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Ulm

03.01.2019

Philharmoniker mit Schwung und Witz

Spielte vor vollem Haus: das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm unter Leitung von Timo Handschuh.
Bild: Alexander Kaya

Ein musikalischer Auftakt nach Maß: Das Orchester spielt beim Neujahrskonzert im Theater Ulm vor ausverkauften Reihen – und am Ende ein bisschen verrückt.

Unter neuer Intendanz alles neu beim Neujahrskonzert der Ulmer Philharmoniker? Mitnichten. Einzig die souveräne Führung durch den Konzertabend durch Benjamin Künzel stellte in der gleichermaßen beliebten wie (nicht nur) zur Premiere ausverkauften Veranstaltung eine Neuerung dar. Aber auch wieder nicht: Die humorvoll-satirische Art des Dramaturgen kennt und schätzt man schon von anderen, ähnlichen Potpourri-Abenden, wo sie den notwendigen roten Faden herstellen. Wie gewohnt bot auch das diesjährige Neujahrskonzert einen ausgewogenen Reigen von beliebten und (ein paar) weniger bekannten Melodien, wobei man hier sinnig aus dem Vollen schöpfte – aus Stücken, die auch irgendwann in jüngerer Zeit oder sogar aktuell den Spielplan bereicherten.

Den schwungvollen Auftakt machte die Ouvertüre zur Operette „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi – ein „Reinschmeißer“ mit temperamentvollen Melodien, herrlich volltönendem Blech und warm schwelgendem Streicherregister. „Mit Verdi ins neue Jahr starten kann kein Fehler sein“, meinte Künzel schmunzelnd nach diesem Auftakt, dem „Mord und Totschlag“ folgten, gewissermaßen: In Vincenco Bellinis Romeo-und-Julia-Bearbeitung „I Capuleti e i Montecchi“ geht es um einen Mord (und weitere Tote), in Charles Goundods „Marche funèbre d’une marionette“ um eine gefallene Marionette – die reizvoll mit markanten Holzbläser-Einsätzen arbeitende Melodie kennt man vor allem noch aus Alfred Hitchcocks Horror-Serie Ende der 1950er Jahre, wo sie eine veritable Suspense-Stimmung vorgab.

Solistin I Chiao Shih zeigt ihre Klasse im Theater Ulm

I Chiao Shih als Solistin des Abends machte ihre Sache hervorragend und zeigte sich wandlungsfähig. Mal in der Hosenrolle als Romeo, mal als altes Mütterchen, dem, so will es das Libretto von Antonín Dvoráks „Als die alte Mutter“, die „Tränen in den Bart rieseln“. So unfreiwillig komisch mancher Text scheinen mag, die Musik ist grandios. Zumal Dvoráks „Zigeunerliedern“ der „Höllentanz“ der „Teufelskäthe“ sowie die Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók zur Seite gestellt wurden – alles heißblütige und reizvoll orchestrierte Musik, die den Philharmonikern reichlich Gelegenheit bot, mit Raffinesse und Spielfreude aufzuspielen.

Dass man auch jenseits der Donau schöne Walzer schreiben kann, wenn auch nach eigener Art, bewies das Orchester unter dem bewährten Dirigat von Generalmusikdirektor Timo Handschuh mit Auszügen aus den Zarzuelas „La Tempranica“ und „Dona Francisquita“. Amadeo Vives Fandango aus „Dona Francisquita“ gefiel mit ausgelassenem Castgnetten-Einsatz und durchgehaltenem Allegro-Tempo, die Arie „La tarantula é un bicho mu malo“ war ideal besetzt mit Shih, die das feurige Arrangement entsprechend zu servieren verstand. Das war dann auch ein schöner Kontrast zu den sicherlich soliden, zugleich aber auch abgenudelten Walzern der Strauss-Dynastie, die wohl in keinem Neujahrskonzert fehlen dürfen.

Der letzte Konzertteil wartete dann mit wahren „Edelsteinen der Klassik“ (Künzel) auf: Astor Piazzollas „Vier Jahreszeiten“ waren da mit dem Winter vertreten und einem schönen Solo für Violin-Magier Tamás Füzesi. Dann gab es Pedro Elìas Gutiérrez’ (inoffizielle!) Venezuela-Hymne „Alma Llanera“ und dann noch einmal Piazzolla – mit den „Pajaros perdidos“, einer anrührenden, poetischen Nummer für schmales Orchesterarrangement und Solistin.

Das Ende wie in jedem Jahr mit Augenzwinkern und einem Schuss Selbstironie – GMD Handschuh lieferte im Medley aus bekannt-beliebten Melodien den Dirigenten, dem das Orchester durchgeht und spielt, was es will. Und I Chiao Shih lieferte den Musical-Knaller „Defying Gravity“, eine Nummer mit Pathos und einem Schuss Kitsch, dazu als (unnötige) Filmeinspielung ein Flug über das reanimierte historische Ulm. Ein Neujahrskonzert, das wieder nahezu allen Geschmäckern etwas zu bieten wusste und sich satten Applauses sicher sein durfte.

Das Neujahrskonzert im Großen Haus wird noch neunmal gespielt – Karten gibt es aber nur noch für 22. und 31. Januar sowie für die letzte Vorstellung am 11. Februar. Erhältlich sind die Tickets an der Theaterkasse, Telefon 0731/1614444, im Service-Center Neue Mitte oder online unter theater.ulm.de.

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