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Uniklinik Ulm

16.07.2010

Wo Todkranke noch ein bisschen mehr vom Leben finden

Hilfe für Kranke
Bild: dpa

Seit genau einem Jahr gibt es in der Uniklinik Ulm eine Station, die unheilbar kranken Menschen und den Angehörigen Angst, Schmerzen und Übelkeit nehmen will. Von Oliver Helmstädter

Ulm Das Motto der "Palliativstation" steht gleich am Eingang auf einem Schild: "Nicht dem Leben mehr Tage hinzufügen, sondern den Tagen mehr Leben geben." Wer eines der acht Betten in dem abgeschirmten Bereich des vierten Stocks im Zentrum für Innere Medizin an der Uniklinik bezieht, wurde längst mit der Wahrheit konfrontiert: Der Tod steht unausweichlich und ziemlich bald bevor.

Seit einem Jahr gibt es diese Einrichtung jetzt, in der Ärzte tagtäglich an ihre Grenzen stoßen. Die Station hat zwar alles, was ein Krankenhaus ausmacht, doch viele Bilder an den Wänden, gedeckte Farben und Holz statt Weiß machen klar, dass es hier um etwas anderes geht, als in anderen Geschossen. Die Medizin ist zwar hier mit ihrem Latein am Ende, doch helfen kann sie trotzdem.

Nicht heilen, aber helfen

Wo Todkranke noch ein bisschen mehr vom Leben finden

Die Palliativstation ist keine Einrichtung der Sterbebegleitung wie ein Hospiz. Medizin findet durchaus Anwendung im Team um Professor Dr. Harmut Döhner und Dr. Regine Mayer-Steinacker. "Klar ist, wir können die Patienten nicht heilen", sagt die Oberärztin. Doch geholfen werden kann ihnen trotzdem. Denn mit dem Fortschreiten einer unheilbaren Krebserkrankung treten körperliche Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit auf. "Wir wollen den Menschen für ihren letzten Abschnitt bis zum Tod noch etwas Lebensqualität geben."

Das Ziel der Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten ist es, eine Entlassung nach Hause zu ermöglichen. Denn dort wollen die meisten Menschen sterben. Bei 48 Prozent der insgesamt 164 Patienten, die im vergangenen Jahr behandelt wurden, sei dies gelungen. 30 Prozent starben in ihrem Krankenhausbett, 13 Prozent in der Hospiz. Vier Prozent wurden auf eine andere Station verlegt.

Angst nehmen

Dass die verbleibende Zeit "kein Warten auf den Tod, sondern eine Phase des Lebens" ist, möchte Regine Mayer-Steinacker den im Durchschnitt nur 59 Jahre alten Patienten vermitteln. Oft gelinge das, nachdem Angehörige und Patient die Unheilbarkeit der Krankheit akzeptiert hätten. Nachdem durch starke Medikamente Schmerz und Übelkeit ausgeschaltet sind, entdecken sogar einige Patienten Malerei und Musik als Ausdrucksform ihres seelischen Schmerzes. Oder der Freude, noch am Leben zu sein. Lebenslust im Angesicht des Todes. "Es wird mitunter auch herzhaft gelacht auf der Station", sagt Gudrun Stadelhofer, die Leiterin des Pflegediensts, die Dank einer Spende von Prof. Dr. Hermann Heimpel, dem ehemaligen Ärztlichen Direktor der Klinik für Innere Medizin III, nun auch einen kleinen Wintergarten als Rückzugsraum für Patienten und Angehörige bieten kann. Allerdings seien auch die Beschäftigten einer ganz besonderen Belastung ausgesetzt.

In regelmäßigen Gesprächsrunden reden die Mitarbeiter über ihre Sorgen, um so möglicher psychischer Überlastung frühzeitig auf die Schliche zu kommen.

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