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Karlshuld

07.06.2018

Es war Liebe auf den zweiten Blick

Maria und Albert Lukas gaben sich vor 70 Jahren das Ja-Wort. Kennengelernt haben sich die beiden vor Kriegsbeginn, verliebt haben sie sich erst danach. Heute haben sie drei Töchter und eine liebevolle Beziehung.

Maria und Albert Lukas aus Karlshuld gaben sich vor 70 Jahren das Ja-Wort. Warum die Braut an ihrem Hochzeitstag kein weißes Kleid trug.

Der Krieg riss Maria und Albert auseinander. Nach dessen Ende 1945 haben sich die beiden wiedergefunden – und wenig später auch getraut, Ja zu sagen. 70 Jahre sind seitdem vergangen. Nun feiern die Eheleute Lukas aus Karlshuld die Gnadenhochzeit. Das ist ihre Geschichte.

Kennengelernt haben sich Maria und Albert Anfang der 40er Jahre. „Das waren noch ganz andere Zeiten“, sagt die inzwischen 90-Jährige und lacht. Sie sei damals gerade erst 16 Jahre alt gewesen. Und die Beziehung zu Albert? „Wir waren nur befreundet, sind nicht miteinander gegangen.“ Kurz darauf brach der Zweite Weltkrieg aus und der junge Albert zog an die Front. Dreieinhalb Jahre hat der Mann aus Karlshuld im Westen und Osten gekämpft, bis er schließlich ins Moos zurückkehrte. Dann, ganz zufällig, sind sich Maria und Albert bei einem Spaziergang in Hohenried, dem Heimatort Marias, über den Weg gelaufen. „Ich war mit einer Freundin zu Fuß unterwegs“, erzählt sie. Albert mit dem Fahrrad. Schließlich habe er sie öfter besucht, man sei zusammen ausgegangen, habe sich verliebt – eben auf den zweiten Blick.

Am 7. Juni 1948 vermählten sich Maria Lukas, geborene Geistbeck, und Albert Lukas vor dem Standesbeamten. Ein Tag darauf folgte die kirchliche Hochzeit in Karlshuld, allerdings nicht in Weiß. „Mein Brautkleid war schwarz, weil wir zu diesem Zeitpunkt schon unsere älteste Tochter hatten“, erklärt Maria. Elf Monate war das Kind alt. Ein schöner Tag sei es dennoch gewesen, sonnig und warm. Mit hundert Gästen hat das Paar an diesem Samstag gefeiert.

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Die Nachkriegszeit aber machte sich zumindest in der Bewirtung der Hochzeitsgesellschaft bemerkbar. „Man hatte wenig Geld.“ Und der Wirt kein Fleisch. Daraufhin habe Marias Vater eine Sau geschlachtet und ein Kalb gekauft. „Den Kuchen haben Geflüchtete gebacken, die bei meinem Mann gewohnt haben“, erzählt sie weiter. Das alles ist nun 70 Jahre her. Inzwischen ist Maria Lukas 90, ihr Mann Albert sogar 91. Die vielen Jahre merkt man den Eheleuten nicht an. Noch immer scherzen, flachsen und lachen sie miteinander. Körperlich hat das Alter aber vor allem bei Albert Spuren hinterlassen. Vor 13 Jahren musste sich der Karlshulder einer Herzoperation unterziehen. Mittlerweile ist er auf ein mobiles Sauerstoffgerät angewiesen. „Mei“, winkt er ab. „Das Herz macht halt nicht mehr so gut mit.“ Seine Frau ist physisch weiter fit. Der Garten mit dem vielen Salat, den Pfirsichbäumen, Kirschen und Rosen sei – ebenso wie die Hausarbeit – eines ihrer Hobbys. Auch Autofahren kann die rüstige Dame noch. „Nicht mehr weit. Nur zum Einkaufen und zurück.“

Das Jubiläum wollen die beiden vor allem mit ihrer Familie feiern. Doch haben die Eheleute sogar vom Bundespräsidenten eine Glückwunschkarte zugesandt bekommen. Neben anderen ist auch Karlshulds Bürgermeister Karl Seitle zum Gratulieren in das Zuhause am Unteren Kanal gekommen. In seinen 34 Jahren Amtszeit, sagt der Lokalpolitiker, sei ihm die Gnadenhochzeit nur zweimal untergekommen. So manches verändere sich in diesen 70 Jahren einer Ehe. „Vieles ist nicht mehr so, wie es 1950 war“, resümiert auch die einstige Braut. Armut, Hunger, Krieg: „Wir haben schlechte Zeiten gehabt.“ Doch seien diese nun überstanden.

Auf die Frage nach dem Liebesgeheimnis der beiden sagt Albert: „Ein jeder muss nachgeben können.“ In seinen Augen stehen Dinge wie Kompromissbereitschaft in der Partnerschaft heutzutage nicht mehr an erster Stelle. Er bedauert: „Man geht gleich auseinander.“

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