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Satire

14.12.2015

Über die Schmerzgrenze

Anarchische Raffinesse mit Andreas Rebers im Kornhaus

„Rebers muss man mögen“ ist der Titel des aktuellen Satireprogramms von Andreas Rebers. Der Titel ist Programm: Entweder liebt man ihn oder man hasst ihn. Er passt nicht in die Landschaft der austauschbaren Comedians und Witzeerzähler. Ätzend und manchmal bis an die Grenze des Unerträglichen kratzt Rebers an den Wunden der Gegenwart: Ein ausgezehrt wirkender, lang gewachsener Mensch, der eine solide Fanbasis hat und auch dank seiner Musikalität seine Programme zu etwas Unverwechselbarem macht.

Im Kornhaus Ulm betritt Rebers die Bühne mit einer „Helfer“-Weste in Neongelb. „Ich will helfen“, sagt er, lächelt böse – und feuert die ersten Salven gegen Pegida und Zuwanderungsobergrenzendebattierer ab. Er ist „Empörungsdienstleister“ und malt sich aus, was geschehen würde, setzte man die seichten Politikerreden in die Tat um. „Den Flüchtling bei der Hand nehmen“ – wie von einer SPD-Funktionärin dahingesagt – malt Rebers als zwischen bitterer Situationskomik und tieftrauriger Alltagsposse aus. Rebers, den kein heißes Eisen schreckt und fröhlich das Lied „Leck mich, Herr Dschihadist, ich habe meine eigenen Rituale“ dröhnt, sieht das ganze Problem „Menschheit“ von der Wurzel her. Schon Adam und Eva kamen aus einem „bildungsfernen Haushalt, und gelernt hatten die auch nichts“. Evas Veggie-Wahn führt zum Rausschmiß aus dem Paradies. Von da an geht es steil bergab. Dass am Ende Christus und nicht ein Murmeltier am Kreuz endete – ein menschlicher Irrtum.

Rebers als „Blockwart Gottes“ sitzt mal am Synthesizer oder bedient die Quetschkommode um seine Sottisen zu untermalen: „Der Islamist, das ist ein armer Wicht / Die gute Laune kennt er nicht / Hat keine schöne Volksmusik / Und führt dann gern Guerilla-Krieg (...)“

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Wenn der Wahlmünchner Rebers darüber nachdenkt, was in der Merkelrepublik falsch läuft, kann einem schwindlig werden. Die ewigdeutsche Frage „Darf man das?“ stellt sich ihm nicht, hinter der Schmerzgrenze lauert die Einsicht, und die will der Kabarettist in den Köpfen erreichen. Rebers stört, rüttelt auf, provoziert – und tut mit chirurgischer Präzision weh.

Am Ende des fast dreistündigen Programms dann noch dieser Satz: „Wisst ihr, was mir Angst macht? Dass mir das alles einfällt. Wisst ihr, was mir noch mehr Angst macht? Das euch das so gefällt.“ Ja, Rebers muss man mögen. (flx)

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