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Wirtschaft

21.01.2020

Ein bisschen spürt der Arbeitsmarkt die Krise

Die Arbeitslosigkeit in der Region wird wahrscheinlich steigen. Doch es gibt noch immer genügend Jobangebote. Weiterbildungen sollen den Stellenabbau auffangen

Die Krise in der Automobilindustrie ist auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Zumindest ein bisschen. Johannes Kolb, Chef der Ingolstädter Agentur für Arbeit, sieht zwar einige schwarze Wolken aufziehen, aber er beruhigt auch: „Wir erwarten keine Katastrophe, aber eben auch keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit.“

So waren in Ingolstadt und den angrenzenden Landkreisen im vergangenen Jahr 5743 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind zwar 163 mehr als noch im Jahr davor, aber merklich weniger als vor zwei Jahren. Die Arbeitslosenquote ist 2018 und 2019 sogar gleich geblieben, sie liegt bei zwei Prozent. Dennoch: Die Agentur für Arbeit spürt die Veränderungen in der Region deutlich, schon allein durch ein höheres Arbeitspensum. Mehr Menschen als in den Vorjahren haben sich bei der Behörde gemeldet.

Vor allem Zeitarbeitsfirmen trennen sich von ihren Mitarbeitern, aber auch bei Zulieferern und in der Logistikbranche ist ein Abschwung spürbar. Zudem sind der Arbeitsagentur im ganzen Jahr zweieinhalbtausend offene Stellen weniger als noch in den Vorjahren gemeldet worden. Als „überraschend“ bezeichnet es Kolb bei der Präsentation der Statistik deshalb, dass sich die Krise vor allen Dingen der Automobilindustrie nicht in den Zahlen der Arbeitsagentur widerspiegelt. Als Grund dafür führt Kolb den robusten Arbeitsmarkt in der Region an, er sei noch immer „sehr aufnahmefähig“. Gerade im Handwerk, im Handel, in Bäckereien und Metzgereien und auch bei den medizinischen Berufen gebe es jede Menge offene Stellen, genauso wie bei Fernfahrern. Auch die Ausbildungsstellen seien längst nicht alle besetzt worden.

Doch wie wird sich das Jahr 2020 entwickeln? Werden mehr Stellen abgebaut werden und wie werden die Arbeitslosenzahlen in den kommenden Monaten ausschauen? „Es war noch nie so schwierig wie dieses Jahr, Prognosen zu treffen“, sagt Kolb. Versuchen will er es trotzdem. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird die Arbeitslosenquote in der Region 10 auf 2,3 Prozent ansteigen. Nach Donauwörth (2,1 Prozent) und Freising (2,2 Prozent) wäre Ingolstadt damit immer noch unter den Top 3 in Bayern. Rund 150 Menschen mehr wären demnach im kommenden Jahr arbeitslos gemeldet – wenn sich die Prognose bewahrheiten sollte. „Es wird extrem drauf ankommen, wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln werden“, sagt Kolb. Die Zahl der Anträge auf Kurzarbeit liegt momentan noch auf dem Niveau des Vorjahres.

Damit die Menschen, die von den Veränderungen in der Automobilbranche betroffen sein werden, auch künftig nicht ohne Job dastehen, investiert die Arbeitsagentur mehr denn je in die berufliche Weiterbildung. Knapp 7,7 Millionen Euro will sie dafür in den kommenden Jahren ausgeben, das ist eine Steigerung um 830.000 Euro. Viel davon soll in Bereiche fließen, in denen Mitarbeiter für die E-Mobilität qualifiziert werden. Aber nicht nur in diesem Bereich wird Geld ausgegeben. Es fließt auch in die Weiterbildung in der Pflege, denn dort gebe es auch einen Fachkräftemangel. Nicht so sehr in Ingolstadt selbst, dafür mehr in den ländlichen Gebieten in den Landkreisen.

Die Entwicklungen in der Wirtschaft seien ein schleichender Prozess, betont Kolb. Es habe nie einen Bruch gegeben und so hätten sich die Firmen und auch die Agentur für Arbeit auf die Situation einstellen können. Eine Selbstverständlichkeit sei es aber nicht, dass der Arbeitsmarkt die Entwicklungen ohne große Blessuren übersteht. „Es wäre fatal zu sagen: Es wird schon.“, sagt Kolb. (rilu)

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