Newsticker

Mecklenburg-Vorpommern erwägt Abschaffung der Maskenpflicht
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Schmerzfrei im Männerhort

Comedy

18.03.2013

Schmerzfrei im Männerhort

Atze Schröder zieht im CCU gewohnt derb vom Leder, gibt sich aber auch nachdenklich

Ulm Man befindet sich mitten im Männerhort, soviel ist klar. Im CCU werden vor dem Start von Atze Schröders aktuellem Programm „Schmerzfrei“ noch die Biere gekippt. Jeans und Labber-T-shirts, wo sonst meist Anzüge und Kleider getragen werden, die Lautstärke der Musik bis kurz vor dem Trommelfellriss. Atze Schröder spricht eine männliche Welt an, er zeigt, wie der Mann tickt. Ob’s die Männer merken, wie die Stammtischwelt karikiert wird?

Das Schöne am Männerabend ist, dass sich alle einer Meinung sind – so lange, bis einer das Gegenteil sagt. Aber dann sind sich gleich wieder alle einer Meinung, der neuen Meinung halt dann. Und das Schönste am Männerabend? Dass das Niveau drei Meter unter der Grasnarbe liegt. Sagt Atze Schröder. Der Mann, das Wesen, das ein Lob braucht, wenn er es schafft, einen Schalter von „an“ nach „aus“ umzustellen. Auch bei ihm, dem Mann mit der „Dran-Flatrate“, sind die verbalerotischen Geschichten bisweilen so, dass eine Tiefgarage locker Platz darüber hätte. Was die Parallele zwischen Helmut Schmidt und dem neuen Papst Franziskus ist? Dass weißer Rauch aufsteigt. Ein bisschen Kalauer ist das schon, aber immerhin nichts aus den Schubladen „Président de la Défloration“ oder „Satanas erotica“, in denen Atze Schröder sich gern bewegt. Ob das Ziel – die FSK-Freigabe erst ab 18 – so erreicht werden kann?

Dabei kann Atze Schröder doch auch ganz anders. Seine Geschichten aus der Welt der Kindergärten und Kinderspielplätze sind so realistisch beobachtet und hintergründig geschildert, dass man auch auf dem Heimweg noch darüber nachdenken und lachen kann. Jason und Shania beim Kindergarten-Singen auf dem Weihnachtsmarkt, Finja und Mirko, die von ihren Müttern am Waldorfkindergarten im Van abgeholt werden, weil sie doch bessere Menschen werden sollen, der übergewichtige kleine Cedrick auf dem Spielplatz, den seine nach Hause drängende Mami keinen feuchten Spielplatzsand schert – das ist ziemlich gute Realsatire.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Modenamen haben es ihm angetan

Die Modenamen, mit denen er gleichzeitig Schichtenzugehörigkeiten andeutet, haben es Atze Schröder angetan. Politkabarett gibt es eher weniger, und wenn, dann so: Griechenland und die EU – das ist die Retourkutsche dafür, dass man 40 Jahre lang dachte, der Ouzo nach dem Essen im griechischen Lokal sei umsonst.

Ganz am Ende aber, in der Geschichte von Hilde aus dem Altersheim, wird Atze Schröder sogar philosophisch.

Atze hat Hilde ins Herz geschlossen, und der Tod soll sie nur über seine Leiche holen. Plötzlich geht es um die Endlichkeit des Lebens, auch um die eigene. Plötzlich wird die Kunstfigur menschlicher, echter, wenn Atze Schröder dem Publikum mit nach Hause gibt, dass das Leben zu kurz ist für ein langes Gesicht, und dass es darum geht, dieses Leben voll auszuschöpfen.

Und ob das ihn selbst so beeindruckende Münster-Foto, das Schröder am Nachmittag in der sonnigen Stadt gemacht haben will, heute wirklich schon auf seiner Homepage erscheinen wird, kann jeder nachsehen.

Bei uns im Internet

Mehr Bilder von Atze Schröder unter

www.nuz.de/bilder

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren