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14.07.2010

Mutter mit behindertem Sohn im Dauerclinch mit dem Vermieter

Neu-Ulm Sie duzen sich zwar, Freunde werden der Mann und die Frau, die sich gestern vor dem Neu-Ulmer Zivilgericht getroffen haben, aber wohl niemals mehr werden. Grund für das nachhaltige Zerwürfnis sind Mietstreitigkeiten. Der Mann hat an die Frau, Mutter eines schwerstbehinderten Sohnes, ein Haus in einem kleinen Ort im Bibertal vermietet. Anfänglich herrschte wohl auch Friede, Freude, Eierkuchen - bis es einen nicht näher beschriebenen "Streit" gab. Möglicherweise spielte dabei auch der Vater des Kindes eine Rolle: Der Vermieter jedenfalls murmelte etwas von einem Versuch des Mannes, ihn zu verprügeln.

Andere Saiten aufgezogen

Nach dem ominösen Streit wurden offenbar andere Saiten aufgezogen. Die Frau sagte etwa, dass der Kläger die Zufahrt zur Garage mit einem Anhänger sozusagen verbarrikadiert habe, der Mann behauptete, seine Mieterin habe entgegen aller Absprachen und dem Mietvertrag das obere Stockwerk, den Dachboden und eine Garage in Beschlag genommen. In einer anderen Garage beherberge sie Dutzende von Kaninchen, ein Raum im Haus sei zum mittlerweile versifften "Meerschweinchenzimmer" umfunktioniert worden. Die Hartz-IV-Empfängerin wiederum reduzierte ihre Mietzahlungen, weil eine Wand in der "Speis" verschimmelt gewesen sei und nicht neu verputzt wurde. Konter des Vermieters: Trotz Voranmeldung habe die Frau weder die Handwerker noch ihn ins Haus gelassen.

Die Reibereien haben das rein Private längst hinter sich gelassen. Augenscheinlich ziehen beide Seiten wegen allem und jedem vor den Kadi, sodass laut Thomas Binder mittlerweile "fast alle Zivilrichter" beim Neu-Ulmer Amtsgericht mit unterschiedlichen Aspekten des Streits befasst sind. Die erste Frage des Richters war denn auch, ob es nicht sinnvoll wäre, eine "große Lösung" anzustreben - sprich: Die Frau erhält eine Frist von einem Jahr, um das Haus zu verlassen; im Gegenzug ermöglicht sie es ihrem Vermieter, wie eingeklagt, in das obere Stockwerk einzuziehen. Dem pressiert es einigermaßen, weil er sein jetziges Wohnhaus verkaufen muss, nachdem er beruflich Schiffbruch erlitten hat.

Mutter mit behindertem Sohn im Dauerclinch mit dem Vermieter

Im Prinzip ja

Im Prinzip waren beide Seiten an einer geld-, nerven- und zeitsparenden Lösung interessiert - was sie letztendlich verhinderte, waren die vielen Teufel, die im Detail steckten. Die Frau ließ wissen, dass sie sich schon mehrfach vergeblich bei diversen Ämtern erkundigt habe, ob es eine neue Bleibe für sie, ihren Sohn und dessen Therapiepferd gebe. "Das ist eine schwierige Situation", erklärte sie, zumal ihr vorschwebe, sich künftig wieder im Raum Illertissen niederzulassen.

Sowohl Richter Binder als auch die Anwältin des Vermieters, Simone Eberle, bekundeten Verständnis für das gewiss nicht einfache Leben als Mutter eines Kindes, das rund um die Uhr betreut werden muss. Der Richter sagte aber auch, dass trotz der "besonderen Situation" es nicht sein könne, dass eine Räumung nicht in Betracht komme.

Gefeilsche

In der Folge wurde um eine ganze Menge von Dingen richtiggehend gefeilscht, wobei Thomas Binder von seinem anfangs gemachten Vorschlag der Räumung binnen eines Jahres ausging. Offenbar hatte es Beklagten-Anwalt Bee entweder überhört oder er hatte es sich zwischenzeitlich anders überlegt: Letztendlich scheiterte der Kompromissvorschlag. (kr)

Info Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Neu-Ulm wird am Dienstag, 17. August, mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Beginn ist um 13.30 Uhr.

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