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Ulm: Verein stellt Pläne vor: Hebammen eröffnen nächstes Jahr ein Geburtshaus

Ulm

Verein stellt Pläne vor: Hebammen eröffnen nächstes Jahr ein Geburtshaus

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    Sie wollen nächstes Jahr in einem Geburtshaus in Ulm starten: die Gründungshebammen (von links) Anna Heinrich, Sabine Ndukwu, Paula Hornung, Yvonne Wagner-Brüchner, Kerstin Katzenmayer und Ines Paschke.
    Sie wollen nächstes Jahr in einem Geburtshaus in Ulm starten: die Gründungshebammen (von links) Anna Heinrich, Sabine Ndukwu, Paula Hornung, Yvonne Wagner-Brüchner, Kerstin Katzenmayer und Ines Paschke. Foto: Dagmar Hub

    Geburtsstationen kleinerer Krankenhäuser schließen ringsum. Das verunsichert Paare, die ein Kind erwarten, und verursacht längere Wege zur Geburt, ist die Erfahrung der Hebamme Anna Heinrich. Die Schließung der Geburtsstation im Blaubeurer Alb-Donau-Klinikum gab dann den Anstoß: Sechs Hebammen – zwei in Elternzeit, andere in den ersten Jahren ihrer Berufstätigkeit oder nach langer fest angestellter oder freiberuflicher Tätigkeit – wollen im kommenden Jahr in Ulm ein außerklinisches Geburtshaus eröffnen.

    Der Standort für das neue Geburtshaus in Ulm befindet sich in der Oststadt

    Wo es genau stehen wird, verrät Anna Heinrich noch nicht. So viel nur: Die ursprünglich diskutierten Pläne, das Geburtshaus im alten Söflinger Bahnhof einzurichten, sind vom Tisch. Ein Mietvertrag für eine Immobilie in der Ulmer Oststadt, nur wenige Minuten vom Universitätsklinikum Ulm entfernt, soll in Kürze unterschrieben werden. Begleitet von einem Architekten sind die Pläne bereits weit gediehen: Im oberen Stockwerk der Immobilie sollen ein Praxisbetrieb entstehen und ein großer Raum für Kurse. Im Erdgeschoss soll es zwei Geburtsräume geben, ausgestattet mit allem, was sich Frauen für eine selbstbestimmte ambulante Geburt wünschen – inklusive Gebärwanne. 

    Auch mittelfristig haben die sechs Hebammen Pläne: Sie würden gern Bereiche an das Geburtshaus anbinden, die im weiteren Sinn mit den Themen Familienplanung und Geburt zu tun haben, um Schwangeren und werdenden Familien mit einem interdisziplinären Team im Rahmen eines Gesundheitszentrums vom Kinderwunsch bis in das erste Jahr nach der Geburt ein umfassendes Angebot machen zu können. Im Mittelpunkt soll die 1:1-Betreuung während der Geburt stehen, zur Geburt selbst soll möglichst noch eine zweite Hebamme hinzukommen. 

    Infrage kommen in der Einrichtung nur Geburten mit geringem Risiko

    Klar sind die Regeln: Wenn sich bei der werdenden Mutter oder beim Baby eine Situation andeutet, die eine ärztliche Versorgung verlangt, wird die Schwangere in eine Klinik gebracht. Für Geburtshäuser kommen nur Geburten mit geringem Risiko infrage. Zwei Geburten parallel werden aber das Maximum sein, was im zukünftigen Geburtshaus möglich ist. 

    Zunächst aber geht es für Anna Heinrich, Paula Hornung, Kerstin Katzenmayer, Sabine Ndukwu, Ines Paschke und Yvonne Wagner-Brüchner um ganz konkrete Gegenwart: Weil es Schwangeren aufgrund der Schließung mehrerer Geburtsstationen im weiteren Umkreis von Ulm nicht gehen soll wie dem biblischen Paar Maria und Josef, die vor der Frage standen, wer sie aufnimmt, als das Kind geboren werden sollte, wird zügig geplant: Bereits zwischen April und Juni sollen die ersten Anmeldungen für die Betreuung Schwangerer angenommen werden können, hofft das Team. Bis zur ersten Geburt im neuen Geburtshaus wird es dann noch ein paar Wochen dauern. 

    Der Förderverein, gegründet vor einem Jahr und unter Vorsitz von Tatjana Mangold-Görlich stehend, hat inzwischen 65 Mitglieder und – seit September – eine Website. Die Vereinsbeiträge, so Schatzmeister Theo Hornung, wurden bislang im Wesentlichen gespart. „Der große Ruck wird das Inventar des Geburtshauses werden“, sagt er. Die Stadt Ulm begrüßt die Pläne, so Stadträtin Eva-Maria Glathe-Braun (Die Linke/SPD-Fraktion). Ein solches Geburtshaus sei genau das, was Ulm brauche. 

    In Ulm gibt es weitere Anlaufstellen für Schwangere

    Im Sommer 2023 startete in der Ulmer Heimstraße die Hebamme Annkathrin Rinke bereits das Geburtshaus „Vulvarium“, und auch an der Ulmer Uniklinik wird am 29. November ein „Hebammenkreißsaal“ eröffnet, wo gebärende Frauen ausschließlich von Hebammen betreut werden. Auch das Konzept des Hebammenkreißsaals in der Klinik basiert auf einer 1:1-Betreuung der werdenden Mutter durch eine Hebamme, aber innerhalb des klinischen Settings. 

    Die interventionsarme Betreuung während der Geburt im Hebammenkreißsaal könne man aber nur gesunden Frauen mit unauffälligen Schwangerschaften ermöglichen, so Susanne Lehr, Bereichsleiterin der Geburtshilfe an der Ulmer Uniklinik. Ausschlusskriterien seien zum Beispiel ein vorangegangener Kaiserschnitt oder ein Schwangerschaftsdiabetes. Anmelden für eine Geburt im Hebammenkreißsaal können sich Schwangere mit einem Geburtstermin ab 1. Dezember 2023 aber schon jetzt. 

    Es besteht eine enge Kooperation mit dem Universitätsklinikum Ulm

    Susanne Lehr erklärt die enge Kooperation mit Medizinern der Uniklinik aus den Bereichen Frauenheilkunde, Anästhesie und Kinderheilkunde: Sollte die Gebärende doch stärkere Schmerzmittel benötigen, oder sollten unerwartet Komplikationen auftreten, kann bei der Geburt im Hebammenkreißsaal ohne größeren Zeitverlust ein ärztliches Team herangezogen werden. Das Konzept Hebammenkreißsaal möchte Geburten Raum und Zeit für einen natürlichen und individuellen Verlauf geben und Gebärende in ihrer Selbstbestimmung während des Geburtsverlaufs stärken und begleiten.

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