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Hohenried/Ingolstadt

15.01.2019

Ex-Ehepaar gerät auf einer Viehweide aneinander

Auf einer Viehweide in der Gemeinde Brunnen soll sich ein Ex-Ehepaar gebissen und geschlagen haben. Zu den Vorwürfen schwiegen allerdings vor Gericht beide.
Bild: Richard Lechner (Symbolbild)

Was hat sich tatsächlich vor zweieinhalb Jahren auf einer Weide bei Hohenried zugetragen? Das Landgericht Ingolstadt begibt sich auf Spurensuche.

Richter Konrad Riedel blickte dem Angeklagten tief in die Augen: „Wollen Sie ins Gefängnis?“ Die Reaktion des 62-Jährigen: nichts. Er blickte nur zurück. So ging es am Dienstag über lange Strecken der Verhandlung am Ingolstädter Landgericht, bei der Riedel eigentlich klären wollte, was genau sich im Juli 2016 auf einer Viehweide zwischen Kaltenherberg und Hohenried in der Gemeinde Brunnen ereignet hatte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein heute 62-Jähriger seine Ex-Frau beim Überholen absichtlich von der Straße gedrängt hat. Beide Autos haben einen Zaun durchbrochen und waren mitten auf einer Rinderweide gelandet, dort soll die Auseinandersetzung weitergegangen sein. Hat es sich tatsächlich so zugetragen, wie es die Staatsanwaltschaft glaubt, dann hat der Mann mit einer Wasserflasche auf das Auto seiner Ex-Frau eingeschlagen und dabei eine Scheibe zerbrochen. Er soll die Frau ins Ohr gebissen und versucht haben, sie an den Haaren aus ihrem Auto herauszuziehen. Als die Fahrerin die Flasche zu greifen bekam, soll sie auf den 62-Jährigen eingeschlagen und ihn schwer verletzt haben, der Mann kam auf die Intensivstation. Und danach gleich in Untersuchungshaft. Zunächst waren die Ermittler nämlich von einem versuchten Tötungsdelikt ausgegangen. Als der Vorwurf nicht mehr haltbar war, kam der Angeklagte nach zwei Monaten wieder frei.

Bei der Verhandlung am Amtsgericht Neuburg war der Mann im April 2017 zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt, sodass das Geschehen jetzt vor dem Landgericht Ingolstadt gelandet war.

Vor Gericht reden die Beteiligten über die Ereignisse auf der Viehweide nicht

Konrad Riedel versuchte fast flehentlich, den Angeklagten zum Reden zu bewegen, er wollte gar eine gemütliche „Wohnzimmeratmosphäre“ im Gerichtssaal schaffen. Der Angeklagte ließ sich davon nicht überzeugen. Er behielt seine dicke Winterjacke an und redete kaum. Wenn, dann schrieb er Antworten und Stellungnahmen auf ein Papier und reichte das an seinen Anwalt weiter. Über den ließ er auch mitteilen, „dass es so nicht stimmt, was man ihm vorwirft“. Er wolle, „dass die Wahrheit rauskommt.“ Eins wolle er dagegen auf keinen Fall: sich von einem Gutachter psychiatrisch untersuchen zu lassen. Den zuständigen Landgerichtsarzt hält er für befangen, weil dieser ihm angeblich, so lässt er es über seinen Anwalt mitteilen, damit gedroht habe, dass er schon dafür sorgen werde, dass er, der Angeklagte, „lebenslang in die Psychiatrie“ kommen werde. Doch der Arzt konnte bislang keine Anhaltspunkte erkennen, weshalb der Angeklagte tatsächlich dauerhaft untergebracht werden sollte. Weder konnte er bis jetzt eine psychische Erkrankung noch eine massive Persönlichkeitsstörung festmachen. Und da der Mann in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit der Tat auch nicht auffällig geworden war, hält er ihn nach einer derzeitigen Einschätzung auch nicht für allgemeingefährlich.

Wie das Verfahren weitergeht, ist noch nicht endgültig geklärt. Es könnte bereits Ende Januar vorbei sein. Aber nur dann, wenn der Angeklagte die Tat einräumt und nur eine mildere Strafe erreichen möchte. Falls er sich nicht darauf einlässt, dann stehen mindestens sechs weitere Verhandlungstage im März und April an, drei Gutachter werden zu hören sein und im Falle einer Verurteilung, das macht Konrad Riedel am Dienstag deutlich, muss der Angeklagte auch für die Kosten des Verfahrens aufkommen. Und die können locker in einem fünfstelligen Bereich liegen.

Ob dann, wenn es zu einem langen Prozess kommt, auch die Ex-Frau des Angeklagten aussagen wird, ist fraglich. Bislang jedenfalls hat sie sich zu dem Fall nicht geäußert. Und so schweigen die einzigen beiden, die selbst bei der Auseinandersetzung mit dabei waren.

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