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Senden

15.05.2020

Unbekannte töten Eisvögel in Senden

Der gleiche Vogel liegt am Donnerstag tot auf dem Boden.
Bild: Werner Sauter

Plus Mutwillig verschließt jemand die Brutröhren der Eisvogelnester am Freudenegger Baggersee in Senden. Das Männchen und vier Junge sterben.

Seit er in Rente ist und mehr Zeit hat, geht Werner Sauter aus Senden oft seinem liebsten Hobby nach, der Naturfotografie. „Ich fotografiere sehr gerne Vögel, meine Spezialität ist es, sie im Flug zu erwischen“, sagt Sauter. Regelmäßig ist er mit seiner Kamera in der Region unterwegs, unter anderem auch im Gebiet der Freudenegger Baggerseen. Vor etwa zwei Jahren hat er dort eine besondere Stelle entdeckt: Eine Bruthöhle eines Eisvogelpärchens.

Der Eisvogel in Freudenegg am 9. Mai, mit einem Fisch im Schnabel.
Bild: Werner Sauter

Jeweils zwei Steine steckten in den Brutröhren

Als er am Donnerstag zu dieser Stelle ging, war er schockiert. Er entdeckte, dass in beiden Brutröhren des Eisvogelpärchens Steine steckten, genau genommen zwei Stück in jeder Öffnung. „Mir war sofort klar, dass die jemand mutwillig da reingesteckt hat“, sagt Sauter. Als er die Steine entfernte, sah er den toten Altvogel, den er schon so oft fotografiert hatte. Das wunderschöne Männchen beobachtete er regelmäßig. „Ich habe immer wieder geschaut, ob es eine Brut gibt“, berichtet der Hobbyfotograf.

Mit Tarnkleidung ausgerüstet, baute er sich sogar ab und zu ein Zelt dort auf und dokumentierte die diesjährige Nistzeit von Beginn an. Zwei Brutlöcher entdeckte er, in einem war ein Nest. „Man baut mit der Zeit eine Beziehung zu den Vögeln auf“, sagt Sauter. In den Tagen vor dem Vorfall habe er immer wieder gesehen, wie Männchen und Weibchen mit kleinen Fischen die Höhle anflogen. „Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie Junge fütterten“, berichtet Sauter.

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Vier Jungvögel wurden einen Tag später ebenfalls tot gefunden

Er hatte zwar keinen Beweis dafür, aber war sich sicher, dass die jungen Eisvögel auch tot seien. Am Freitag bekam er dann die traurige Bestätigung: Vier Jungvögel lagen tot auf der Erde. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass das Eisvogel-Weibchen die Brut ausgeräumt habe und sie deswegen auf dem Boden lagen. „Wer macht so etwas?“, fragt sich nicht nur der Hobbyfotograf, der Anzeige gegen den unbekannten Vogeltöter erstattet hat, sondern auch Franz Zeller, der Vorsitzende der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Neu-Ulm. „Ich kann mir nicht vorstellen, wer etwas gegen Eisvögel haben könnte“, sagt Zeller erschüttert. „Mit ihrem blauschillerndem Gefieder gehören sie zu unseren schönsten Vogelarten und viele Leute, die an der Iller spazieren gehen, erzählen begeistert davon, wenn sie einen Eisvogel sehen.“

Laut LBV ist die Tat ein schwerer Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Die Kreisgruppe hat eine Belohnung von 300 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ermittlung der verantwortlichen Person(en) führen.

Naturschutzkriminalität nimmt weiter zu

Nach dem Abschuss der Möwen in Neu-Ulm sei das jetzt schon der zweite Fall von Grausamkeit gegen Wildvögel innerhalb kürzester Zeit. Zu Jahresbeginn hat der LBV in Kooperation mit der Gregor Louisoder Umweltstiftung die Initiative „Tatort Natur“ gestartet. Ziel des Projektes ist es, das Bewusstsein von Bevölkerung und Behörden für das Problem der Naturschutzkriminalität zu schärfen und illegale Wildtiertötungen zu dokumentieren.

Auf der Internetseite www.tatort-natur.de können solche Fälle eingetragen werden.

Die Polizei Senden ermittelt und sucht Zeugen zu dem Vorfall.
Hinweise werden unter Telefon 07307/910000 entgegengenommen.

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