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Ulm

16.12.2016

„Projekt Genesis“: Teva investiert Millionen in Biotechanlage

So sieht Biotechnologie derzeit in Ulm aus: Das Aufreinigen von Proteinen zur Herstellung von Biopharmazeutika.
Bild: Teva

Ratiopharm-Mutterkonzern Teva investiert am Standort Ulm mehrere hundert Millionen Euro. Im Donautal rollen bereits die Bagger und erste Jobs entstehen.

Ein Jahr nach Bekanntwerden einer der größten regionalen Investitionen der jüngeren Geschichte, werden die Pläne für die neue Biotechanlage des Ratiopharm-Mutterkonzerns Teva konkreter: Ein Laborgebäude und eine Produktionsanlage sind die Herzstücke des Teva-intern „Genesis“ getauften Projekts.

Das Gelände für den bis auf 32 Meter in die Höhe ragenden Gebäudekomplex auf einer 4600 Quadratmeter großen Grundfläche ist bereits frei geräumt, die alte Warenumschlagshalle wurde abgerissen. Derzeit arbeiten nach Angaben von Pressesprecher Markus Braun bereits 40 Menschen an der konkreten Umsetzung. Bis Ende 2017 kommenden Jahres sollen es bereits 80 sein. Seit November ist das Team in ein temporäres Bürogebäude umgezogen, das speziell für die Laufzeit des Genesis-Projekts errichtet wurde.

Zwei Jahre Bauzeit für Biotech Produktionsanlage

Mit zwei Jahren Bauzeit rechnen die beiden Projektleiter von Genesis, Jürgen Wieland und Alexander Derksen. Für das Jahr 2020 visiert der Konzern den Marktstart erster Produkte aus der neuen Biotech Produktionsanlage an. Fertig gestellt wird die Anlage vermutlich etwa ein Jahr vorher, doch bis die aufwendigen Apparate reibungslos laufen und von diversen Zulassungsstellen ihre Papiere haben, vergehe viel Zeit.

„Projekt Genesis“: Teva investiert Millionen in Biotechanlage

Insgesamt investiert Teva einen „höheren dreistelligen Millionenbetrag“. Das heißt: Vermutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro. Teva tätigt damit in Ulm die bisher größte Einzelinvestition weltweit in einen Standort. Bis die Anlage einmal voll in Betrieb ist rechnet Teva wie berichtet mit der Schaffung von 300 neuen Stellen. Aktiv sucht Teva im Internet bereits Biotechnologen, Bioverfahrensstechniker, Biochemiker, Naturwissenschaftler und Ingenieure.

So soll die neue biotechnologische Produktion am Ulmer Standort einmal aussehen. Zwei Gebäude sind geplant.
Bild: Teva

Ulm: Standort mit Know-how

Dass der Weltkonzern sich entschieden hat, den Neubau der Produktionsanlage nach Ulm zu vergeben, verdankt der Standort vor allem dem bereits vorhandenen Know-how auf dem Gebiet biotechnologischen Produktionstechnik.

Im Donautal befindet sich eine Biotechanlage, aus der in den vergangenen sieben Jahren bereits vier biotechnologisch hergestellte Arzneimittel zur Marktreife gebracht wurden. Mit der neuen Anlage, die einen Quantensprung gegenüber der bisherigen darstelle, wird der Ulmer Standort innerhalb der globalen Teva zu der Biotech-Drehscheibe.

Mit riesigen „Bioreaktoren“ können zukünftig mehrere 100 Kilo Wirkstoff in kurzer Zeit hergestellt werden. Verkürzt heißt das: Statt nachgeahmten Medikamenten (Biosimilars und Biobetters) der ersten Generation können - weit aufwendiger – spezielle (monoklonale) Antikörper im großen Maßstab hergestellt werden. Der Einsatz dieser Antikörper in der Therapie von akuten Infektionskrankheiten, für die noch keine wirksamen Antibiotika existieren (Malaria etwa), könnte die Behandlungsmöglichkeiten zahlreicher Krankheiten revolutionieren.

Weltweit verteilter Produktionsprozess

Ulm ist längst wichtiger Teil eines weltweit verteilten Produktionsprozesses: Forschung und Entwicklung für biotechnologische Produkte sind derzeit in den USA und Israel lokalisiert. Proteine aus Mikroorganismen werden an den Produktionsstandort in Litauen hergestellt, Proteine und Antikörper aus Zellkulturen in Ulm.

Der Standort im Donautal wird nach Fertigstellung der neuen Anlage an Bedeutung gewinnen: Ulm wird zur Drehscheibe sämtlicher Biotech-Aktivitäten, weil Ulm sich laut einer Mitteilung von Teva bei einer sehr detaillierten Standortanalyse, die in sechs Ländern durchgeführt wurde, als Sieger erwies.

Drei Gründe sprachen demnach für Ulm: Das vorhandene biotechnologische Know-how, die Vorteile durch vorhandenen Werksinfrastruktur sowie die Lage Ulms in der Mitte Süddeutschlands. Denn hier habe sich in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Investitionen ein Schwerpunkt zur Herstellung von Wirkstoffen aus mikrobiellen und tierischen Zellkulturen entwickelt.

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