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Ingolstadt: Groß-Übung in Ingolstadt: Wie 600 Einsatzkräfte den Ernstfall probten

Ingolstadt

Groß-Übung in Ingolstadt: Wie 600 Einsatzkräfte den Ernstfall probten

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    Am Ingolstädter Apian-Gymnasium brach um kurz nach elf Uhr ein fiktiver Brand aus. Schnell war der erste Löschzug zur Stelle.
    Am Ingolstädter Apian-Gymnasium brach um kurz nach elf Uhr ein fiktiver Brand aus. Schnell war der erste Löschzug zur Stelle. Foto: Michael Kienastl

    Mit Ganzkörperanzug, Sauerstoffflasche und Vollgesichtsmaske könnte er glatt einem Science-Fiction-Film entstiegen sein. Doch der See, in dem der Taucher gerade in Richtung Ufer schwimmt, liegt nicht auf dem Mars, sondern im Ingolstädter Stadtteil Hagau. Augenscheinlich zerrt er einen leblosen Menschen aus dem Wasser und wuchtet ihn auf eine Trage, die dann von zwei Feuerwehrleuten angehoben und weggetragen wird. Erst dann fällt auf: Der Mensch ist eine Puppe und der Science-Fiction-Taucher bei der Wasserwacht.

    Im Ingolstädter Stadtteil Hagau retteten die Einsatzkräfte von Wasserwacht und Feuerwehr vier mit dem Auto im Weiher versunkene Menschen.
    Im Ingolstädter Stadtteil Hagau retteten die Einsatzkräfte von Wasserwacht und Feuerwehr vier mit dem Auto im Weiher versunkene Menschen. Foto: Michael Kienastl

    Durch ein Seil mit integrierter Telefonleitung bleibt er immer mit dem Signalmann am Ufer verbunden. „Wir suchen noch zwei Frauen“, sagt der ihm gerade über ein Headset. Während Einsatzkräfte im Hintergrund versuchen, die Puppe zu reanimieren und daneben ein Rettungsboot ins Wasser lassen, erklärt Florian Bockhorni von der Berufsfeuerwehr Ingolstadt die Übung: „Ein Passant hat beobachtet, wie ein Fahrzeug im Weiher versunken ist. Gerade läuft die Menschenrettung.“ Dafür zuständig ist die Wasserwacht. Die Feuerwehr versucht, das Auto zu bergen und zu verhindern, dass Diesel oder Benzin die Umwelt schädigen.

    Übung in Ingolstadt: Fiktive Einsätze für 600 Einsatzkräfte

    Im Januar 2019 hatten die Freien Wähler einen Antrag auf eine Katastrophenschutz-Vollübung gestellt, denn seit 2012 fand keine mehr statt. Es folgte ein entsprechender Beschluss des Ingolstädter Stadtrats. Nun proben an diesem Samstag unter dem Stichwort „Inkat21“ Einsatzkräfte verschiedener Hilfsorganisationen in unterschiedlichen Szenarien im ganzen Stadtgebiet den Katastrophenfall.

    Am Schlosslände etwa droht ein Hochwasser – zumindest fiktiv. Gegen 9.30 Uhr wird hier der Katastrophenalarm ausgerufen. Weil es tagelang geregnet hatte, stieg der Pegel der Donau enorm. Schnell rückt neben der Feuerwehr auch das Technische Hilfswerk (THW) an. Einsatzkräfte stellen Leitkegel auf und trennen den Straßenverkehr vom Einsatzort. Bald werden Sandsäcke angeliefert. „Der Hochwasserschutz ist enorm wichtig für die Stadt“, sagt Bockhorni.

    Die Vollübung wurde lange geplant. 14.000 Stunden seien laut Ingolstadts Feuerwehrchef Josef Huber in die Vorbereitung geflossen. Mehr als 600 Kräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr, der Hilfsorganisationen des Rettungs- und Sanitätsdienstes, des THW, der Polizei, der Bundeswehr und verschiedener städtischer Behörden mit über 60 Fahrzeugen sind daran beteiligt. Sogar fiktive Gaffer und Störer, die versuchen, aus nächster Nähe zu filmen, nehmen an der Aktion teil.

    Katastrophenschutz in Ingolstadt: Fiktiver Feueralarm im Apian-Gymnasium

    Als die beiden Einsätze schon in vollem Gange sind, bricht im Apian-Gymnasium Feueralarm aus. Immer mehr Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Gebäude gelaufen. Es vergehen einige Minuten, bevor der erste Löschzug der Berufsfeuerwehr mit Sirenen auf das Schulgelände fährt. Noch auf der Anfahrt hat der Hausmeister die Leitstelle angerufen und bekräftigt, dass es in der Schule brennt. Es gebe Rauch im Obergeschoss, noch viele Menschen seien im Gebäude. „Jetzt wird hier richtig aufgefahren“, sagt Bockhorni.

    Circa 80 Kinder und Jugendliche waren an der Übung beteiligt.
    Circa 80 Kinder und Jugendliche waren an der Übung beteiligt. Foto: Michael Kienastl

    Das bedeutet, dass nun auch noch die 16 Freiwilligen Feuerwehren, das Rote Kreuz (BRK) und weitere Hilfsorganisationen zum Apian-Gymnasium fahren. Im Tank eines Löschfahrzeugs ist nur Platz für 2000 Liter Wasser, und so schließen, bereits kurz nachdem der erste Schlauch in die Schule verlegt wurde, die Einsatzkräfte einen Hydranten an.

    Circa 80 Kinder und Jugendliche sind an der Übung als Darsteller beteiligt. Und sie spielen gut: Hustend, ohnmächtig und teilweise blutverschmiert werden sie von den Rettungskräften aus dem Gebäude getragen. Immer mehr füllt sich in der Zwischenzeit das Schulgelände. Alleine vom BRK sind nun 80 Kräfte im Einsatz, davon 70 Ehrenamtliche, wie Sophia Bartsch vom Kreisverband Ingolstadt sagt. Mit mehr als 25 Verletzten ist die Übung ein sogenannter Massenanfall von Verletzten. Das bedeutet, es muss ein Behandlungsplatz eingerichtet werden, sagt Bartsch. Auf diesem – eine Wiese abseits der Schule – werden die fiktiven Verletzten versorgt.

    Verantwortliche sind mit der Einsatz-Übung in Ingolstadt zufrieden

    Josef Huber zeigt sich gegen Mittag zufrieden. „Im Großen und Ganzen verläuft es genauso wie geplant.“ Unter anderem bei der Sandsackbefüllung und der Kommunikation müsse man noch besser werden. Mit den anderen Hilfsorganisationen habe es dagegen sehr gut funktioniert, sagt Huber. „Dafür ist die Blaulichtfamilie bekannt: Wenn zusammengehalten werden muss, dann wird zusammengehalten.“

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