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Neu-Ulm
07.08.2019

Sie ist Neu-Ulms Fachfrau für Freiluftkultur

Alles im Griff: Mareike Kuch, hier beim Kurzfilmfestival im Glacis, ist bei der Stadt Neu-Ulm für das Kulturprogramm zuständig – seit 18 Jahren.
Foto: Andreas Brücken

Ob im Glacis, auf der Caponniere oder im Museumshof: Mareike Kuch kümmert sich bei der Stadt um Konzerte und andere Veranstaltungen. Sie ist dadurch zur Wetterexpertin geworden.

Wahrscheinlich nur Landwirte, Gärtner und Bademeister blicken häufiger zum Himmel als Mareike Kuch. Dabei arbeitet die 41-Jährige im Neu-Ulmer Rathaus. Doch wenn es ernst wird, geht es für die Ulmerin nach draußen, und da schadet es nicht, ein Gespür dafür zu haben, welche Wolke einen Open-Air-Abend versauen könnte. Seit 2001 kümmert sich Kuch um das Kulturprogramm der Stadt Neu-Ulm, und das hat eine Besonderheit: Fast alles findet unter freiem Himmel statt. Bei der 41-Jährigen laufen alle Fäden zusammen – und sie muss auch die Notbremse ziehen, wenn Ungemach von oben droht.

Seit 18 Jahren ist Mareike Kuch für die (Freiluft)kultur zuständig, derzeit betreut sie 50 bis 60 Open-Air-Veranstaltungen pro Saison. Blasmusik und Rock im Glacis, Jazz auf der Caponniere, Kleinkunst im Museumshof, für alles ist Kuch verantwortlich. Derzeit, gibt sie zu, erlebt sie das bislang stressigste Jahr ihrer Karriere. Seit 2018 leitet sie die Abteilung Abteilung Schule, Sport, Kultur und Freizeit im Rathaus, ist also auch für Themen wie die Stadtbücherei zuständig. Und auch das Stadtjubiläum wirkt sich erheblich auf ihre Arbeitszeit aus: So war es Kuch, die das Programm für die „Neu-Ulmer Feiertage“ Anfang Juni zusammenstellte.

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Kuch, gebürtige Ulmerin, kam nach ihrem Abschluss an der Verwaltungshochschule Ludwigsburg nach Neu-Ulm – und war gleich für das Kulturprogramm zuständig. Was passt, denn schon im Studium war die Kultur einer ihrer Schwerpunkte. 23 Jahre war Kuch damals alt, und sie mochte den Job sofort. „Es ist ein super Bereich, wo man gleich kreativ tätig werden kann.“ Sie fing nicht bei null an, die Glacis-Konzerte waren eine etablierte Reihe, der Museumshof-Abende kurz zuvor eingeführt worden. „Ich konnte kennenlernen, was läuft, aber ich konnte auch eigene Ideen entwickeln.“ Ihre erste große Prüfung stand im Jahr 2006 an, als die Landesgartenschau nach Neu-Ulm kam: Kuch musste das Kultur- und Sportprogramm für 164 Tage zusammenstellen. „Das war gigantisch“, erinnert sie sich. „Das geht nur, wenn man eine klare Struktur hineinbekommt.“ Damals, so sagt sie, habe sie viele Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft, von denen sie heute noch profitiere.

Doch das mit dem Wetter ist auch nach 18 Jahren eine Belastung. Denn bei schlechtem Wetter liegt es an Kuch, eine Veranstaltung ganz abzublasen oder sie in gegebenenfalls an einen trockenen Alternativort zu verlegen, wie es bei „Kultur im Museumhof“ möglich ist. Die Entscheidung muss Kuch Stunden vor dem Auftritt treffen – was manchmal daneben geht. Mit Grauen erinnert sich die Verwaltungsfrau an ein Erlebnis aus ihrer Anfangszeit. Sie hatte ein Konzert wegen der schlechten Wetterprognose ins Edwin-Scharff-Haus verlegt – und als die ersten Töne erklangen, war draußen längst ein perfekter Sommerabend. Kuch versteckte sich in der letzten Reihe, doch dann stand eine Frau auf und wollte wissen, „wer das hier verbockt hat“. Damals hätte sie gerne ein Schlupfloch gehabt, erinnert sich die Organisatorin. Gottseidank liegt sie mit ihren Wetterentscheidungen meistens richtig. Und wenn nicht? „Wenn du dich ärgerst, dass die Sonne scheint, wird es ein bisschen schizophren.“

Das Festival "Kultur auf der Straße" in Neu-Ulm dauert dieses Jahr zwei Tage

Bei Kuchs jüngsten „Baby“ aber gibt es keinen Spielraum: Bei der dritten Auflage von „Kultur auf der Straße“ muss das Wetter passen – Straßenkunst lässt sich eben nicht nach drinnen verlegen. Das Festival dauert dieses Jahr zwei Tage, es findet am Samstag, 17., und Sonntag, 18. August, in der Neu-Ulmer Innenstadt statt. Auf diese Veranstaltung ist Kuch besonders stolz, weil die Idee von ihr stammt – sie war bei einem Irland-Urlaub zufällig beim „Galway International Arts Festival“ gelandet und sofort vom Konzept begeistert gewesen. Es ist ein Angebot ganz nach dem Geschmack von Kuch (und auch ihrem Chef, Fachbereichsleiter Ralph Seiffert): für jeden zugänglich, „eine coole Geschichte“. So wie das Kurzfilmfestival, das zum Stadtjubiläum Premiere hatte – und das Mareike Kuch gerne wiederholen würde.

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Auch nach 18 Jahren im Rathaus brennt sie für ihr Gebiet, sucht nach neuen Formaten und Orten. Den bislang wenig genutzten Schwal würde die 41-Jährige gerne öfter bespielen. Aber Kultur muss ja nicht immer Arbeit sein. In der Region genießt Kuch, die selbst im Kirchenchor singt, vor allem das Donaufest und Abende im Ulmer Zelt, für Konzerte von Bon Jovi oder Pink würde sie auch weitere Wege in Kauf nehmen, sie reist ohnehin gerne. Muss aber nicht sein. Sie genießt es aber auch, in der Natur zu sein, besonders gerne am Bodensee. „Einfach zwei Stunden auf den See starren, das tut auch mal gut.“ Auf jeden Fall ein guter Ausgleich zu den ewigen Blicken zum Himmel.

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