1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Die Barockkonzerte der starken Frauen

Kultur

21.09.2019

Die Barockkonzerte der starken Frauen

Sopranistin Inga Kalna wurde in Lettland geboren. Sie ist eine der starken Frauen, die heuer bei den Neuburger Barockkonzerten vertreten sind.
Bild: Invictus

Starke Frauengestalten kommen vor allem bei Georg Friedrich Händel vor. Kein Wunder also, dass sie Sopranistin Inga Kalna besonders begeistern. Bevor sie bei den Neuburger Barockkonzerten auftritt, spricht sie mit der NR über die Musik

Starke Frauen sind zu erwarten bei den Neuburger Barockkonzerten. Eine von ihnen verrät im Interview, was das Publikum am 12. Oktober im Kongregationssaal erwartet. Die im lettischen Riga geborene Sopranistin Inga Kalna ist auf den Opernbühnen der Welt zu Hause, Berlin, Hamburg, Wien, London, Paris, Mailand und Moskau; nicht zuletzt ist sie regelmäßig bei den Salzburger Festspielen zu erleben.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Neuburg kennt sie bisher nicht, sie freut sich aber sehr auf ihr Konzert mit Opernarien von Georg Friedrich Händel. Dessen starke Frauengestalten faszinieren sie besonders: „Händel war einer der ersten, der Frauenrollen sehr stark hervorgehoben hat, so wie später in der romantischen Zeit Donizetti oder andere Belcanto-Komponisten. Die Hälfte seiner Opern ist mit Frauennamen betitelt. Die Protagonistinnen sind sehr eigensinnige und interessante Charaktere.“

Für besonders interessant hält Inga Kalna die Unterschiede zwischen den Händel’schen Figuren: „Zum Teil entsprechen sie dem Geist der Zeit, der die Tugendhaftigkeit der Frauen besonders hervorhebt, zum Beispiel bei Rodelinda, einer Königin, die in einer denkbar schwierigen Lebenslage durch Gottesfurcht, Güte und Treue glänzt. Sie trägt praktisch alle Tugenden in sich.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Das ist aber nur die eine Seite des Händel’schen Frauenbildes. In der Oper Alcina setzt er einen deutlichen Gegenpart: „Eine ganz andere Frau! Sie verfügt über Zauberkräfte. Wie Pipi Langstrumpf macht sie sich die Welt wie sie ihr gefällt. Wenn sie an einem Mann Gefallen findet und der nicht willig ist, ihr sein Herz zu geben, verzaubert sie ihn kurzerhand, sodass er ihr hörig wird. Wenn sie ihn dann satt hat und er ihr allmählich auf den Geist geht, verwandelt sie ihn einfach in einen Berg, einen Stein oder einen Baum.“ Dummerweise trifft Alcina auf einen Mann, der ihren Mächten standhält, was schließlich ihren Niedergang besiegelt.

Ob das noch in unsere Zeit passt, die Geschichte einer Frau, die wirklichkeitsbestimmend ist und schließlich doch dem männlichen Diktat unterliegt? „Gerade Alcina wird seit gut zwanzig Jahren besonders häufig gespielt. Sie ist sehr populär und modern. Ihr Charakter ist heutzutage wesentlich besser und intensiver nachvollziehbar, sie passt viel mehr in unsere Zeit als Rodelinda. Die galt in ihrer Zeit sicher als liebenswürdig und selbstverständlich; heutzutage wird sie wohl eher als fad und uninteressant angesehen. Rodelinda folgt nicht ihren eigenen Prinzipien, sondern den moralischen Vorschriften ihrer Zeit.“ Dagegen wirkt Alcina richtiggehend böse. Gerade das aber macht ihren Reiz aus, wie Inga Kalna meint: „Das Interesse am Bösen, am nicht Akzeptablen ist heute wesentlich ausgeprägter als am Tugendhaften.“

Auch musikalisch werden die Gegensätze aufgefächert. Die Sängerin schwärmt förmlich: „Die Musik, mit der Händel diese Frauen malt, ist einfach genial. Zwischen Gut und Böse gibt es ungemein viele Schattierungen, sodass gerade die musikalische Vielschichtigkeit die Charaktere sehr modern wirken lässt.“

Im Neuburger Konzert wird Inga Kalna selbstredend nicht allein auf der Bühne stehen. Die Zusammenarbeit mit der Geigerin Zefira Valova und dem Ensemble Il Pomo d’Oro hat sich schon über geraume Zeit bewährt, unter anderem in einem von der bekannten Krimiautorin Donna Leon begleiteten literarischen Händel-Programm. „Das sind wirklich tolle Musiker, voller Elan und Esprit, eines der besten derzeit aktiven Barockorchester.“

Inga Kalna verfügt als Sängerin über ein breites Repertoire, das bis in die zeitgenössische Musik der Gegenwart reicht. Obwohl vor einigen Jahren sogar eigens für sie eine Oper komponiert wurde, schlägt ihr Herz jedoch besonders für den Barock: „Wenn man mich fragen würde, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen möchte: Händel wäre auf jeden Fall dabei!“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren