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Wettbewerb

01.12.2017

Unterhaltung mit Hirn

Wissenschaft anschaulich – darum geht es beim Science Slam. Egal ob Medizin, Physik oder mittelalterliche Literatur. Im Bild: Neurobiologin Kiara Aiello bei ihrem Auftritt im Roxy.
Bild: Udo Eberl/Roxy

Am Samstag findet die deutsche Science-Slam-Meisterschaft in Ulm statt. Das CCU ist seit Monaten ausverkauft. Warum das Format ein Renner ist – und doch Probleme hat

Als ob Referate halten nicht schon schlimm genug wäre. Aber bei denen sitzen einem wenigstens nur ein paar andere gelangweilte Studenten gegenüber. Um bei einem Science Slam zu bestehen, muss man schon ein bisschen mehr zeigen: Schließlich geht es bei dem Format darum, ein großes, meistens zahlendes Publikum zu informieren und gleichzeitig zu unterhalten. Im Roxy ist der Wettstreit der klugen Köpfe regelmäßig ein Renner. Morgen, Samstag, findet nun erstmals die Deutsche Science-Slam-Meisterschaft in der Münsterstadt statt – und die 1500 Tickets sind schon seit Monaten ausverkauft. Wegen des erwarteten Interesses hatten die Roxy-Organisatoren für die Veranstaltung das Congress Centrum als Spielstätte ausgewählt.

Der Erfolg hat Roxy-Chefin Laurence Nagel nicht überrascht: Durch die Erfahrung der vergangenen Jahre weiß man im Ulmer Kulturzentrum, wie gut das Format an der Donau ankommt: Die rund 500 Plätze beim Science Slam im Roxy sind praktisch immer voll belegt, damit gehört die Ulmer Ausgabe zu den größten der Bundesrepublik – was für eine kleinere Großstadt bemerkenswert ist. Woran es liegt? Vielleicht an der allgemeinen Slam-Begeisterung des örtlichen Publikums, das auch zu Poetry Slam und Song Slam in Scharen strömt. Vielleicht daran, dass die Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm mit ihrer medizinisch naturwissenschaftlich orientierten Universität und ihren zwei Hochschulen ein Herz für Wissenschaft hat. Roxy-Chefin Nagel sieht noch einen anderen Grund. „In anderen Städten finden die Science Slams meistens an den Hochschulen statt. Dort ist das Zielpublikum nicht so breit.“ Im Roxy hingegen, so schätzt Nagel, kommen 40 Prozent der Besucher nicht aus dem akademischen Milieu. Beim deutschen Finale im CCU dürfte es ähnlich sein. Wobei dort im Publikum auch die Köpfe der deutschen Science-Slam-Szene, die „Slam-Master“, sein werden. Die treffen sich am Wochenende auch zu einer kurzen Tagung in Ulm.

Die Regeln beim Science Slam sind einfach: Jeder Teilnehmer hat zehn Minuten Zeit, sein Thema anschaulich und unterhaltsam zu präsentieren, auch mit Hilfsmitteln wie Power Point. Dann entscheidet das Publikum, welcher Kandidat den besten Auftritt hingelegt hat. Im Ulmer Roxy fand der erste Science Slam im Jahr 2011 statt. Die Idee ist aber älter. Der erste Wettbewerb dieser Art wurde bereits 2006 in Darmstadt veranstaltet. Der Durchbruch gelang dem Format aber erst mit dem Science Slam in Hamburg 2009. Seit 2010 gibt es jährlich deutsche Meisterschaften. Deren Teilnehmer werden bei vier Regional-Wettbewerben bestimmt. Die zwei besten Slammer jedes Vorentscheids qualifizieren sich für das Finale.

In Ulm erwartet die Zuhörer ein ziemlich abwechslungsreiches Themenbündel: Es gibt unter anderem Wissenswertes über das (angeblich bizarre) Sexualleben der Windenglasflügelzikade, über Rührreibschweißen in der Küche, über die sogenannte „Heilsspiegel-Handschrift A“ aus dem 15. Jahrhundert und zum Thema „Alles im Lot mit’m Kot – Wie man mit Kacke heilen kann“. Wer sich bei letzterem Titel an einen Sachbuch-Bestseller erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch: Der Millionenerfolg „Darm mit Charme“ von Giulia Enders entstand aus einem Science-Slam-Vortrag. Ein Beweis dafür, dass man mit dem richtigen Talent auch mit sperrigen Themen faszinieren kann.

Trotz der derzeitigen Popularität kämpfen die Science-Slam-Veranstalter mit einem Problem: Das Reservoir an wissenschaftlichen Rampensäuen ist begrenzt. Auch im Roxy gab es schon Slams mit nur fünf statt sechs Teilnehmern – und auch eine Absage wegen fehlender Anmeldungen. Die Konsequenz: Nach früher fünf und zuletzt vier Science Slams im Jahr wird es ab 2018 in Ulm nur noch drei geben. Aber vielleicht inspiriert ja das Deutschland-Finale ein paar Wissenschaftler, den Weg ins Rampenlicht zu wagen.

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