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Tanklaster-Brand

17.07.2018

"Held von Schrobenhausen" muss 3200 Euro Strafe zahlen

Ein Tanklaster brannte im Juli 2017 bei Schrobenhausen komplett aus.
Bild: Bastian Sünkel (Archiv)

Ein Lkw-Fahrer lenkte 2017 seinen brennenden Tanklaster aus Schrobenhausen heraus. Jetzt ist er wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt worden.

Er wurde als Held gefeiert - nun sitzt er auf der Anklagebank. Dass der 50-Jährige, der einen brennenden Tanklaster aus bewohntem Gebiet bei Schrobenhausen in Oberbayern gesteuert hatte, mit dieser riskanten Fahrt sein Leben aufs Spiel setzte, das stellt der Vorsitzende Richter nicht infrage. Aber es geht am Dienstag vor dem Amtsgericht Pfaffenhofen an der Ilm um das, was zuvor passiert war. Ob der Mann das Manöver hätte verhindern können, weil es schon früh Alarmsignale gab.

Das nämlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Fernfahrer vor: dass der Fahrer Probleme bemerkt habe und seine Fahrt hätte stoppen müssen. Die Behörde beschuldigt ihn der Brandstiftung und Sachbeschädigung. Das Gericht verurteilt ihn später zu einer Geldstrafe.

In der Firma erreicht er niemanden

Es ist der 17. Juli 2017. Der Familienvater sitzt am Steuer seines Tanklasters. Das Wetter ist schön und der Mann routiniert. Seit 20 Jahren ist er nach eigenen Angaben Berufskraftfahrer, fast ebenso lang hat er Erfahrung mit Gefahrguttransporten. An jenem Julitag transportiert er mehr als 34.000 Liter Benzin und Diesel über eine Bundesstraße. Irgendwann hält er für eine Pause in einer Parkbucht.

So schildert es der Verteidiger des Angeklagten in einer Erklärung zu Beginn des Prozesses, danach spricht der Mann mit Brille, rosa Hemd und Kinnbart auch selbst über die Ereignisse. Er sei ausgestiegen und habe Rauch im Bereich des hinteren linken Reifens bemerkt. Alarmiert ist er damals nicht. Der Fernfahrer geht davon aus, dass die Bremse heißgelaufen ist. Er will sich absichern und ruft seinen Arbeitgeber an, doch in der Firma erreicht er niemanden.

Das Fahrzeug wurde außerhalb des Ortes von der Feuerwehr gelöscht.
Bild: Bastian Sünkel (Archiv)

Nach einiger Zeit verzieht sich der Rauch dann aber. Er steigt in sein Fahrzeug, fährt an, testet die Bremse. "Das hat einwandfrei funktioniert", erzählt der Angeklagte. Also setzt er seine Fahrt fort. Erst als etwa 20 Kilometer später der Reifen mit einem lauten Knall platzt, sei ihm bewusst geworden, dass dies ein Notfall ist. Kurz darauf schlagen Flammen hoch und der Mann ruft die Polizei.

Lkw-Fahrer gesteht vor Gericht Fehleinschätzung ein

Der Vorsitzende Richter bohrt am Dienstag mehrmals nach. Ob dem Angeklagten vor seiner Pause und danach nichts aufgefallen sei. "Mir ist nichts aufgefallen, sonst hätte ich angehalten", betont der 50-Jährige. Damals hatte ihn ein Polizist mit dem brennenden Laster aus der Stadt gelotst. Der Tanklaster wurde außerhalb des Ortes von der Feuerwehr gelöscht. Die Polizei sagte danach, der Fahrer habe Mut bewiesen. Ein Radiosender kürte ihn zum Helden der Woche. Schrobenhausen wollte sogar eine Dankesfeier ausrichten.

Vor Gericht zeigt sich der Mann selbstkritisch. Seine Einschätzung sei ein Irrtum gewesen, räumt er ein und sagt: "Ich bin froh, dass niemandem etwas passiert ist körperlich." Die Staatsanwältin rückt in ihrem Plädoyer zum Teil von der Anklage ab - sie fordert eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen wegen fahrlässiger Brandstiftung. Der Angeklagte wäre damit vorbestraft. Zudem beantragt sie einen Monat Fahrverbot. Zu hart, meint der Verteidiger. Er plädiert auf eine niedrigere Geldstrafe und darauf, vom Fahrverbot abzusehen.

Am Nachmittag die Entscheidung: Das Gericht verurteilt den Mann wegen fahrlässiger Brandstiftung zur Zahlung von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro - also 3200 Euro. Vorbestraft ist der 50-Jährige damit nicht. Zudem wird ihm für einen Monat verboten, Kraftfahrzeuge jeder Art zu führen. Der Mann hätte erst weiterfahren dürfen, nachdem geklärt war, was die Ursache für den Rauch am Fahrzeug ist, begründete der Richter. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. (Wera Engelhardt, dpa)

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18.07.2018

wenn si einen erfahrenen KFZ Meister als Sachkundigen gehört Hätten !! dann wäre ihnen sofort klar geworden das der LKW Lenker den schaden niemals erkennen konnte !! wenn der Achsstummel abkühlt ist nichts zu merken !!! ihn hätte für Umsichtiges Handeln der Bayrische Verdienstorden Verliehen gehört und nicht eine Verurteilung von Altklugen Richtern

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17.07.2018

Hallo, wenn man den Leibwächter Bin Ladens zurückholen muss, weil ein Amtsgerichtsangestellter pünktlich Feierabend gemacht hat, dann gehört auch die Dankesfeier ausgerichtet werden. Ein Radlagerschaden ist halt mal schwer zu erkennen und abzuschätzen. Das kann man in mehrstündiger Verhandlung viel leichter als in einer Sekundenentscheidung

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