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Ulm

10.04.2020

Prozess um Mordversuch: Familienvater gesteht Bluttat

Vor dem Landgericht Ulm hat der Prozess um einen versuchten Mord in einer Gemeinde im Alb-Donau-Kreis begonnen. Ein Familienvater soll versucht haben, seine Frau und seine beiden Söhne zu töten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein 49-jähriger Mann steht wegen versuchten Mordes vor dem Ulmer Landgericht. Er hatte seine Frau und seine beiden Söhne mit einem Messer attackiert und schwer verletzt.

Die Tat hat den ganzen Ort erschüttert. Und die Einwohner rätselten, wie das in einer zumindest nach außen intakten Familie mit zwei Söhnen im Alter von 17 und 20 Jahren und ihrer 46-jährigen Mutter geschehen konnte, die um ein Haar ihr Leben verloren hätten. Seit Donnerstag steht der Familienvater, 49, vor dem Ulmer Schwurgericht und muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Laut Anklage wollte der Mann seiner Frau die Kehle durchschneiden

Laut Anklage wollte er seiner Frau, die sich von ihrem Ehemann trennte und mit ihren beiden Söhnen das Haus im Alb-Donau-Kreis verließ, mit einem Küchenmesser die Kehle durchschneiden, was auch gelungen wäre, wenn sich nicht seine Kinder schwer verletzt dazwischen geworfen und die Tat verhindert hätten.

Aufgrund der Abstandsregelung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gab es nur eine begrenzte Zahl von Sitzplätzen für die Besucher im Schwurgerichtssaal des Ulmer Landgerichts, damit die drei Meter Abstand zwischen ihnen gesichert waren. Ebenso hielt auch das Schwurgericht Distanz untereinander, um eine Ansteckung zu verhindern. Punkt 8.30 Uhr begann das Verfahren, für das nur drei Tage lang Verhandlungen angesetzt sind. Am Montag, 27. April, wird mit dem Urteil gerechnet.

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Nach monatelangem Schweigen gesteht der Familienvater die Tat

Die kurze Prozessdauer ist durch den Angeklagten selbst möglich geworden, der gleich zu Beginn der Beweisaufnahme am Donnerstag nach der Verlesung der Anklageschrift nach monatelangem Schweigen in einer vom Verteidiger vorgetragenen Erklärung zu den Vorwürfen der Staatsanwältin Stellung bezog und die Tat und ihren Ablauf bestätigte. Mündlich entschuldigte sich der Angeklagte bei seiner Ehefrau, die ihm quasi als Nebenklägerin im weiten Schwurgerichtssaal gegenüber sitzt. „Es tut mir alles leid“, sagte er mit dem Blick auf sie gewendet. Auch die Ehefrau wandte sich nicht ab.

Sie hatte bei dem Überraschungsangriff ihres Mannes insgesamt zehn Stich- und Schnittwunden im Thoraxbereich und an beiden Händen und Knien sowie eine tiefe Stichwunde am linken Oberschenkel erlitten. Bevor er sich auf die Mutter stürzte, hatte der Angeklagte, wie die Staatsanwältin den Verlauf der Bluttat am Donnerstag schilderte, seine beiden Söhne mit dem scharfen Küchenmesser attackiert. Der ältere Sohn erlitt einen Stich in den Unterbauch, der jüngere wurde in der Leistengegend schwer verletzt.

Die Söhne stürzten sich schwer verletzt auf ihren Vater und entrangen ihm das Messer

Es hätte der Tod der dreien gewesen sein können, wenn die Angegriffenen nicht richtig reagiert hätten. Der Mutter gelang es, vor den Messerattacken auf die Kehle die Arme vor das Gesicht zu halten. Und die Söhne schafften es trotz ihrer schweren Stichverletzungen, sich auf den Täter zu stürzen und ihm im Gerangel das Messer nach heftigem Kampf abzunehmen und ihn am Boden zu fixieren, bis die alarmierte Polizei binnen Minuten eintraf und den Täter festnahm. Der Rettungsdienst brachte die Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser, wo sie stationär aufgenommen werden mussten.

Vorausgegangen war der Tat eine Aussprache in dem Ort im Alb-Donau-Kreis im Dezember 2019, um die der Angeklagte gebeten hatte. Das Thema: Die Trennung der Frau, die ihren Mann mit den beiden Söhnen verlassen hatte.

Nach der gescheiterten Aussprache wollte der verlassene Ehemann gezielt seine Frau umbringen, so die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Bei den Attacken auf seine Söhne, die ihn ja auch verlassen hatten, wurde der Tod der beiden laut der Anklagevertreterin billigend vom Angeklagten in Kauf genommen. Das Schwurgericht wird jetzt trotz des Geständnisses die Hintergründe etwa des Weggangs der Familie aufzudecken haben. Wie der Verteidiger des Angeklagten gegenüber unserer Redaktion sagte, gibt es eine lange Vorgeschichte dazu. Der nächste Verhandlungstag ist am Mittwoch, 22. April, mit zahlreichen geladenen Zeugen.

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