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Ulm

23.12.2015

Rigna Folk: Der neue Mut zur Klarheit

Vier Musiker mit Freude am großen Entwurf: Rigna Folk – von links Vlad Müller, Viktor Nordir, Chriss Fakler und Jens Schalle – haben ihr zweites Studioalbum „Nova Void“ veröffentlicht.
Bild: Rigna Folk

Die Ulmer Art-Rocker haben ihr zweites Album veröffentlicht – und sind darauf zugänglicher als zuvor. Ein Nebenprojekt des Sängers schielt gar in Richtung Pop.

Einfach nur eine Platte aufnehmen – das ist für die Ulmer Band Rigna Folk nicht genug. In schönster Prog-Rock-Tradition ist ihr kürzlich erschienenes zweites Studiowerk „Nova Void“, übersetzt in etwa „Neue Leere“, ein Konzeptalbum: Es geht um einen einen sterbenden Planeten, dessen Gesellschaft sich angesichts des nahenden Untergangs spaltet. Ein ambitioniertes Projekt, ein Spalter ist das in zwei Kapitel aufgeteilte „Nova Void“ aber nicht geworden: sondern eine Rockplatte mit eingängigen Songs, denen die Balance zwischen Pathos und Sensibilität gelingt.

Den Hang zur Bedeutungsvollen, zum Überlebensgroßen pflegen Rigna Folk, die Pink Floyd, Muse oder Sigur Rós als Vorbilder nennen, schon länger: So nahm das Quartett im Herbst 2014 im Podium des Theaters Ulm ein Live-Album und dazu noch einen Konzertfilm auf: mit Videos, die von den Bandmitgliedern selbst gestaltet wurden. Erschienen ist dieser unter dem Namen „Théâtre Noir“. Zwei der Songs dieser Produktion haben es auch auf „Nova Void“ geschafft. Doch woher kommt diese Lust am Konzeptionellen? Für Sänger Viktor Nordir ist der thematische Rahmen auch eine Motivation: Die Rahmengeschichte – bei Rigna Folk geht es um das Leben der Menschen in einer von Dauerregen begossenen Parallelwelt – helfe ihm, Ideen für neue Songs zu finden. Entscheidend sei aber, dass jedes Stück auch für sich funktioniere.

Letztere Erkenntnis ist für Rigna Folk 2015 besonders wichtig. Denn ihre Songs sind kompakter, konzentrierter, klarer geworden, das ausufernd Progressive hat die Band sich selbst ein wenig ausgetrieben. Der 28-jährige Nordir ist da durchaus selbstkritisch: „Für neue Hörer waren manche unserer Songs zu komplex.“ „Nova Void“ hat diese Fokussierung nicht geschadet, den Live-Auftritten der Gruppe auch nicht: Durch die kürzeren Stücke sei es nun einfacher, einen Spannungsbogen aufzubauen, sagt Nordir. „Das macht mehr Spaß.“ Ausprobiert haben es die Vier bereits bei einer Release-Tour, die sie unter anderem nach Belgien und in die Niederlande führte. Der Kontakt mit einem anderen Publikum und anderen Künstlern sei eine wertvolle Erfahrung gewesen, so Nordir. Nächstes Jahr geht es unter anderem für mehrere Konzerte nach Tschechien.

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In Richtung Osten blicken Rigna Folk auf „Nova Void“ aber auch in anderer Hinsicht: Mit „Kosmonavt“ ist auch ein Stück auf der Platte, bei dem Nordir auf Russisch singt, seiner Muttersprache – er kam erst als Kind nach Deutschland. Ein anderes Gefühl, wie er zugibt, und wie es auch den des Russischen nicht mächtigen Bandkollegen auffiel. „Sie meinten, es klingt echter, authentischer“, sagt Nordir.

Während sich Rigna Folk auf ihrem neuen Tonträger auf ihre Stärken besinnen, hat Frontmann Nordir ein musikalischen Nebenprojekt gestartet: Century Letters, ein Duo mit Melanie Kamper, früher Sängerin der mittlerweile aufgelösten Novaspheere, das live durch Drummer Christian Ludwig zum Trio wird. Musikalisch orientiert sich dieses eher an Dream-Pop-Bands wie Beach House oder The xx, allerdings mit einer Extraportion Emotion. Bei Century Letters, so Nordir, probiere er Ideen aus, die bei Rigna Folk nicht funktionieren: eher einfache, zugängliche Popsongs mit persönlichen Texten. Der Start verlief vielversprechend: Beim „Deutschen Pop & Rock Preis“ bewarb sich die Band, wurde zum Final-Festival im nordrhein-westfälischen Siegen eingeladen – und belegte prompt den dritten Platz. Mit diesem Aufmerksamkeits-Bonus im Rücken sollen nun auch Century Letters weitere Auftritte und ein Album bekommen. Drei Stücke seien bereits aufgenommen, so Nordir. Und das dank bewährter Unterstützung: An den Reglern stand Jens Schalle, Gitarrist von Rigna Folk.

„Nova Void“ ist auf CD und digital erschienen – erhältlich ist es unter anderem online unter rignafolk.de.

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