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Promille-Brille

11.10.2010

Praxistest: So fährt sichs betrunken

"Fahren im Rausch" - Aktion vom ADAC und der Städt. Berufsschule Neu-Ulm, hier testet Patrick Weißer aus Weißenhorn die Rauschbrille
Bild: Roland Furthmair

Mit der Promille-Brille auf Tour: Berufsschüler haben auf dem Verkehrsübungsplatz getestet, wie es sich anfühlt, betrunken mit dem Auto zu fahren. Das Ergebnis war kurios. Von Kathrin Kratzer

So also fährt es sich mit 1,1 Promille Alkohol im Blut: Schon den Schaltknüppel im Auto zu finden gerät zur Herausforderung. Nur schemenhaft lässt sich das Fahrzeuginnere des Golf noch erkennen. Ganz zu schweigen, was vor der Windschutzscheibe passiert. Denn was das Auge sonst messerscharf abbildet, verschwimmt jetzt komplett in einem Meer an wirren Eindrücken. Die Welt verdoppelt sich: Ob die Fahrbahn oder das Verkehrsschild in der Ferne - alles taucht mindestens zweimal im Sichtfeld auf.

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Ohne Rausch, dafür mit der Promille-Brille

Seit gestern wissen Schüler der Staatlichen Berufsschule in Neu-Ulm, was es heißt, betrunken mit dem Auto zu fahren. Im Rahmen ihrer Projektwoche zum Thema "Alkohol am Steuer" ließ sich die Verkehrswacht Neu-Ulm in Zusammenarbeit mit der Polizei, der Fahrschule Albrecht und dem öffentlichen Gesundheitsdienst etwas ganz Besonderes für die Berufsschüler einfallen. Zwar ohne einen richtigen Rausch, dafür mit einer sogenannten Promille-Brille auf der Nase durften sich die Jugendlichen mit Fahrlehrer Andreas Karg ans Steuer setzen und ein paar Runden auf dem Verkehrsübungsplatz in Ludwigsfeld drehen.

Praxistest: So fährt sichs betrunken

Immer wieder bricht dem Lenker das Fahrzeug aus

Und die rund 1,1 Promille Alkohol im Blut, die mit der zu Demonstrationszwecken präparierten Brille simuliert wurden, ließen so manchen der Schüler sichtbar an seine fahrerischen Grenzen stoßen. 1,1 Promille entsprechen bei einem 75 Kilogramm schweren Mann in etwa eineinhalb Liter Bier. Die Werte schwanken aber je nach körperlicher Verfassung. Bei der Fahrt mit dem Promille-Nasenfahrrad jedenfalls entwickelte sich der Übungsplatz schnell zu einem anspruchsvollen Hindernisparcours.

Schlängelt sich die abgesperrte Übungsstrecke eher gemütlich durch die Landschaft, verwandelt die Brille sie vor dem ungeübten Auge in eine wilde Achterbahn. Es geht hinauf und urplötzlich wieder hinab, es geht zur Seite und wie aus dem Nichts wieder geradeaus. Nur schwer bleibt der Wagen in der Spur. Immer wieder bricht dem Lenker das Fahrzeug zur Seite aus. Der Straßenrand und die Verkehrsschilder verabschieden sich schon nach wenigen Metern aus dem getrübten Blickfeld.

Wer unfallfrei über die kurze Strecke kommen will, der braucht eine Menge Geduld. Nur langsam geht es vorwärts. Die Brille kennt kein Erbarmen. Nicht wenige Schüler landen im Grünstreifen neben der Spur.

Dass es derart schwer werden würde, unter Alkoholeinfluss das Auto noch unter Kontrolle zu halten, darüber kann auch Michael Hufnagel nur staunen. Wie seine Mitschüler hat sich auch der 20-Jährige mit der Promille-Brille ans Steuer getraut und aufs Gaspedal gedrückt.

Der völlig verschwommene Tunnelblick hat Eindruck auf den angehenden Auto-Mechatroniker gemacht. "Es ist auf jeden Fall besser, nichts zu trinken, wenn man noch fahren will", muss er zugeben. Die Achterbahnfahrt mit der Promille-Brille wird er so schnell nicht vergessen. Von Kathrin Kratzer

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