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Neuburg

30.06.2017

Die Renaissance ist zurück in Neuburg

Die Rede ans Volk und der Steckenreitertanz ist der Schlussakt der Eröffnungszeremonie. Marktvogt Friedhelm Lahn (von links), Tina Lehmann sowie Hermine und Bernhard Gmehling stehen neben den Darstellern auf der Bühne im Zentrum des ersten Festtages.
Bild: Bastian Sünkel

Bange Blicke gen Himmel und eine Wettervorhersage, die einfach nicht eintreten wollte: Die Eröffnung des 24. Neuburger Schloßfestes fällt nicht ins Wasser. Ganz im Gegenteil.

10 Uhr: heiter. Mittags: sonnig. 14 Uhr: sonnig mit Schäfchenwolken. Dann wird es ernst. Je näher die Ankunft der Zillen am Donaukai rückt, desto mehr Blicke richten sich nach oben. Tauchen plötzlich doch die Grauschleier am Himmel auf, verhagelt das Wetter die große Eröffnungsfeier des 24. Neuburger Schloßfestes? Und das, nach jenen subtropischen Juni-Wochen in Bayern!

Die bangen Blicke gen Himmel haben sich letztlich als überflüssig erwiesen. Als die Zillen eintreffen und sich nach und nach Fanfaren und Spielleute, Wache und Landsknechte am Donaukai versammeln, herrscht Kaiserwetter über dem einstigen Fürstentum: 24 Grad und selbst die letzten Wolken haben sich über den Schlosstürmen in Luft aufgelöst. Das war so nicht vorherzusehen. Bis Mittwochabend meldete der Wetterdienst noch pünktlich zur Eröffnung: Regen.

Das Schloßfest steht also auch 2017 unter einem guten Stern. Und so kann das altbekannte Ritual zum 24. Mal an den Ufern der Donau seinen Lauf nehmen. Unter Böllerschüssen treiben die Zillen langsam zur Posttreppe. Der Empfang ist vorbereitet. Hunderte Menschen in Renaissance-Gewändern und Freizeitkleidern des 21. Jahrhunderts empfangen die Prinzen Ottheinrich in Rot (Fiona Ettenreich), Philipp in Blau (Hannah Leitenstern) und die schwedische Prinzessin Silvia (Anna Weidner) mit Blumekranz. Oberbürgermeister Bernhard Gmehling überreicht den Becher und zum ersten Mal erschallt der Ruf, der die Stadt für zwei Wochenenden in eine Renaissancebühne verwandelt: „Jungpfalz, vivat hoch!“

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass das Neuburger Schloßfest trotz verschärfter Eingangskontrollen und Rucksackverbot nichts an Reiz verloren hat. Ganz im Gegenteil: Hört man sich unter den Besucher wie Stadtrat Fritz Goschenhofer um, wagen sie die leise Vermutung, dass seit dem ersten Fest im Jahr 1976 noch nie mehr Besucher zur Eröffnung erschienen sind.

Zudem ist 2017 nicht irgendein Jahr, wie sich später im Schlosshof unmissverständlich herausstellt. Auch Neuburg feiert das Jubiläumsjahr der Reformation und dafür hat die Dirigentin des Madrigalchors, Gabriella Lay, Neuburger Chöre und Musiker zusammengetrommelt, um den Luther-Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“ einzustudieren. 1529 hat der Reformator diesen Choral geschrieben – mitten in der Renaissance.

Mit dem alten Zauber des Steckreitertanzes endet der Eröffnungstanz, die ewige Geschichte zweier Brüder, die sich erst um die Gunst der Prinzessin streiten und schließlich die Jungpfalz in ihre Blütezeit führten. Schließlich ist das ganze Schloßfest ein großes Spiel, heißt es auch in der Rede: „Anders als in Fürstentagen wollen jedem Zwange wir entsagen.“

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