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16.10.2019

Ein Ehrenplatz für Pettenkofers berühmtesten Schüler in Neuburg

Prof. Dr. Chisato Mori (links) und Landrat Peter von der Grün enthüllen ein Bildnis von Mori Ogai, das im Beruflichen Schulzentrum Max von Pettenkofer an den japanischen Schüler des berühmten Hygienikers erinnert.
Bild: Norbert Eibel

Eine Delegation aus Japan besuchte gestern Neuburg und den Landkreis und ehrte Mori Ogai. Was sich Landrat Peter von der Grün wünscht.

Völkerverständigung ist ein hehrer Begriff, doch wenn der kulturelle Austausch mit Leben erfüllt wird wie an der FOS/BOS und Wirtschaftsschule Neuburg, dann kommt etwas in Gang. Das wünschten sich Landrat Peter von der Grün und Schulleiter Fitz Füßl beim Empfang einer japanischen Delegation um Generalkonsul Tetsuya Kimura und Prof. Dr. Chisato Mori, die erstaunliche Parallelen zwischen Bayern und Japan ans Licht brachte.

Staatssekretär Roland Weigert, der zum Schlusswort direkt aus der Kabinettssitzung in München nach Neuburg geeilt war, lieferte die Erklärung: Bei einem Messebesuch in Nürnberg sei er mit Generalkonsul Kimura ins Gespräch gekommen und auf eine interessante Verbindung gestoßen: Max von Pettenkofer (1818–1901), erster Hygieniker Deutschlands und größter Sohn Lichtenheims und damit des Landkreises, hatte 1886/87 einen japanischen Schüler namens Mori Ogai. Zufällig begleitete Kimura bei dem Treffen der Urenkel dieses Mannes, Prof. Dr. Chisato Mori, Umweltmediziner und Direktor für Präventivmedizin an der Chiba-Universität. So war der Kontakt geknüpft und die Idee eines Besuches des Geburtsortes Max von Pettenkofers nahm Gestalt an. Am Dienstag war es soweit, Vormittag besuchte man das Donaumoos, nachmittags folgte ein Abstecher nach Neuburg.

Pettenkofers berühmtester Schüler war ein bemerkenswerter Mann

Mori Ogai (1862–1922), eigentlich Rintaro, war ein bemerkenswerter Mann. Er studierte Hygiene bei Pettenkofer in München. Die japanische Regierung hatte nach Ende der selbst auferlegten Abschottung vom Ausland (1603–1867) um 1870 beschlossen, junge Studenten vermehrt nach Deutschland zum Medizinstudium zu schicken. Mori Ogai war später Generaloberstabsarzt in der japanischen Armee – er führte die Typhusimpfung ein und veröffentliche zahlreiche Bücher, um den Nutzen der Hygiene in den japanischen Haushalten zu verbreiten – zugleich aber auch Dichter. Ogai (dt.: Möwenfern) ist sein Künstlername, unter dem er Novellen veröffentlichte. Berühmt ist in seiner Heimat vor allem die Erzählung „Die Tanzprinzessin“ (1890). Er beschreibt darin die scheiternde Liebesbeziehung eines Japaners in Berlin. Mori Ogai übersetzte aber auch Goethes Faust sowie Werke von Heine, Ibsen, Kleist, Lessing und Schiller ins Japanische.

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Der Urenkel von Pettenkofers berühmtestem Schüler hielt eine humorvolle Rede

Urenkel Chisato Mori brachte am Dienstag beim Festempfang in der Aula den geladenen Gästen die Vita seines Vorfahrens humorvoll näher. Das passte durchaus zum Wirken Mori Ogais, denn in seiner Münchener Zeit beschäftiget sich der literarisch interessierte Student auch mit Lokalkolorit und verband dies mit seinen Studien. Im Selbstversuch untersuchte er den Effekt von Bier auf den menschlichen Körper und fand heraus, dass Muskatnuss die negativen Auswirkungen von Alkoholgenuss lindern kann.

Weniger berauschend aber anregend sollen die bayerisch-japanischen Kontakte werden, die nun erstmals geknüpft wurden. „Wir haben vieles gemeinsam, Hightech und Brauchtum“, fand Peter von der Grün. Und möglicherweise ergebe sich als Erstes ein Schüleraustausch, regte der Landrat an.

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