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Neuburg an der Donau

02.06.2018

Er strotzte vor Kreativität und Tatkraft

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2 Bilder
Wunschmotiv: Mit seinen prächtigen Rosen im Garten wollte sich Fritz Seebauer abbilden lassen.
Bild: Manfred Rinke

Fritz Seebauer wird am Samstag 90 Jahre alt. Seine Verdienste für Neuburg sind enorm. Jetzt geht seine Schaffenskraft zu Ende und er verweist auf Hermann Hesse.

Er reicht ein Blatt herüber. Darauf ist Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ zu lesen. „Da steckt das ganze Leben drin“, sagt Fritz Seebauer. „Vom Anfang bis zu dem Zeitpunkt, wo du hinausgetragen wirst.“ Sein Leben in 22 Zeilen? Fritz Seebauer könnte Bücher füllen, um darin sein Schaffen festzuhalten. Seine Verdienste um sein geliebtes Neuburg wurden nicht zuletzt mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande und der Bürgermedaille der Stadt Neuburg gewürdigt. Am Samstag wird der alte Fritz, wie er sich selbst gerne nennt, 90 Jahre alt.

In vielen Bereichen ist Fritz Seebauer mittlerweile auf Hilfe angewiesen

„Meine Schaffenskraft geht zu Ende“, gesteht sich Seebauer ein. In vielen Bereichen sei er mittlerweile auf Hilfe angewiesen. „Das fängt schon am Morgen mit dem Einsetzen des Hörgerätes an“, sagt er. Ungemein froh ist er daher, dass er seit nun schon 34 Jahren seine Elfriede an seiner Seite hat, die er nach 25 Jahren, also quasi zur Silberhochzeit, auch geheiratet hat. Mit ihren Töchtern Claudia und Sandra und deren vier Kindern kümmert sie sich hingebungsvoll um ihren Mann. „Wie wichtig eine funktionierende Familie und eine Partnerschaft sind, zeigt sich vor allem im Alter“, weiß Fritz Seebauer die Hilfe auch sehr zu schätzen. Zumal er, so lange das möglich ist, in seinem Haus wohnen bleiben möchte. Auch seinen Geburtstag wollte er unbedingt dort und nicht im Stadttheater feiern, was seine Frau vorgeschlagen hatte. Seine Gäste, unter anderem Landrat und OB, wird er also heute bei sich daheim willkommen heißen.

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Eine seiner großen Leidenschaften war das Bergsteigen

In den Gesprächen wird sicherlich vieles von dem angesprochen, was Fritz Seebauer für Neuburg auf den Weg gebracht hat. Die Erinnerung daran macht einem erst einmal bewusst, welch kreativer, tatkräftiger Mensch der heute 90-Jährige über viele Jahrzehnte war. Seebauer, der im oberbayerischen Peißenberg geboren wurde und bereits mit sechs Monaten nach Neuburg kam, gründete schon 1950 den Kneippverein. Es folgten unter anderem die Skischule, der Verkehrsverein „Freunde der Stadt Neuburg“ und mit ihm die Mitbegründung des Schloßfestes, die Gründung der Stadtführer, des Töpfermarkts und der Weinbörse. Nach seiner aktiven Zeit als Stadt- und Kreisrat in der von ihm gegründeten parteifreien Vereinigung „Die Unabhängigen“ gründete er schließlich 2003 noch den Seniorenbeirat, der zum Vorzeigeprojekt in Bayern wurde. Bis ins hohe Alter ging Fritz Seebauer auch seiner großen Leidenschaft, dem Bergsteigen, nach. Ob Mont Blanc oder Matterhorn: „Mit meinem Freund Dr. Gerhard Prell bin ich zahlreiche schwere Touren gegangen“, erzählt er.

Dieses Auf und Ab passt zum Leben von Fritz Seebauer

Dieses Auf und Ab passt auch zum richtigen Leben von Fritz Seebauer. Der Installateurmeister, Spengler, Ölheizungs-Fachmann und Saunabauer durchlief vor allem beruflich immer wieder Höhen und Tiefen. „Ich bin mehrmals vor dem Nichts gestanden“, erzählt er. Aufgegeben allerdings hat er nie. Was am Ende wieder zu Hermann Hesses „Stufen“ zurückführt. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...“, steht dort geschrieben. Und dass das Herz bei jeder Lebensstufe bereit zum Abschied sein muss, um etwas Neues zu beginnen – „auch wenn es der letzte Weg ist, den man geht, und zwar ohne Trauer“, sagt Fritz Seebauer.

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