1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Seniorchef bricht beim Prozessauftakt in Tränen aus

Inhofer-Prozess

27.07.2015

Seniorchef bricht beim Prozessauftakt in Tränen aus

Auftakt im Inhofer-Prozess: Das Foto zeigt die Angeklagten August (links), Karl und Edgar Inhofer (4. und 5. von links) mit ihren Anwälten vor Prozessbeginn.
Bild: Bernhard Weizenegger

Das Sendener Möbelhaus Inhofer soll Sozialabgaben und Steuern in Höhe von insgesamt 3,65 Millionen Euro hinterzogen haben. Zum Prozessauftakt gab es Tränen.

Emotionaler Auftakt des Strafprozesses gegen die Chefetage des Sendener Möbelunternehmens Inhofer: Nachdem der Staatsanwalt die Anklage über Sozialabgabenbetrug und Steuerhinterziehung vorgetragen hat, will Seniorchef August Inhofer eine persönliche Erklärung abgeben. „Am 18. März 1936 wurde ich geboren…“ hebt er an. Doch weiter kommt der Firmengründer nicht. Seine Stimme versagt, Tränen schießen ihm in die Augen. Mit brüchiger Stimme macht der 79-Jährige weiter. Er versucht zu erzählen, wie er aus einem Schreinerei-Betrieb mit zwei Mitarbeitern in Witzighausen eines der größten Möbelhäuser Deutschlands aufgebaut hat. Immer wieder fängt er an zu weinen: als er vom Tod seines Vaters in französischer Gefangenschaft berichtet, von seiner Hochzeit und vom Tod seiner geliebten Frau Rita Maria nach langer Krankheit.

Aber August Inhofer fängt sich immer wieder und bringt die Erklärung zu Ende. Er schließt mit den Worten: „Wir sind stolz, es als Familienunternehmen zu einem der größten Arbeitgeber der Region gebracht zu haben.“ In der Erklärung seines Verteidigers Prof. Eckhart Müller gibt Inhofer zwar an, er sei in Personalangelegenheiten nicht involviert gewesen. Er stellt sich aber den Vorwürfen: Ihm sei bewusst, dass er als Seniorchef verantwortlich sei. Der Firma wird vorgeworfen, 49 Personen als Scheinselbstständige beschäftigt zu haben. 47 davon waren Verkäufer, zwei Aufmaßnehmer.

Inhofer-Prozess: Alle Angeklagten sind völlig unbescholten

Nach diesem Muster verläuft der ganze erste Verhandlungstag. Erst tragen die Angeklagten persönliche Worte zu ihrem Werdegang vor, dann gibt ihr Verteidiger eine rechtliche Stellungnahme ab. Als zweiter ist Edgar Inhofer, 50, an der Reihe. Er ist neben seinem Onkel August Geschäftsführer des Möbelhauses und gilt der Staatsanwaltschaft als Hauptverantwortlicher, weil er das operative Geschäft führt. Dann folgt sein Vater Karl, 81, lange Zeit das Personalwesen geleitet hat. Er übergab ab 2008 sukzessive an Peter Schorr, 42, den Schwiegersohn von August Inhofer.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Allen Erklärungen ist eines gemein. Die Familie Inhofer legt größten Wert darauf, dass ihre Firma kein Sozialdumping betrieben hat. Die freien Beschäftigten hätten sogar mehr verdient als die festen Mitarbeiter. Außerdem sei es der ausdrückliche Wunsch der Mitarbeiter gewesen, als Selbstständige für Inhofer zu arbeiten. Und auf noch etwas legen die Inhofers größten Wert: Sie haben das alles nicht mit Absicht getan. Höchstens zu Fehlern und Irrtümern sei es gekommen. Alle vier Angeklagten sind bisher völlig unbescholten. So lässt Edgar Inhofer über seinen Verteidiger Walter Rubach erklären: „Ein etwaiges Verschulden meinerseits ist nicht das Plündern der Sozialkassen, sondern die Kompliziertheit der Sozialgesetzgebung nicht verstanden zu haben.“

Der Prozess vor der 10. Strafkammer des Landgerichts Augsburg ist bislang auf acht Tage angesetzt. Am Mittwoch geht es weiter mit den ersten Zeugenvernehmungen. Geladen sind Verkäufer, die als Selbstständige für Inhofer gearbeitet haben.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Kinderbuchausst.%2018.tif
Roggenburg

Lesespaß für große und kleine Kinder

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen