die intendierte Botschaft von Spiritualität und Lebensfreude zu vermitteln. Was der Komposition fehlte, war oftmals das Element des Humors - von einigen kurzen Momenten mit Beatboxer Stojanovic abgesehen. Statt dessen bestimmten vor allem gegen Ende geradezu klassisch-romantische Anleihen das Musikgeschehen. Die musikalische Innovativität gerade des Balkans - die man dieser Tage links und rechts der Donau in Fülle genießen kann - hatte sich in der Komposition kontemplativen Ideen unterzuordnen.

Das Publikum honorierte die Leistungen der Musiker mit großem Applaus - der noch anschwoll, als Projektleiterin Maier und Komponistin Jovanovic die Bühne betraten. Draußen wartete Mutter Donau in vertrauter Ruhe auf die Rückerstattung ihres Wassers.

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