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Ingolstadt

10.01.2015

Ein beinahe tödliches Blutbad

Am Landgericht Ingolstadt wird gegen einen 28-Jährigen verhandelt, der seiner Lebensgefährtin mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten hat. 
Bild: Falko Matte, Fotolia (Symbolbild)

Ein Mann hat seiner Lebensgefährtin die Kehle durchgeschnitten. Die Frau hat nur durch Glück überlebt. Der Täter litt an Wahnvorstellungen.

Es kommt selten vor, dass Staatsanwälte die Wünsche von Angeklagten erfüllen (können). In diesem Fall aber schaut es danach aus. Denn der Beschuldigte im gestern vor dem Schwurgericht begonnenen Prozess möchte dringend in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik behandelt werden. „Ich will in die Psychiatrie“, sagte er mehrfach zum Gericht.

Opfer Kehle durchgeschnitten

Es war am 10. Mai vergangenen Jahres, kurz nach 22 Uhr. Der Tag vor dem Muttertag. Die 37 Jahre alte Lebensgefährtin des Beschuldigten wollte gerade einen Kuchen für ihre Mama backen. Plötzlich packte der 28-Jährige sie ohne Vorwarnung von hinten im Würgegriff und schnitt der Frau mit einem Küchenmesser die Kehle durch.

Klinge verfehlte nur knapp die Halsschlagader

Die Klinge verfehlte nur um Haaresbreite die Halsschlagader, sonst wäre das Opfer in Minuten verblutet. Doch auch so war die Verletzung „grundsätzlich lebensgefährlich“, sagt Staatsanwalt Jürgen Staudt, der sicher ist, dass der Täter „den Tod der Geschädigten zumindest billigend in Kauf“ nahm. Das Opfer erlitt eine drei Zentimeter tiefe und neun Zentimeter lange Schnittverletzung an der Kehle. Und im Kampf weitere Stich- und Schnittverletzungen an einem Auge, an der Schulter und an einer Hand.

Heftig blutend und laut schreiend konnte sich die körperlich überlegene Frau zum Glück losreißen und flüchten, der Mann mit dem Messer in der Hand hinterher. Bis in das Treppenhaus der kleinen Wohnanlage. Dort standen bereits Nachbarn, die die Schreie gehört hatten. Als der Täter sie sah, wurde er plötzlich völlig ruhig, ließ das Messer fallen, sagte laut „Passt scho!“ und brach dann zusammen.

Täter litt an Wahnvorstellungen

Die Staatsanwaltschaft hat ein Gutachten, wonach der Mann damals unter heftigen Wahnvorstellungen litt, die Auslöser für die Tat gewesen seien. Hervorgerufen wurden sie vermutlich durch einen jahrelangen Drogenkonsum. Crystal, Cannabis, Ecstasy – „ich habe nichts ausgelassen, außer Heroin“, erzählte der Mann dem Gericht. Auch Alkohol hat er seit frühen Jugendjahren getrunken. Und gespielt hat er. Er zweigte insgesamt fast 18000 Euro vom Konto seiner Lebensgefährtin ab, um seine Spielsucht zu befriedigen. „Ich habe oft an einem einzigen Tag mein ganzes Gehalt verzockt“, erzählte er.

Der Mann stammt aus einer bürgerlichen Familie im Landkreis Pfaffenhofen. Er war 14, als sein Vater nach jahrelanger Krebserkrankung starb. Gleich im Jahr darauf verstarb auch der Onkel, die zweite starke männliche Bezugsperson in seinem Leben bis dahin. Dann ging es los: Lehre geschmissen, Alkohol und Drogen – Beschaffungskriminalität. Bald schon die ersten Vorstrafen. Manche führten auch ins Gefängnis.

Beim Prozessauftakt gestern hat er alles eingeräumt und das von Verteidiger Adam Ahmed angekündigte umfassende Geständnis abgelegt. Der Täter sagte, er habe seit Jahren immer wieder heftige Wahnvorstellungen gehabt. Insbesondere, wenn er Crystal und Cannabis in Kombination eingenommen habe. Wie damals, in den Stunden vor der Tat. Oft habe er auch Verfolgungswahn gehabt. Dann sah er dunkle Gestalten im Keller und installierte Überwachungskameras, weil er sich gejagt fühlte und dachte, dass er sofort umgebracht werde, wenn er aus der Wohnung geht. Er kapselte sich ab, ging kaum noch raus. Als die Lebensgefährtin – ebenfalls eine Drogenkonsumentin – am Vorabend des beinahe tödlichen Blutbades mit einem Bekannten ausgegangen war, habe er sich in den Gedanken verrannt, dass die beiden jetzt seine Mutter und seinen Bruder umgebracht hätten und nun auch ihm ans Leben wollten.

Wohnung war voller Blut

Die damals Schwerverletzte schilderte unter Tränen und völlig verzweifelt ihre Todesangst. Der Freund habe kein Wort gesagt, als er sich auf sie stürzte, völlig geistesabwesend sei er gewesen. Noch heute leide sie unter Alpträumen und brauche immer wieder ein paar freie Tage von der Arbeit, weil sie das alles so mitnehme. Die große Narbe am Hals wird sie zeitlebens an den Schrecken erinnern. Als damals die Polizei kam, war die ganze Wohnung voller Blut.

Der Beschuldigte wurde am Tag nach der Tat in den Hochsicherheitstrakt des Bezirkskrankenhauses München-Haar eingewiesen. Dort soll er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft dauerhaft bleiben und dort will der Mann auch bleiben, wie er mehrfach fast kläglich verlangte: „Allein schaffe ich es nicht, von den Drogen und dem Alkohol wegzukommen. Ich muss ganz dringend eine Therapie haben!“ Das Urteil fällt Mitte Februar.

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