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Neuburg

02.05.2020

KJF Klinik St. Elisabeth: „Wir werden mit Corona leben müssen“

Aktuell sind in der St. Elisabeth-Klinik in Neuburg ausreichend Beatmungskapazitäten verfügbar. Bisher blieben verheerende Zustände wie in Italien oder Spanien aus.
Bild: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Plus Stephan Seeliger ist Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter der KJF Klinik Sankt Elisabeth in Neuburg. Ein Interview auch über die Situation in der Klinik.

Wie ist die momentane Situation in der Klinik in Neuburg?

Dr. Stephan Seeliger: Zurzeit ist die Situation in der Klinik, wie auch in der Region, entspannt. Betten- und Beatmungskapazitäten stehen weiterhin ausreichend zur Verfügung.

Wie viele Intensiv-Covid-Patienten wurden betreut und werden derzeit betreut?

Seeliger: Dazu möchte ich aus Datenschutzgründen keine Angaben machen. Die Daten der Region werden über das Gesundheitsamt verwaltet.

Viele Menschen sind aktuell verunsichert, ob sie sich ins Krankenhaus trauen können. Viele haben Angst sich dort anzustecken. Machen Sie diese Erfahrungen auch in Neuburg? Und was können Sie diesen Menschen sagen?

Seeliger: Die Verunsicherung ist weiterhin groß. Es handelt sich um eine Viruserkrankung, die im Moment weder medikamentös behandelt werden kann, noch haben wir einen Impfstoff. Ich bitte alle Mitmenschen, sorgsam mit sich und den Mitmenschen umzugehen, heißt: Abstand halten, Händedesinfektion, Händewaschen und Mundschutz. Damit senkt man das Risiko für sich und seine Mitmenschen enorm. Nur zusammen sind wir geschützt.

Szenarien wie in Italien konnten bei uns zum Glück abgewendet werden. Zeit für eine Entwarnung?

Seeliger: Es wird vorerst keine Entwarnung geben, bis es eine sogenannte Herdenimmunität gibt. Wir werden sicher für den Rest des Jahres mit Corona leben müssen. Achtsamkeit ist die wichtigste Botschaft.

Wie wird in Neuburg aktuell mit planbaren Operationen umgegangen?

Seeliger: Zurzeit gilt in Bayern noch der Katastrophenfall und die Einschränkung für elektive Diagnostik und Therapie. Alles was medizinisch notwendig und sinnvoll ist, wird natürlich den Patienten angeboten. Ein Blinddarmentzündung, ein Knochenbruch oder eine eingeklemmte Hernie müssen auch weiterhin versorgt werden. Kein Patient soll Schmerzen aushalten müssen wegen des Virus.

Ärztlicher Direktor der KJF Klinik Sankt Elisabeth in Neuburg, Dr. Stephan Seeliger. 

Wie beurteilen Sie als Mediziner die Debatte um die Lockerungen der Ausgangsbegrenzungen?

Seeliger: Ein schwieriges Thema und wie Sie wissen, schwierig zu beantworten. Gingen alle Menschen sorgsam mit sich und den Mitmenschen um, würden Abstand halten, sich und die anderen schützen und Hygieneregeln einhalten, bräuchten wir viele Maßnahmen nicht. Es versteht sich eigentlich von selbst, den anderen weder anzuhusten noch anzuniesen, sich die Hände zu waschen und Abstand zu halten. Da viele nicht den Ernst verstehen, dass Menschen an einer Infektion versterben können, muss man leider feste Regeln aufstellen. In sieben bis zehn Tagen werden wir sehen, ob die Botschaft angekommen ist. Wenn nicht, werden die Neuinfektionen wieder zunehmen. Es wäre schöner, alle nähmen Rücksicht.

Wie gefährlich ist ihrer Meinung nach die sogenannte zweite Welle, die aktuell in aller Munde ist?

Seeliger: Wir Menschen werden leider träge. Alle waren alarmiert, es gab Regeln und Verbote und für viele Menschen ist nichts passiert. Man denkt eher: was für ein „Zauber“ für nichts. Aber gerade das hat uns geschützt. Nun sind die Menschen wieder leichtsinniger, denken Sie nur an den letzten sonnigen Sonntag: Spielplatz, Liegewiese, Grillfeste. Das könnte sich rächen. Die wichtigste Aufgabe heißt jetzt: weitermachen mit der Achtsamkeit – verantwortungsvoll mit den Lockerungen umgehen. Ja, wir wollen alle frische Luft, Bewegung und vielleicht ein Eis – aber bitte mit Blick auf den Mitmenschen.

Es kursieren sehr viele falsche Meldungen über Covid-19. Wie gut informiert sind Ihre Patienten? Wo besteht der meiste Aufklärungsbedarf?

Seeliger: Es ist ein Virusinfekt und man kann seinen Beitrag dazugeben, dass gerade Risikogruppen für einen schweren Verlauf geschützt sind. Wir müssen auf unsere - vor allem alte Mitmenschen - aufpassen, aber wir dürfen sie nicht alleine lassen.

Auch Pflegepersonal und Ärzte sind in vielen Einrichtungen betroffen. Gibt es da im Krankenhaus in Neuburg Ängste und Sorgen?

Seeliger: Ich denke, wir als Klinik haben unseren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen signalisiert, dass wir alle Fragen ernst nehmen. Alle Menschen im Krankenhaus sind aufgefordert, immer im Umgang mit Menschen (ob Patient, Gast oder Mitarbeiter) einen Mundschutz zu tragen, sich an die Regeln der Hygiene zu halten und achtsam mit sich und den Mitmenschen umzugehen.

Interview: Elena Winterhalter

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