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02.01.2009

Die Absturz-Katastrophe von Straß

Straß Grausam und unbarmherzig schlug vor 45 Jahren das Schicksal zu und dokumentierte für den Ort Straß den 30. Oktober 1963 zum Katastrophentag des Jahrhunderts. Ein Flugzeugabsturz, bei dem zwei Frauen und zwei Kinder ums Leben kamen sowie elf weitere Personen schwer und leicht verletzt wurden, wurde zur traurigen Bilanz. "Es war wie ein Blitz aus heiterem Himmel", schrieb damals die Neuburger Rundschau.

Rückblende: Am späten Mittwochnachmittag liegt eine geschlossene Hochnebeldecke in etwa 150 Meter Höhe und erlaubt nur eine mäßige Sicht. Da kommt urplötzlich ein führungsloser Düsenjäger der Bundeswehr vom Typ "F 86" mit Donnergetöse im pfeifenden Tiefstflug daher geschossen. Das Flugzeug jagt knapp über die Dächer des Dorfes und bohrt sich wie eine Rakete in das Bauernhaus von Franz Goebel.

Rund 15 Personen befanden sich zu dieser Zeit in der Wohnküche des Landwirts zur Brotzeit. Es waren Angehörige und Verwandte der Familie aus Straß, Moos, Wengen und Kunding, die die summende und brummende Dreschmaschine in der Scheune bedienten und sich nun nach der strapaziösen Arbeit stärken wollten.

Ein grelles Aufheulen, Pfeifen und unmittelbar darauf ein ungeheurer Schlag. Ein Krachen und Bersten der niederbrechenden Hauswände und eine kräftige Detonation, zugleich Angstschreie der Opfer, die unter den Trümmern in Sekundenschnelle begraben wurden.

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Genau in Fensterhöhe, ganz knapp unter der Küchendecke, durchraste der Düsenjäger den Raum und die breiten Tragflächen nahmen die Außenwände mit. Gleich darauf schlugen die Flammen hoch. Das Wrack des Düsenjägers lag im Umkreis von 50 Metern zerstreut. Weitere Flugzeugteile blieben an der Mauer des angrenzenden Austragshauses liegen und brannten aus.

Ganz plötzlich ist die Maschine beim Anflug auf den Heimatstützpunkt Neuburg-Zell manövrierunfähig geworden, gibt der Flugzeugführer später zu Protokoll. Er kehrte gerade von einem Übungsflug aus Italien und Frankreich zurück. In letzter Sekunde, erst etwa 300 Meter über den Boden, nutzte der Pilot seine letzte Chance, rettete sich mit dem Schleudersitz und landete in der Nähe des Burgheimer Kriegerdenkmals.

Zwar hatte Franz Goebel noch Glück und kam mit geringfügigen Verletzungen davon. Doch gleich drauf hielt er fassungslos seinen zweijährigen Sohn Franz-Xaver in den Armen. Die Schwester des Bauern, die 40-jährige Anna Genswürger, eine Mutter mit fünf Kindern aus Kunding und ihr neunjähriger Sohn Franz-Xaver wurden ebenfalls ein Opfer der Katastrophe. Auch die 30-jährige Nachbarin Anna Neff aus Straß erlag bald darauf ihren Verletzungen. Wie es der Zufall wollte, so durchfuhr gerade zu dieser Zeit ein Zug der Bereitschaftspolizei den Unglücksort. Der Katastrophenalarm wurde ausgelöst und schnell waren die Hilfskräfte wie Feuerwehr vom Flugplatz, aus Neuburg und von Straß, das Technisches Hilfswerk, das Rote Kreuz und die Bundeswehr am Einsatzort. Das ganze Dorf leistete vorbildliche Hilfe, wird in der Neuburger Rundschau bescheinigt.

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