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Neuburg

15.05.2019

Hat ein Pfleger Senioren im Heim bestohlen?

In Neuburg steht ein Krankenpfleger vor Gericht, weil er Senioren in Heimen bestohlen haben soll.
Bild: Picture Alliance, Angelika Warm

Plus Ein 37-jähriger Krankenpfleger muss sich derzeit wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten. Heimleiter erklären, wie sie ihre Bewohner schützen.

Wer älter wird, ist oft auf fremde Hilfe angewiesen. Manche werden von ihren Angehörigen gepflegt, aber viele ziehen auch ins Heim. Dort kümmern sich dann Pflegekräfte um die älteren Menschen, sind ihnen ganz nah, helfen ihnen beim Essen und bei der Körperhygiene. Doch was, wenn das Pflegepersonal dieses Vertrauensverhältnis ausnutzt? In Neuburg muss sich derzeit ein 37-jähriger Krankenpfleger vor dem Amtsgericht verantworten, weil er 2017 fünf Bewohner in zwei Altenheimen bestohlen haben soll. Schmuck und Bargeld im Wert von mehreren Hundert Euro soll er ihnen abgenommen haben. Hinzu kommt der Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

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Das Fahren ohne Fahrerlaubnis räumte der Angeklagte sofort ein, die Diebstähle stritt er jedoch ab. In dem einen Heim arbeitete der Mann als Pfleger, von Juni 2017 bis Februar 2018 – derselbe Zeitraum, in dem sich auch die Diebstähle ereignet haben. Wie ein Polizist im Zeugenstand aussagte, sei der Angeklagte der Einzige gewesen, der zu allen Tatzeiten im Dienst gewesen sei. Eine der Geschädigten soll der Mann zum Beispiel gewaschen, während dieser Zeit dann das Bad kurz verlassen und 70 Euro aus ihrem Wertfach genommen haben. Den Schlüssel für dieses Fach trug die Frau stets an einer Kette um den Hals, die sie nur zum Waschen oder Schlafen ablegte. Ein Mann, der im selben Heim lebt, vermisst eine Goldkrone. In dem anderen Heim arbeitete der 37-Jährige nicht. Er sei lediglich einmal für ein Vorstellungsgespräch vor Ort gewesen, so die Aussage des Angeklagten selbst. Dort soll er aber ebenfalls Geld und Schmuck aus Schließfächern oder Beistellschränkchen entwendet haben. Zeugenaussagen nach soll er auch hier den Eindruck erweckt haben, vom Fach zu sein. Eine Krankenschwester, die den Mann bei seinem „Besuch“ gesehen hatte, konnte ihn vor Gericht allerdings nicht mehr eindeutig identifizieren: Statur und Frisur passen. Aber ich kann nicht sicher sagen, dass er es gewesen ist.“´

Der Angeklagte machte seiner Freundin teure Geschenke

Die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten erzählte, dass dieser ihr auffällig oft und ungewöhnlich teure Geschenke gemacht habe: Schmuck, Blumen, Pralinen und Essen. Dabei habe dieser von seinem Gehalt auch noch Unterhalt zahlen müssen. Ein Geschäftsmann, der in Neuburg Altgold ankauft, berichtete, dass der 37-Jährige bei ihm innerhalb von fünf Monaten 14 Mal ein „buntes Sortiment“ aus Ringen, Ketten, Ohrringen und eventuell auch einer Goldkrone vorbeigebracht habe – insgesamt im Wert von mehreren Tausend Euro. Alle Teile seien inzwischen eingeschmolzen.

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Die Pflegedienstleiterin des Heims, in dem der Angeklagte angestellt war, sagte aus, dass zwischen Juni und Dezember 2017 nicht nur Bewohner, sondern auch Mitarbeiter bestohlen worden seien. Dabei ging es um Handys, Lebensmittel, Sonnenbrillen und Schuhe. Davor und danach habe es hingegen keine derartigen Vorfälle gegeben. Die Leiterin erzählte außerdem, dass die Angestellten über einen Generalschlüssel verfügten, mit dem sie Zutritt zu fast allen Räumen hätten.

Richter Christian Veh und seine beiden Schöffen kamen am Mittwoch noch zu keinem Urteil. Die Hauptverhandlung wurde unterbrochen und wird am 5. Juni fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden. Veh erließ einen Haftbefehl gegen den Angeklagten wegen Fluchtgefahr. Derzeit befindet sich der 37-Jährige noch in Strafhaft wegen einer anderen Sache. Am 25. Mai würde er freikommen, ab dann muss er in Untersuchungshaft.

Die Neuburger Seniorenheime geben Acht bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter

Um Diebstähle oder ähnliche Fälle zu vermeiden, sind die Neuburger Seniorenheime schon bei der Auswahl der Bewerber aufmerksam. Otto Eggersdorfer, Leiter des AWO-Heims, sagt: „Wir verlangen beim Bewerbungsverfahren ein polizeiliches Führungszeugnis.“ Zudem gebe es Austauschforen, auf denen zulässige Informationen weitergegeben werden, erklärt St.-Augustin-Heimleiter Klaus Müller und ergänzt: „Wenn ein solcher Fall vorkommt, melden wir ihn der Polizei. Denn in der Regel passiert das nicht nur einmal.“ Ein amtliches Führungszeugnis verlangt auch das BRK-Seniorenheim. „Manchmal hört man schon vorher etwas über einen Bewerber“, sagt Heimleiterin Astrid Schneider.

Um ihr Eigentum zu schützen, verfügen die Bewohner der Neuburger Heime über Schließfächer. Im aktuellen Fall nutzte das allerdings wenig. „Wir sagen den Angehörigen auch beim Einzug, dass kein Bargeld nötig ist. Die Bewohner haben ein Taschengeldkonto, von dem sie jederzeit etwas abheben können“, erklärt Schneider. Schwieriger gestaltet sich die Situation an den Eingängen. „Wir sind ein öffentliches Haus, die Bewohner sollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wir können nicht permanent alle Zugänge im Blick haben“, betont Müller. Natürlich berge das gewisse Problematiken, gibt er zu. Deshalb seien die Mitarbeiter besonders geschult: „Wenn jemand dubios aussieht oder sich suchend umschaut, sprechen die Mitarbeiter die Person aktiv an. Außerdem sind alle Pflegekräfte mit einem Telefon ausgestattet, um schnell Leitung oder Polizei anrufen zu können.“ Die beiden anderen Neuburger Seniorenheime handhaben dies ebenso. Nachts werden zudem die Haupteingänge verschlossen, Bewohner können dennoch die Einrichtung betreten oder verlassen. Ein kontrollierter Einlass – etwa mithilfe von Schranken – sei keine Option, erklärt Schneider: „Dann hätten wir schon wieder einen geschlossenen Charakter.“

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