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Engagement

22.02.2018

Stadtbäuerinnen mit Herz für die Heimat

Stadtbäuerinnen von Neu-Ulm trafen sich im Pfuhler Heimatmuseum zum Erfahrungsaustausch.
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Stadtbäuerinnen von Neu-Ulm trafen sich im Pfuhler Heimatmuseum zum Erfahrungsaustausch.
Bild: Inge Pflüger

Neu-Ulmer Landfrauen berichten über ihre Erfahrungen. Viele Betriebe haben mit Problemen zu kämpfen

Einst waren sie die Landfrauen in den Ortschaften rundherum, und nach der Eingemeindung zur Stadt Neu-Ulm in den 70er-Jahren nannten sie sich Stadtbäuerinnen. Dieser Name hat sich bis heute gehalten. Und auch ihre Aufgaben sind vielfältig geblieben – sie helfen nach wie vor mit, das kulturelle Leben in den jeweiligen Stadtteilen zu gestalten, und engagieren sich ehrenamtlich für die Landwirtschaft. Diesen Einsatz erwähnte lobend Oberbürgermeister Gerold Noerenberg bei einem Treffen mit den Bäuerinnen.

Das Stadtoberhaupt hatte eingeladen und um die 60 Frauen kamen im Pfuhler Heimatmuseum zusammen. Dort gab es Kultur, Kaffee und Kuchen sowie nicht ganz leichte politische Kost – es ging um den Nuxit – samt ausführlicher Diskussion. Die Frauen waren voll des Lobes für das Heimatmuseum und seine Sonderausstellung. Vorgeschlagen hatte den Treffpunkt der Pfuhler Ortsverband mit Ortsbäuerin Irmi Miller an der Spitze.

In der Stadt Neu-Ulm gibt es neun Ortsverbände mit jeweils einer Ortsbäuerin als „Chefin“. Eine enge Zusammenarbeit ist den Landfrauen wichtig und wird auch erfolgreich praktiziert. Dies bestätigte Christiane Ade, die seit 2008 Ortsbäuerin des Ortsverbandes Neu-Ulm-Süd-West mit Gerlenhofen, Ludwigsfeld und Schwaighofen ist. Daneben ist sie seit 2012 Kreisbäuerin und seit 2017 Bezirksbäuerin in Schwaben. Sie lebt mit ihrer Familie (Mann und drei Kindern) in Gerlenhofen, bewirtschaftet dort einen Milchviehbetrieb mit Ackerbau und Direktvermarktung. Ade weiß deshalb um den harten Existenzkampf in der Landwirtschaft. Im Gespräch mit unserer Zeitung betont sie, wie wichtig die Arbeit der Stadtbäuerinnen und Landfrauen nach wie vor ist. Sie stehen für Kontakte, für die Erhaltung der Natur, das Wohl der Tiere, den Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen und politisch Verantwortlichen, ebenso für soziales Engagement. Hinzu kommen die Pflege des Brauchtums und des kulturellen sowie gesellschaftlichen Lebens, die Weiterbildung, das Gesundheitswesen, Familie, Küche und vieles andere mehr.

Christiane Ade beklagt, dass im Stadtgebiet die landwirtschaftlichen Flächen immer weniger werden. Und so appelliert sie immer wieder an die Politik, möglichst wenig zusätzliche Flächen zu versiegeln. Es gibt aber noch weitere große Probleme. Oft fehlten die entsprechenden Hofnachfolger, deshalb sollten auch enge gegenseitige Kontakte mit der Jugend gepflegt werden. Von zwei anderen Landfrauen, die anonym bleiben möchten, erfahren wir: Ein Standbein reicht in der kleineren oder mittleren Landwirtschaft heutzutage nicht mehr aus. Oft werde in den Betrieben deshalb der Mann durch einen Nebenjob zum Nebenerwerbslandwirt. In anderen Fällen müssen das einstige Bauernhaus und die Scheune nach dem Abriss neuen Mietwohnungen weichen und die Felder werden teils als Bauplatz verkauft oder verpachtet. Denn trotz harter Arbeit ist kaum noch etwas verdient. Ausufernde Bürokratie macht außerdem vielen Landwirten das Leben schwer.

Die Entwicklung verdeutlichen die Zahlen, die der ehemalige Landwirt Siegfried Miller, Obmann des Ortsbauernverbandes und Vorsitzender der Zuchtgenossenschaft Pfuhl, nennt. Demnach waren in dem Stadtteil bei Gründung der Zuchtgenossenschaft im Jahr 1925 noch 120 Landwirte registriert, 1941 waren es 116 und 1951 noch 105. Aktuell gibt es nur noch einen Vollerwerbslandwirt neben den mehr als zehn Nebenerwerbslandwirten. Der bundesweite Trend schlägt sich auch in der Region Neu-Ulm nieder.

Trotz aller Sorgen und Nöte zeigt sich im Gespräch mit den Bäuerinnen: Die Landfrauen von heute haben nach wie vor große Freude an der Scholle und der damit verbundenen Arbeit.

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